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Frödden-Epitaph : Der verlorene Sylter Kirchenschatz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

1972 wurde das so genannte Frödden-Epitaph aus St. Severin gestohlen. Das Gemälde, das die fünf Söhne von Frödde Frödden zeigt, gilt bis heute als verschollen.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 05:16 Uhr

Ältere Sylter werden sich daran erinnern: Unter der Nordempore der St. Severin-Kirche, in Nachbarschaft zum Taufstein, hing über 300 Jahre ein besonderes Gemälde, das so genannte Frödden-Epitaph. Bis 1972 hing es dort, doch in der Nacht vom 3. auf den 4. September wurde in das Keitumer Gotteshaus eingebrochen. Die Diebe drangen damals durch ein Kirchenfenster ein und entwendeten eine Bibel, einen hölzernen Kerzenständer, einen Kruzifix und ein auf Holz gemaltes Ölbild aus dem Jahre 1654. Das 135 x 56,5 cm große Bild zeigt die fünf Söhne von Frödde Frödden und seine Schwiegertochter Karren Swennen, die alle um ein mittig gesetztes Kruzifix angeordnet sind.

In der linken Bildhälfte sitzt Karren Swennen in einem bemerkenswert reich geschmückten Kleid, daneben ihr Gatte Sven Frödden und sein Bruder Frödde. Rechts des Kreuzes sitzen die Brüder Bleck, Neckels und Jens. Die Männer halten in ihren Händen alle ein Buch, Karren hingegen ein feines, weißes Spitzentuch.

Durch den Diebstahl haben Kirche und Insel ein bedeutendes Kulturgut verloren. Die Familie Frödden gehörte zu den namhaften Familien der Insel. Frödde Frödden selbst war unter anderem von 1623 bis 1634 Landvogt auf Sylt und verstarb 1635 in Tinnum. Sein UrUrenkel, Friedrich Frödden, stiftete im Jahre 1787 eine Orgel für die Keitumer Kirche – es war die erste Orgel der Insel überhaupt. Zudem ist die Darstellung der fünf Brüder und einer der Ehefrauen bemerkenswert, zeigt das Gemälde doch ungewöhnliche Gewänder, die in dieser Art für die hiesigen Inselbewohner sonst nirgends dokumentiert sind.

Bis heute gilt das Gemälde als verschollen, die Fahndung der Polizei hatte damals keinen Erfolg. Ob die Einbrecher es gezielt auf das Gemälde abgesehen hatten, oder wahllos zugegriffen haben, weiß man nicht. Unterlagen dazu fehlen bei der Polizeibehörde genauso wie im Kirchenarchiv. Seit dem Diebstahl sind 45 Jahre vergangen. Zu hoffen ist, dass das Gemälde damals nicht zerstört wurde. Vielleicht hat das Frödden-Epitaph niemals die Insel verlassen, es ist auch möglich, dass es nach so langer Zeit im Kunsthandel auftaucht. Auf jeden Fall wäre es ein ungeheures Glück, wenn das Gemälde an seinen Ursprungsort zurückkehren könnte.

Wer nähere Informationen zu dem Bild machen kann, möge sich mit der Kirchengemeinde (Tel: 04651-31713, kirchenbuero@st-severin.de ) oder Silke von Bremen (Tel: 04651-35574, sylt@silke-von-bremen.de) in Verbindung setzen.


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