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Inselsüden : Dickes Minus im Hörnumer Kurbetrieb

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In zwei Jahren soll ein Verlust von insgesamt 450 000 Euro erwirtschaftet worden sein / Bürgermeister sieht Schuld bei der Ex-Betriebsleiterin

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 04:39 Uhr

Geldsorgen beim Hörnumer Tourismusservice: Die Bilanzen für 2015 und 2016 würden voraussichtlich mit einem Minus von insgesamt 450 000 Euro abschließen, warnte Bürgermeister Rolf Speth (AWGH) seine Gemeindevertreter vor. Wie bei dem Eigenbetrieb der Gemeinde so ein Defizit auflaufen konnte, wird erst der Jahresabschluss auf der nächsten Sitzung zeigen. Doch Speth ließ keinen Zweifel daran, dass er eine Mitschuld bei der geschassten Betriebsleiterin Finja Fröhlich sieht.

Als Beweis hatte Speth auf der Fensterbank im Sitzungssaal ein kleines Warenlager aufbauen lassen: Einen Fernseher, sechs Funksprechgeräte, zwölf Fahrradhelme, Coffee-to-go-Becher – allesamt Einkäufe der ehemaligen Kurdirektorin, die in seinen Augen unnötig waren und die ihre schlechte Betriebsführung belegen sollten. „Die 260 angeschafften Kaffeebecher reichen auch noch für die nächsten zehn Jahre“, kritisierte Speth. „Das ist ja lächerlich“, kommentierte die Kurausschussvorsitzende Inken Kessenich-Neubauer (CDU) die Warenschau. Wie aus diesen Einkäufen ein Minus von 450 000 Euro entstehen konnte, wollte denn auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Dehn wissen. „Da fängt es mit an“, argumentierte der Bürgermeister.

In der Etatplanung des Hörnumer Tourismusbetriebes für 2015 sei lediglich ein Unterschuss von 3000 Euro vorgesehen gewesen, berichtete Speth. Der Jahresabschluss für 2015, der in der nächsten Sitzung vorgelegt werden soll, ende mit einem Defizit von 227 000 Euro. Für 2016 sei ein ähnliches Ergebnis zu befürchten. Der Kämmerer habe bereits mitgeteilt, dass die Gemeinde gesetzlich dazu verpflichtet sei, den Fehlbetrag auszugleichen. „Das wird uns schwer treffen.“

Zum dritten Mal beschäftigte sich die Gemeindevertretung mit einer „missbräuchlichen Kreditkartenbenutzung“. Die Kreditkarte des Tourismusservices sei im August 2015 mit einem Betrag von 319,35 Euro belastet worden, berichtete Speth – für einen Flug nach Málaga mit der spanischen Fluggesellschaft Vueling. Die Kreditkarte sei daraufhin gesperrt worden. Dem Hinweis der Sylter Bank, den Missbrauch bei der Polizei anzuzeigen, sei der Mitarbeiter nicht nachgekommen. In den Augen von Speth eine weitere Nachlässigkeit von Finja Fröhlich – als Betriebsleiterin hätte sie den Vorgang prüfen müssen. Speth erklärte, er habe nun die Strafanzeige nachgeholt. Das habe sie schon vor sechs Wochen erledigt, warf Inken Kessenich-Neubauer ein.

Trotz der roten Zahlen beim Tourismusservice entschieden sich die Gemeindevertreter bei zwei Enthaltungen, rund 35 000 Euro für die Anschaffung von 50 neuen Strandkörben bereitzustellen. Im Bestand seien rund 480 Strandkörbe, das Ziel für die Hauptsaison 2018 seien aber 530 Stück. Den Auftrag soll ein Anbieter vom Festland erhalten, der ein Angebot zum Stückpreis von 615 Euro vorgelegt hatte. Die Strandkörbe eines Sylter Anbieters seien zwar von besserer Qualität und länger haltbar, aber auch doppelt so teuer.

Allerdings werden die Badegäste für die Strandkorbnutzung in der kommenden Saison auch tiefer in die Tasche greifen müssen – der Preis steigt jeweils um zwei Euro. Normale Strandkörbe kosten dann zehn Euro am ersten Tag, Horizontalkörbe elf Euro und Komfortkörbe 13 Euro. Um eine bessere Auslastung sicherzustellen, erhalten Langzeitmieter ab dem zweiten Tag günstigere Preise. Ab 15 Uhr werden die Strandkörbe zur halben Tagesmiete angeboten.

Die Personalie der ehemaligen Kurdirektorin Finja Fröhlich brachte Bürgermeister Rolf Speth noch häufiger ins Spiel, wenn es darum ging, einen Schuldigen für Missstände im Hörnumer Tourismusservice zu finden. Mit sichtlicher Genugtuung las er dann auch aus dem schriftlichen Urteil des Arbeitsgerichts vor, das den streitenden Parteien mittlerweile zugestellt worden war. Wie wir bereits berichteten, hat das Arbeitsgericht die Klage der ehemaligen Betriebsleiterin Finja Fröhlich gegen die Gemeinde abgewiesen. Die Klägerin habe die Kosten des Verfahrens zu tragen, trug Rolf Speth weiter vor. Der Streitwert sei im schriftlichen Urteil auf 15 143,52 Euro festgelegt worden.

Finja Fröhlich saß auch am Mittwoch als Zuhörerin im Sitzungssaal der Gemeinde und hörte sich kopfschüttelnd an, für was alles sie von Rolf Speth verantwortlich gemacht wird.  „Das lasse ich mir nicht gefallen“, sagte sie unserer Zeitung.  Gegen das Urteil des Arbeitsgerichts will sie Berufung einlegen, sobald die Begründung schriftlich vorliegt.

 

 

 

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