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Integration : Deutschkurse für Sylter Asylbewerber

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

32 Asylbewerber aus verschiedenen Krisenländern leben derzeit auf Sylt - und ein Teil der Insel hält zusammen, um ihnen das Leben in der Fremde zu erleichtern. Die Volkshochschule bietet jetzt Integrationskurse mit Deutschunterricht an.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Sylt | Mohammad Usman Soltani lebt seit einem Jahr in der Keitumer Süderstraße 44. Der 20-jährige Afghane ist Asylbewerber und versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen. Zusammen mit sechs Landsleuten, die ebenfalls hier leben, versucht er, Deutsch zu lernen. „Da geht es um ganz grundlegende Dinge – was sagt man beim Arzt, beim Einkaufen oder wenn man Hilfe braucht.“

Einfach ist es für die jungen Männer nicht. Mohammed und zwei andere Asylbewerber wissen auch nach einem Jahr auf Sylt noch nicht, wie es mit ihnen weitergeht und ob sie in Deutschland bleiben dürfen. „Wir können hier nur sitzen und wissen nicht, wie unsere Zukunft aussieht.“ Insgesamt leben derzeit 32 Asylbewerber auf Sylt. Viele Insulaner versuchen, ihnen zu helfen. So hat der Künstler Peter Klint ein Fußballturnier zwischen Asylbewerbern und Syltern organisiert, eine Pädagogin gibt ehrenamtlich Deutschunterricht und andere kommen einfach nur zum Reden vorbei.

Vor einigen Tagen sind in Keitum zwei neue Asylbewerber angekommen. Der Mann und sein 16-jähriger Sohn stammen aus Serbien, sie sprechen weder Deutsch noch Englisch. Aber bei Facebook organisieren sich bereits Sylter, die ihnen helfen wollen: „Gibt es hier in der Gruppe jemanden der serbisch spricht und Lust hat seine Landsleute mal zu besuchen?“, fragt eine Nutzerin. Jemand anders bietet einen Staubsauger an. Über diese Entwicklung ist Bürgermeisterin Petra Reiber sehr froh. Als im Sommer Leute aus der Nachbarschaft des Asylbewerber-Hauses in Keitum Droh-Nachrichten an die Besitzerin schrieben, befürchtete sie schon, dass sich auf der Insel Ausländerfeindlichkeit entwickelt. „Aber jetzt gibt es ein schönes Miteinander. Ich bin froh, damals an die Öffentlichkeit gegangen zu sein – frei nach dem Motto: Währet den Anfängen.“

Die 32 Flüchtlinge auf Sylt leben in Unterkünften in Keitum, Tinnum und List, darunter sind Männer, Frauen und Kinder. Sie stammen von den Krisenherden dieser Welt, aus Afghanistan, Syrien, Serbien, Irak, Iran und Türkei und haben politische Verfolgungen und Kriege hinter sich. Gerade auf Sylt, wo die Wohnungsnot ohnehin sehr groß ist, ist es für die Verwaltung schwierig, für die Asylbewerber eine Unterkunft zu finden. Die Gemeinden sind dazu verpflichtet, je nach Größe wird ihnen eine Zahl an Flüchtlingen zugewiesen. Diese Zahl hat sich aufgrund der politischen Situation in der Welt im Laufe diesen Jahres beinahe verdoppelt. Deshalb ist Reiber sehr froh, in diesem Jahr ein Haus in Tinnum gefunden zu haben. „Dankenswerterweise gibt es immer einige Privatleute, die uns aus der Notlage heraus helfen und uns ihre Wohnungen anbieten.“

Ob in diesem Jahr noch mehr Asylbewerber auf die Insel kommen, ist noch ungewiss. „Dann stoßen wir allerdings an die Grenzen unserer Kapazitäten“, erklärt Jürgen Ebert, Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes. Er hilft den Flüchtlingen beim Eingewöhnen in die fremde Umgebung und geht beispielsweise mit ihnen einkaufen. „Sie müssen schließlich von ganz unten anfangen, wissen nicht, wie sie mit unserem Geld umgehen müssen, kennen unsere Sprache und unsere Lebensmittel nicht“, sagt Petra Reiber. Unerlässlich sind ihrer Ansicht nach Sprachkurse. „Denn wie sollen sich die Menschen denn integrieren, wenn sie sich nicht verständigen können?“

Ein Angebot der Volkshochschule soll jetzt Deutschunterricht für alle Asylbewerber ermöglichen, die daran Interesse haben. Gestern fand ein erstes Treffen statt. Auch Mohammad Usman Soltani und seine Freunde waren dabei. „Das wird helfen – wobei es sicher schwierig ist, bei nur einer Stunde in der Woche schnelle Fortschritte zu machen“, sagt der 20-Jährige. Insgesamt soll es vier Lerngruppen geben, darunter eine speziell für Kinder. Den Unterricht gibt die Sylter Pädagogin Claudia Wolters. Sie ist spezialisiert auf Integrationskurse und damit in der Lage, Deutsch zu unterrichten, ohne die Sprachen ihrer Schüler zu beherrschen. „Die Leute waren alle sehr offen“, sagt Volkshochschul-Leiterin Sabine Rosenthal nach dem Treffen. „Sie haben den Wunsch zu lernen und freuen sich darauf.“

Für Mohammad und die anderen 31 Asylbewerber auf Sylt ist dieses Angebot eine Chance, um sich ein neues Leben in Deutschland aufzubauen – vorausgesetzt, sie dürfen in Deutschland bleiben.

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