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Windsurf-Talente : Deutschlands zweitbester Waverider studiert in Kiel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Leon Jamaer (23) ist Weltranglisten-Sechster und arbeitete unter anderem als Surflehrer auf Sylt

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Leon Jamaer ist im Waveriding Weltranglisten-Sechster und damit hinter Philipp Köster der zweitbeste deutsche Wellenreiter. Trotzdem steht der 23-Jährige mit beiden Beinen fest auf dem Boden und studiert neben seiner Surf-Karriere an der Universität Kiel Sport und Englisch auf Lehramt. „Wenn ich mit dem Bachelor fertig bin, mache ich erst einmal Pause und konzentriere ich mich nur auf das Surfen“, erzählt er. „Wenn ich ein paar Jahre davon leben kann, ist das super, aber ich will nicht mit 35, wenn die Surf-Karriere zu Ende ist, ohne eine Ausbildung da stehen.“

Der gebürtige Kieler hat im Alter von zehn Jahren mit dem Surfen angefangen. Zunächst ist er immer in der Nähe seiner Heimatstadt auf der Ostsee gefahren. Dann, als die Ansprüche an Wind und Wellen größer wurden, fuhr Leon Jamaer immer öfter an die dänische Nordseeküste. 2008 nahm er dann an seinem ersten Surfcup auf Sylt teil. „Da habe ich sofort verloren. Ich habe die klassischen Anfängerfehler gemacht, wollte unbedingt meinen allerbesten Sprung zeigen und hatte dann keine Zeit mehr für die beiden Wellenritte“, erzählt der Surfer. „Inzwischen habe ich gelernt, dass man sich zurückhalten muss und sich auf die beiden Sprünge konzentrieren sollte, die man wirklich kann.“ Mittlerweile gehört er zu den besten Fahrern der Welt. Da genügt es nicht mehr, nur in den heimischen Gewässern zu trainieren. So oft es geht, fährt Leon im Winter zum Surfen auf die Südhalbkugel. Auch wenn das bedeutet, dass die Universitäts-Regeln ein wenig strapaziert werden müssen. „Vor zwei Jahren habe ich mir alle erlaubten Fehlzeiten aufgespart und habe die Weihnachtsferien um zwei Wochen verlängert, um nach Kapstadt zu fahren“, erklärt er. „Dann habe ich schnell die Klausuren geschrieben und bin in den Semesterferien wieder für sechs Wochen runter geflogen.“ Das Training, die Flüge und das Material hat sich der 23-Jährige in den ersten Jahren seiner Surf-Karriere über Jobs finanziert. So war er einige Zeit lang Surflehrer in Munkmarsch, arbeitete aber auch als Barkeeper oder auf dem Weihnachtsmarkt. Seitdem er aber seit eineinhalb Jahren ganz oben auf der Weltrangliste steht, finanziert sich das Surfen über Sponsoren und Preisgelder von selber. „Ich war aber selber überrascht, dass ich es dieses Jahr unter die Top Ten geschafft habe. Im Winter habe ich relativ wenig trainiert. Aber vielleicht zahlen sich jetzt all die Jahre, in denen ich immer auf dem Surfbrett stand, aus.“ In diesem Jahr will Leon Jamaer unbedingt unter den Top Ten bleiben. „Und irgendwann will ich auch Philipp Köster mal schlagen.“

Aber trotz all der Wettbewerbe, die Leon jetzt fährt, ist da immer noch dieses Gefühl, wenn der Wind auffrischt und auf den Wellen die Schaumkronen tanzen. „Dann werde ich ganz nervös und will unbedingt aufs Wasser.“ In diesem Jahr gehört er auch beim Red Bull Storm Chase zu den besten vier Extremsportlern, die beim letzten und finalen Event um den Titel kämpfen. Auf Sylt stehen die Chancen momentan nicht gut, dass die Waverider noch fahren können. Aber der Wind kann bis Sonntag ja noch drehen.

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