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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 10:48 Uhr

Kampen : Der unbeirrbare (Kunst-) Entdecker

vom

Der Galerist Rainer Herold eröffnet zu Pfingsten seine Sommerausstellung und zeigt auch Werke von Heckel, Nolde und Pechstein

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 08:22 Uhr

Kampen | Jeden Morgen spaziert Rainer Herold eine Stunde lang am Strand. "Am Ende habe ich immer irgendeinen Stein in der Tasche", erzählt der Kampener Galerist. Steine faszinieren ihn. Ihr Farbspiel, ihre Oberflächen und Formen reizen ihn, sie zu berühren. So ergeht es ihm auch bei den Arbeiten des Steinbildhauers Heinrich Meyer, dessen zeitgenössische Werke in der Galerie Herold die Malerei von Emil Nolde, Erich Heckel oder Max Pechstein kontrastieren. Meyers eher abstrakt gehaltene Stein-Objekte begeistern Rainer Herold seit vielen Jahren, weil "sie den vorgegebenen Strukturen des jeweiligen Steins folgen".

Herold ist eher wortkarg, wenn es um die Beschreibung von Kunst geht, er neigt nicht zum ausufernden Schwätzen über Kunst. Er streicht bei seiner Schilderung mit den Händen über die fein polierten Flächen, starken Riffelungen oder schroffen Brüchen der von Meyer bearbeiteten Steine, wie um zu belegen, dass es sensible gestaltete Skulpturen sind, die genau betrachtet und berührt werden wollen.

Es ist die Begeisterung des Entdeckers und Sammlers Rainer Herold, die in solchen Momenten erlebbar wird. Vor gut 30 Jahren wurde aus dieser Begeisterung für die Kunst seine neue Profession. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war der Hamburger sehr erfolgreich als Werber unterwegs, verdiente überdurchschnittlich gut, spürte aber, "dass es nicht wirklich befriedigend war". Die Kunst, die Bildhauerei und Malerei hatte ihn von früher Jugend angezogen und berührt. Ohne weitere Erfahrung, nur mit dem Mut des Enthusiasten, entschloss sich Rainer Herold, seine Ersparnisse in den Ankauf von Bildern und Skulpturen zu investieren, um sich an ihnen zu erfreuen, aber auch um andere dafür zu begeistern und sein Werber- und Verkäufertalent in den Kunsthandel einzubringen.

"Es war eine harte Zeit", erinnert er sich heute an den Beginn seiner Tätigkeit als Kunsthändler und Galerist. Denn Herold hatte Malerei gekauft, die Ende der 1970er Jahre nicht gerade im Trend lag: Norddeutsche Kunst des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Keine großen Namen, aber sehr gute Malerei. In den Museen wurden solche Bilder nicht mehr gezeigt, die Kunst der Gegenwart mit ihrem starken Hang zum Abstrakten bestimmte die Ausstellungen. Doch Rainer Herold blieb seiner Leidenschaft für seine Bilder treu, konzipierte für sie Kataloge und Ausstellungen. Langsam wurde sein Name unter Sammlern bekannt, wurden ihm auch Werke angeboten. Darunter auch solche von bekannten Namen, die aber noch erschwinglich waren. So wuchs seine Sammlung, die Bilderdichte an den Wänden seines Hauses auch. Denn er erwirbt nur Exponate, die er auch selbst gern um sich hat. Manches bleibt deshalb unverkäuflich, wird gar nicht erst in der Galerie angeboten. Seit 1996 sind es zwei Galerien: eine in Hamburg und eine weitere in Kampen. Herold hat seine Jugend- und Schulzeit auf der Insel erlebt, fühlt sich hier zu Hause, auch wenn er einen Großteil seiner Zeit in Hamburg lebt. Künstler auf Sylt, ihre Malerei ist ein Schwerpunkt in seinem Programm, seine Kampener Galerie präsentiert drei bis vier Mal im Jahr Neuerwerbungen beziehungsweise schöpft aus dem großen Fundus der Herold-Sammlung. Dass sie so umfangreich und qualitätsvoll ist, verdankt der eher still agierende Galerist seiner Beständigkeit, seiner unbeirrbaren Begeisterung für eine Malerei, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung im Bewusstsein von Kunstfreunden gewonnen hat.

"Und wir haben gerade auf Sylt sehr viele, die mit großem Interesse und Kunstverständnis gezielt auf der Suche nach der norddeutschen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts sind", freut sich Rainer Herold. Doch nicht nur mit den Steinarbeiten von Heinrich Meyer beweist der Kunstexperte, dass ihn auch das aktuelle Wirken von Künstlern interessiert. So finden sich in seiner neuen Ausstellung, die an diesem Wochenende eröffnet wird, Sylt-Bilder des international renommierten Berliner Künstlers Rainer Fetting.

Rainer Herold wäre aber wohl heute mit seiner Galerie und seinem Kunsthandel nicht dort, wo er ist, wenn es nicht seine ebenso kenntnisreiche wie engagierte Frau Karin gebe, die längst wesentlich in allen Belangen der Ausstellungstätigkeit und des Kunsthandels eingebunden und entscheidend ist. Dass auch die Tochter der beiden als Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin eines renommierten Aktionshauses beruflich auf den Spuren der Eltern wandelt, freut die Herolds nicht nur, es belegt auch wie ernst es der Familie ist, wenn es um Kunst geht.

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