Symbol für biblische Geschichte : Der Ursprung aller Weihnachtssterne

Der Herrnhuter Stern gilt als Symbol für die biblische Geschichte.
1 von 2
Der Herrnhuter Stern gilt als Symbol für die biblische Geschichte.

Der in der Adventszeit häufig verwendete Herrnhuter Stern ist das Produkt einer kleinen Revolution. Anfang des 19. Jahrhunderts leuchtete auch auf Sylt der erste Stern aus Papier und Pappe

Avatar_shz von
16. Dezember 2017, 05:27 Uhr

Das Leben von Revoluzzern ist nicht gerade gemütlich. Das wissen wir spätestens seit diesem Jahr, nachdem uns Luthers Leben in zahlreichen Dokumentationen vor Augen geführt wurde. Und die Sylter wissen es von ihrem Uwe Jens Lornsen. Mit 37 Jahren verhaftet zu werden und acht Jahre später Selbstmord begehen – wer will das schon? Für nachfolgende Generationen stellt sich die Frage, was bleibt eigentlich außer Denkmälern oder Sinnsprüchen von jemandem, der auszog, die Welt zu verändern? Dass der jetzt vielerorts aufleuchtende Weihnachtsschmuck des Herrnhuter Sterns ebenfalls das Produkt einer kleinen Revolution ist, ahnt vermutlich kaum jemand und dass zu diesen „Anarchisten“ auch Sylter gehörten, ist sicher den wenigsten bekannt.


Graf Zinzendorf kennen wir alle irgendwie

Der Stern hat seinen Ursprung in der Herrnhuter Brüdergemeine (tatsächlich ohne „d“ geschrieben), einer überkonfessionell-christlichen Glaubensbewegung. Sie ist vom Protestantismus und dem späteren Pietismus geprägt und wurde von Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf (1700- 1760) im Jahre 1732 gegründet. Diesen Grafen kennen wir übrigens alle irgendwie. Er hat über 2000 Kirchenlieder gedichtet – darunter das Lied „Jesu, geh voran“ und am bekanntesten dürfte sein Tischgebet sein: „Komm Herr Jesus, sei Du unser Gast und segne, was Du uns bescheret hast. Amen.“

Und wer die Losungen, Gottes Wort für jeden Tag, regelmäßig liest, hat auch diese Idee, das biblische Wort in den Alltag kommen zu lassen, dem Grafen zu verdanken. Zinzendorf, der unter anderem in den Franckeschen Stiftungen in Halle studiert hat, wurde 1736 aus Sachsen verbannt. Seine Brüdergemeine, denen die Gleichheit aller Menschen vor Gott ein Glaubenskern war, wurde der lutherischen Orthodoxie zu selbständig und langsam als Bedrohung empfunden.


Sylter schließen sich der Brüdergemeine an

Zu dieser Zeit scheint es schon Sylter gegeben zu haben, die sich der Herrnhuter Brüdergemeine angeschlossen hatten, wie es Briefe ab 1741 belegen, die im Archiv der Sölring Foriining verwahrt werden und die vor knapp 25 Jahren von Pastor Gerd Dannenberg transkribiert wurden. Zu der Sylter Brüdergemeine gehörten der Urgroßvater von C.P. Hansen, Hans Carsten Broders (1697-1763), ebenso wie der Rantumer Strandvogt Nis Taken (1708-1791). Regelmäßige Post erhielten sie von Johann Christian Ambders, dessen Vater bis 1744 Pastor in St. Niels war.

Viel mehr ist bisher über die Sylter Gruppe nicht bekannt, aber alleine die Tatsache ist bereits eine kleine Sensation. Schon kurz nachdem sich die Herrnhuter Brüdergemeine gegründet hatte, entsandte man Missionare in entlegene Weltgegenden. Interessanterweise auch in jene Gegenden, zu denen ebenfalls die Sylter Seefahrer unterwegs waren – wie St. Thomas und Surinam. Ziel war dabei natürlich die Verbreitung der christlichen Botschaft. Die Ausbildung und Versorgung der „Heiden“ wurde dabei ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Aber was hat das alles mit dem Herrnhuter Stern zu tun, der als Ursprung aller Weihnachtssterne gilt?

Weil in den Missionsgebieten die Lebensverhältnisse oft widrig waren, schickten die Eltern ihre Kinder, wenn sie das Schulalter erreicht hatten, in die Heimat zurück. Unter der Obhut der Brüdergemeine lebten sie in Internaten und erhielten dort Erziehung und Bildung. Natürlich konnten diese Schulheime das Zuhause nicht ersetzen. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit war die Trennung von den Eltern nicht leicht. Ein Erzieher nutzte den Stern, der auch den Herrnhutern als Symbol für die biblische Geschichte gilt, als Vorlage im Mathematikunterricht, um den Schülern ein besseres geometrisches Verständnis zu vermitteln. Er ließ die Internatskinder Sterne aus verschiedenen geometrischen Formen bauen, um anschließend damit die Internatsstuben zu schmücken.


Weiß für die Reinheit und Rot für das Blut Christi

Anfang des 19. Jahrhunderts leuchtete hier der erste Stern aus Papier und Pappe. Diese frühen Sterne waren in „Weiß“ und „Rot-Weiß“ gehalten – Weiß symbolisierte die Reinheit und Rot das Blut Christi. Fortan bastelten die Kinder stets am 1. Sonntag im Advent ihre Sterne und trugen damit diesen Brauch in ihre Familien, später in alle Welt und bis nach Sylt.





zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen