Syltshuttle : „Desaströs“: RDC präsentiert seinen Autozug

RDC rollte gestern mit seinen behelfsmäßigen Waggons in Westerland ein.
1 von 4
RDC rollte gestern mit seinen behelfsmäßigen Waggons in Westerland ein.

Alarm auf Sylt: Provisorische Autozug-Waggons sorgen für Verunsicherung. Ein Tourismusexperte trocken: „Interessanter Retro-Look“.

von
05. Mai 2015, 17:22 Uhr

Sylt | „Dies ist nicht mein erster Trip nach Sylt – aber mein schönster“, sagte Henry Posner III, als er mit einem Testzug am Westerländer Bahnhof ankam. Der Begründer des amerikanischen Eisenbahnunternehmens Railroad Developement Corporation (RDC) nahm an den Testfahrten seines Unternehmens Teil, das auf der Strecke zwischen Niebüll und Westerland seine künftigen Autozug-Waggons ausprobieren wollte. Anders als Henry Posner III kippte die Stimmung vieler Sylter beim Anblick der sehr simpel und sehr provisorisch wirkenden Waggons: „Ein weitaus professionellerer Auftritt hätte RDC als Start gut getan, anstatt mit 30 Jahre alten Rohr-Verlade-Waggons zur Probefahrt aufzutauchen... Desaströser PR-Gag. Unfassbar“, schrieb ein Leser der Sylter Rundschau, nachdem die ersten Bilder der Flachwagen im Netz kursierten.

<div id="fb-root"></div><script>(function(d, s, id) {  var js, fjs = d.getElementsByTagName(s)[0];  if (d.getElementById(id)) return;  js = d.createElement(s); js.id = id;  js.src = "//connect.facebook.net/de_DE/sdk.js#xfbml=1&version=v2.3";  fjs.parentNode.insertBefore(js, fjs);}(document, 'script', 'facebook-jssdk'));</script><div class="fb-post" data-href="https://www.facebook.com/sylterrundschau/posts/891842404207429" data-width="500"><div class="fb-xfbml-parse-ignore"><blockquote cite="https://www.facebook.com/sylterrundschau/posts/891842404207429"><p>Wie angek&#xfc;ndigt, l&#xe4;sst RDC heute ihre einst&#xf6;ckigen Waggons zwischen Nieb&#xfc;ll und Westerland Probe fahren. Das Unternehmen will ab Dezember den Autozug betreiben.</p>Posted by <a href="https://www.facebook.com/sylterrundschau">Sylter Rundschau - Nachrichten für die Insel Sylt</a> on <a href="https://www.facebook.com/sylterrundschau/posts/891842404207429">Dienstag, 5. Mai 2015</a></blockquote></div></div>

Auch die restlichen Kommentatoren machten ihrem Entsetzen Luft: „Da kann man ma’ lieber durchs Watt fahren.. “ oder „Vier Millionen Jahre Evolution – und dann das“. Auch Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service kommentierte die Optik der Züge leicht ironisch: Das sei zwar ein „interessanter Retro-Look“, so Douven – doch in der Wagenausstattung und Anzahl sehe er noch Luft nach oben.

<iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/lV780j4gHxQ" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

Bei RDC kann man die Aufregung der Sylter nicht verstehen. Die Waggons sollen noch ein wenig umgebaut, beispielsweise mit Notbremsen und Feuerlöschern ausgestattet werden, ansonsten würden sich die Waggons von der Bauart gar nicht so stark von denen unterscheiden, die der Syltshuttle nutze, sagte Carsten Carstensen, kaufmännischer Geschäftsführer von RDC.

Auch wenn man es als Laie nicht glauben mag: Eisenbahnexperten halten es nicht für unwahrscheinlich, dass das Eisenbahnbundesamt diese umgebauten Züge für den Autozugverkehr zugelassen werden. Statt rund 850 Metern Verladefläche der zweistöckigen Syltshuttle-Züge werden die RDC-Bahnen nur mit 550 Metern aufwarten. „Da wir ja planen, häufiger zu fahren, wird sich das kompensieren“, so Carstensen weiter. Und ab 2017 will das Unternehmen ohnehin eigene doppelstöckige Züge fahren lassen.

Die Kritik, die seinem Unternehmen von der Insel aus entgegen schlägt, hält Carstensen schlicht für Verunsicherung: „Als damals die Nord-Ostsee-Bahn den Betrieb aufgenommen hat, war die Verunsicherung ja auch groß“, erinnert er sich. Generell könne er verstehen, dass die Sylter Antworten auf offene Fragen fordern – dafür stehe er und sein Unternehmen auch zur Verfügung. Auch dass Henry Posner III nun bei den Testfahrten dabei ist, wäre als Zeichen dafür gedacht, dass es sich bei ihm „nicht um so eine Heuschrecke handelt, sondern um einen eingefleischten Eisenbahner“, sagte Carstensen.

Posner selbst erklärte gegenüber der Sylter Rundschau, was einen Amerikaner auf den Hindenburgdamm verschlage: Sein Unternehmen sei an der Autozugstrecke nach Sylt interessiert, weil klar sei, dass man dort mit Eisenbahnfahren Geld verdienen könne. Wettbewerb auf der lukrativen Strecke, glaubt auch Carstensen, käme letztendlich immer dem Kunden zugute.

Ihre Testfahrten erklärte das Unternehmen anschließend in einer Pressemitteilung zum Erfolg: „Mit diesen Fahrten konnten wir das Verhalten der Lok mit Bespannung auf dem Hindenburgdamm sowie an den Verladerampen bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten testen“, erläutert Hinrich Krey, der für Technik und Betrieb zuständige RDC-Geschäftsführer.

Ob das Unternehmen die momentan tendenziell skeptischen Sylter von sich überzeugen kann, wird sich frühestens Ende dieses Jahres zeigen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen