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Uraufführung : "... die andern stehn im Licht"

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Bert Brecht hätte sich über die Aufführung seiner vor 80 Jahren uraufgeführten Dreigroschenoper am Sylter Gymnasium sicherlich gefreut. 20 Schüler brachten das Lehrstück über Gemeinheit und Moral auf die Bühne.

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erstellt am 16.Jul.2008 | 08:51 Uhr

Westerland | Unmittelbar vor Aufführungsbeginn der Dreigroschenoper von Bert Brecht am Montagabend im Gymnasium prasseln die letzten Ermahnungen ("denkt ganz besonders an die Betonung!") auf die junge Schauspieltruppe wie ein Stakkato nieder. Sie sind wohl eher der Premierennervosität geschuldet. Was die 20 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 7 bis 13 in den darauf folgenden zwei Stunden den vielen Besuchern an ausgefeilter Theaterkost boten, ließ im Nachhinein nicht nur die wohlmeinenden Ermahnungen vor Spielbeginn vergessen, sondern hatte sich den anhaltend kräftigen Schlussbeifall verdient.
Geschickter Griff ins Theater-Repertoire

Die Geschichte des Ganoven Mackie Messer, seiner Braut Polly und dem Bettlerkönig Peachum samt Gattin, der Bettlermafia und Hurengesellschaft ist durch Literatur, Bühne und Film hinlänglich bekannt. Die Thematik ("Die Gemeinheit auf dieser Welt ist groß") spricht an, die Dialektik gesellschaftlicher Zustände ("die einen stehn im Dunkeln, die andern stehn im Licht") scheint zeitlos aktuell und mag in ihrer sprachlichen Unverblümtheit gerade auch junge Menschen in ihren Bann zu ziehen. Ein geschickter Griff in das Theater-Repertoire, den die Inszenierung verantwortenden Studienräte, Dr. Silke Konejung und Ulrich Siering, hier getan haben.
"Meine Mutter überredete mich zum Mitspielen"

Manch einer der Mitwirkenden musste zu seinem Glück - sprich: auf die Bretter, die die Welt bedeuten - "gezwungen" werden. "Meine Mutter überredete mich zum Mitspielen, doch einige aus meiner 8. Klasse haben darüber anfangs gelacht," erzählt Marius Saß freimütig. Jetzt aber bereut er keine Sekunde, dabei gewesen zu sein.

Die jungen Schauspieler erwiesen sich an diesem Abend als multifunktionale Akteure: Maike Schuster sorgte neben ihrer Rolle als Trauerweiden-Waltraud durch ihr gekonntes Klarinettenspiel für die musikalische Untermalung der Handlung, während Antje Peters mit Hingabe den Mackie Messer gab, und Monke Ibsen, sprachlich und gesanglich ansprechend, in die Rolle der Polly schlüpfte. Beide waren sich auch nicht zu schade, bei den Umbauten des Bühnenbildes fleißig mit Hand anzulegen.
Das Publikum würdigte die Arbeit aller

Brecht hätte sich über diesen Abend gefreut. Abgesehen von seinen Anforderungen an das Lehrtheater (direkte Ansprache der Zuschauer, Verlagerung des Spieles in den Zuschauerraum, ein mit sparsamsten Mitteln gestaltetes Bühnenbild), beeindruckte bei allen jungen Akteuren neben ihrer Rollen- und Textsicherheit die sprachliche Leistung: Klar, deutlich und verständlich bis in die hinterste Besucherreihe wurde hier gesprochen. Hier war geübt, gefeilt, intensiv geschult worden. Alle Achtung!

Ein dankbares Publikum wusste durch starken, lang anhaltenden Beifall die Arbeit aller an diesem Abend zu würdigen.

Eine zweite Aufführung der Dreigroschenoper findet am Mittwoch, 16. Juli, 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums statt. Der Eintritt ist frei.

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