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Deutsche Meisterin verlässt Sylt nach drei Jahren

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Anjuli Knäsche ist eine der besten deutschen Stabhochspringerinnen / Die 19-Jährige lebt bei ihrer Mutter in Westerland, im Sommer zieht es sie wegen Studium und Training wieder nach Kiel

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erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Westerland | Anjuli Knäsche lebt seit drei Jahren auf Sylt. Sonne, Strand und Meer konnte die 19-Jährige während dieser Zeit allerdings kaum genießen. Denn die junge Frau ist Leistungssportlerin und derzeit amtierende Deutsche Meisterin im Stabhochsprung bei den Unter-Zwanzigjährigen.

Im Juni oder Juli will die junge Sportlerin Sylt zum Studium in Richtung Kiel verlassen. "Da suche ich mir dann eine eigene Wohnung", erzählt sie. Darauf freut sich Anjuli Knäsche schon. "Das liegt aber nicht an Sylt. Ich hätte gerne mehr vom Inselleben mitbekommen. Aber ich werde, wenn ich in Kiel lebe, einfach deutlich weniger Stress haben und danach sehne ich mich."

Denn die sportliche Karriere von der Nordseeinsel aus voran zu treiben, war für Anjuli Knäsche nicht leicht. Einmal in der Woche muss sie nach Hamburg zum Techniktraining fahren, denn eine Stabhochsprunganlage gibt es auf Sylt nicht. "Die Schule war aber sehr kooperativ und hat mich für Wettbewerbe und Trainings frei gestellt", erzählt Knäsche.

Ursprünglich stammt sie aus der Nähe von Kiel und hat dort den größten Teil ihres Lebens bei ihrem Vater verbracht. "Ich wollte aber auch mal bei meiner Mutter gelebt haben, deshalb bin ich vor drei Jahren nach Westerland gezogen", erzählt sie. Für Freunde hatte die Sportlerin während dieser Zeit kaum Zeit. Schließlich hatte sie in der Regel bis 15.20 Uhr Schule, danach stand das Training auf dem Programm und freitags ging es dann zum Techniktraining nach Hamburg. Die meisten Freunde hat sie deshalb beim Sport. "Hier auf Sylt ist es schwierig, sich in der Freizeit mit Freunden zu treffen - die Gelegenheiten kann man an einer Hand abzählen. Das fehlt mir schon, aber der Sport hat Priorität", erzählt die 19-Jährige.

Auf Sylt trainiert sie die meiste Zeit über alleine. Jede Woche schreibt ihre Trainerin ihr einen Plan, nach dem Knäsche auf dem Sportplatz oder in einer Sporthalle zwischen Turnern und Volleyballspielern des TSV Westerland Sprints, Weitsprung, Turnen und Treppenläufe trainiert. "Dann bin ich die Himmelsleiter neunmal rauf- und runtergerannt oder habe am Strand Sprünge geübt."

Das nächste große Ziel ist für Anjuli Knäsche die Aufnahme in den Kader für die U-23-Leichtathlethik-Europameisterschaften in Finnland. "Fürs Stabhochspringen werden aber nur drei Athleten mitgenommen. Das wird eine ganz schöne Herausforderung." Die größte Konkurrenz sei dabei im eigenen Land."Hier gibt es sechs oder sieben Leute, die die Qualifizierungs-Höhe von 4,25 Metern relativ locker springen können." Der Entscheidungs-Wettkampf findet am 15. Juni statt. "An dem Montag entscheidet sich dann, wer mit darf und wer nicht."

Anjuli Knäsche ist sich noch nicht sicher, ob das auch klappt. "Im Training läuft es im Moment gut, aber im Wettkampf noch nicht so richtig." Denn im Training habe sie viel weniger Druck "und wegen des schlechten Wetters springen wir meistens in der Halle, ohne Wind, Regen und Konkurrenten." Ihr Abitur hat Anjuli Knäsche jetzt fast geschafft. Nur noch die mündlichen Prüfungen erwarten sie in der kommenden Woche. Über ihre Schulnoten macht sich die 19-Jährige, anders als wohl die meisten ihrer Altersgenossen, kaum Sorgen.Schließlich genießt sie als Mitglied des Bundeskaders einen gewissen Sonderstatus. "Es gibt in Schleswig-Holstein jetzt eine Profilquote. Das heißt, ich komme bis auf Medizin und Psychologie in alle Studienfächer rein - unabhängig von meinen Schulnoten." Was sie studieren möchte, weiß Anjuli Knäsche noch nicht. Auf jeden Fall soll es etwas sein, das Naturwissenschaften mit Wirtschaft kombiniert. Und sie möchte nach Kiel. Bei der Deutschen Sporthochschule in Köln hat Anjuli Knäsche zwar die Aufnahmeprüfung bestanden, "aber nur immer Sport ist mir einfach zu langweilig. Da würde mir der geistige Ausgleich fehlen."

Ihr sportliches Ziel ist es, einmal im Leben bei den Olympischen Spielen anzutreten. "Aber das ist ein Fernziel", sagt Anjuli Knäsche. Die beste Zeit habe man im Stabhochsprung mit Anfang 30. "Je technischer ein Sport, desto später erreicht man seine Hochzeit. Stabhochsprung ist eine der technischsten Sportarten überhaupt."

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