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Dauerwohnraum : Die 40-60-Regelung spaltet Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Tinnumer Interessengemeinschaft will gegen diese Sicherung des Dauerwohnraums klagen.

von
erstellt am 08.Dez.2015 | 18:24 Uhr

„Keiner traut sich an das Thema ran – außer der Ortsbeirat Tinnum!“ Dieses Zitat von Manfred Uekermann gibt das Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein wieder, das der große Sylter Inselort auf der jüngsten Sitzung seines Ortsbeirates zur Schau trug. Beziehungsweise das des Ortsbeiratsvorsitzenden. Am Montagabend wurde im Tinnumer Gemeindehaus erneut über die 40-60-Regelung diskutiert. Aufhänger dafür war die Vorstellung der geplanten Bebauungspläne 113 und 115.

Wie auf den Sitzungen zuvor war man sich dort mit dem Publikum größtenteils einig: Diese Regelung zur Sicherung von Dauerwohnraum ist in Tinnum nicht erwünscht. Befürchten doch viele der anwesenden Grundstücksbesitzer, dass der Wert ihrer Grundstücke und der ihrer Nachbarn sinkt, sollte ein neuer Besitzer nach dem Verkauf gezwungen sein, 40 oder mehr Prozent der Geschossfläche als Dauerwohnraum zu vermieten. Till Schwichtenberg, Sprecher der Interessengemeinschaft „Tinnum B-Plan“ kündigte nun gegenüber unserer Zeitung an, den Rechtsweg gegen die Regelung zu beschreiten, sollten die Pläne von der Politik wirklich beschlossen werden.

Ein Argument der 40-60-Gegner, das Schwichtenberg in der Sitzung vortrug: Kampen, Wenningstedt und auch List haben öffentlich verkündet, dass die Regelung in ihren Gemeinden keine Anwendung finden werde. Es könne also nicht sein, dass gerade Tinnum, wo noch viele Insulaner leben, von der Regelung betroffen sei, wenn andere Inselgemeinden nicht mitziehen, machte Uekermann deutlich. Bauamtsleiter Martin Seemann dagegen vertrat die Ansicht, dass alle Inselgemeinden die 40-60-Regelung umsetzen müssen. Schließlich, das bekräftigte auch Bürgermeister Nikolas Häckel, hätten sämtliche Gemeindevertretungen dieser Regelung im Rahmen des Wohnraumentwicklungskonzepts zugestimmt. Da dieses Konzept mit der Landesplanung abgestimmt sei, so Seemann weiter, habe er sich gerade von der Kieler Staatskanzlei bestätigen lassen, dass die Regelung nun auch gesamtinsular umgesetzt werden müsse. Dass sich nun die Staatskanzlei in diese Angelegenheit mische, halte er für „undemokratisch“ , konterte Uekermann. Er selbst habe dem Wohnraumentwicklungskonzept und somit auch der 40-60-Regelung als Gemeindevertreter zwar auch zugestimmt. Nun aber ist er der Ansicht: „Man darf sich hinter so einem Konzept nicht verstecken. Wenn sich herausstellt, dass nachgebessert werden muss, muss man nachbessern.“

Bürgermeister Häckel betonte, dass seine Verwaltung ja lediglich die geltende Beschlusslage umsetze. „Also ist der Bauausschuss der Gemeinde Sylt der Buhmann und nicht Sie?“, fragte Hannelore Strauch (CDU). „Schön formuliert“, antwortete Häckel. Auf Nachfrage der Sylter Rundschau erklärte er allerdings, er würde weiterhin hinter der 40-60-Regelung stehen. Auf der Ortsbeiratssitzung sei es ihm vor allem darum gegangen, sich vor seine Mitarbeiter zu stellen: „Ich halte die Regelung auch deshalb für sinnvoll, weil es derzeit keinen besseren Weg gibt, Dauerwohnraum auf Sylt zu sichern.“ Und die offenbar in Tinnum gewünschte Möglichkeit, mit der Regelung zwar Zugezogene zu treffen, aber keine alteingesessenen Sylter, gebe das Baurecht nun mal nicht her. Am kommenden Montag wird sich nun der Bauausschuss der Gemeinde Sylt mit dem Thema befassen.

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