zur Navigation springen
Sylter Rundschau

15. Dezember 2017 | 00:13 Uhr

Wohnen auf Sylt : Die Ängste der Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Weil die Gemeinde Flüchtlinge in der Wohnsiedlung Süd unterbringt, glauben Insulaner zu kurz zu kommen.

von
erstellt am 17.Nov.2015 | 05:50 Uhr

Wegen der Flüchtlinge bekommt sie vom Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM) keine Wohnung. Von dieser vermeintlichen Tatsache ist Karen Jahnke* überzeugt. Die arbeitslose Mutter lebt derzeit mit ihrem Partner und ihrem Kind in einer der Wohnungen der Wohnsiedlung Süd, die mittelfristig abgerissen werden sollen. Der Mietvertrag ist bis zum Ende des kommenden Jahres befristet – das ist bei den dortigen Abriss-Wohnungen so üblich. Jahnke hat deshalb beim KLM einen Antrag für eine neue Wohnung gestellt – dieser wurde nun ohne Begründung abgelehnt. Ihr wird im Schreiben geraten, sich an die anderen Inselgemeinden oder die Gewoba zu wenden. Diese Ablehnung ärgert die Insulanerin – schließlich habe sie einen Wohnberechtigungsschein und stehe schon länger auf einer der Wartelisten des KLM gestanden. Sie ist überzeugt, dass ihre Ablehnung darin begründet ist, dass die Gemeinde kürzlich beschlossen hat, Flüchtlinge in den Abrisswohnungen der Wohnsiedlung Süd unterzubringen. Damit will die Gemeinde angesichts der steigende Zahl von Asylsuchenden relativ unkompliziert und schnell Wohnraum für die Flüchtlinge schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen 19 dieser Wohnungen für Flüchtlinge bereit, weitere 29 richtet das Kommunale Liegenschafts-Management derzeit wieder her. In sechs Wohnungen sind in den vergangenen Wochen Asylsuchende eingezogen.

So, glaubt Jahnke, werde den Insulanern dringend benötigter Wohnraum weggenommen. Sie ist nicht die einzige, die auf der Insel so denkt.

Das stimmt nicht, sagt dagegen Bürgermeister Nikolas Häckel: „Das Kommunale Liegenschafts-Management gibt nur solche Wohnungen an Flüchtlinge, die ansonsten abgerissen werden sollen. Es ist also nicht so, dass die Sylter durch die Flüchtlingsunterbringung auf dem kommunalen Wohnungsmarkt einen Nachteil erleiden würden.“

Das bestätigt auch KLM-Leiter Marcus Kopplin. Für die Wohnungen der Wohnsiedlung Süd, die nun mit Flüchtlingen belegt werden, verschiebe sich zwar der Abrisstermin – aber nicht der geplante Neubau: Die Wohnungen hätten zwar eigentlich schon Anfang des kommenden Jahres abgerissen werden sollen, die Neubauten aber waren erst für 2017 geplant, so Kopplin. Heißt: Durch einen Abriss im kommenden Jahr hätte die Gemeinde zwar Kosten sparen können, das Einquartieren der Flüchtlinge behindert aber nicht die Baupläne. Ohnehin würde weiterhin an mehreren Standorten neuer Wohnraum für Sylter geschaffen. Allerdings: Dass nicht irgendwann auch weitere KLM-Wohnungen mit Flüchtlingen belegt werden könnten, das kann Kopplin auch nicht komplett ausschließen: „Ich weiß ja nicht, was in der nächsten Zeit passiert und wie die Zahl der Flüchtlinge steigt.“ Bevor auch andere kommunale Wohnungen für Flüchtlinge frei gegeben werden, muss die Selbstverwaltung der Gemeinde Sylt einen entsprechenden politischen Beschluss treffen.

Die Anwohner in der Wohnsiedlung Sylt lädt die Gemeinde für Freitag, 20. November, ab 17 Uhr im Forum des Schulzentrums Sylt zu einer Informationsveranstaltung ein. Dort können offene Fragen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung geklärt werden.

* Name von der Redaktion geändert

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert