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Sylter Rundschau

20. Oktober 2017 | 07:41 Uhr

Der Traum von einer Kathedral-Orgel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kirchenmusiker Jürgen Borstelmann arbeitet seit 33 Jahren in Hörnum / Einmal möchte er in Frankreich auf der Orgel einer der großen Kirchen spielen

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 17:54 Uhr

Spontan greift Jürgen Borstelmann während des Gespräches zur Fernbedienung und lässt keltische Musik erklingen. Der man gebannt lauscht und sich kaum ihrer Wirkung entziehen kann. Gegenwärtig ist das eines der großen Projekte des Kirchenmusikers der evangelischen Kirchengemeinde Hörnum-Rantum: Der 51-Jährige bearbeitet musikalische Vorlagen aus dem keltischen Kulturkreis. Wohnt doch dieser Musik, so betont er, „ein besonderer Zauber inne. Die meditativen Stücke gehen zu Herzen, während die bewegenderen Teile den Hörer geradezu mitreißen wollen.“ Im Sommer dieses Jahres soll als kompositorisches Arbeitsergebnis eine CD (Keltische Musik für Flöte und Orgel)erscheinen, die Borstelmann gemeinsam mit der Flötistin Christina Glede einspielt. Und die natürlich in einem großen Konzert in Hörnum vorgestellt wird.

Seit über 33 Jahre, betreut der gebürtige Sylter kirchenmusikalisch den Süden der Insel Sylt. Wirkt als Organist in Hörnum (St. Thomas) und Rantum (St. Peter), begleitet dort jeweils mit seinem Orgelspiel sämtliche Amtshandlungen, und stellt zudem alljährlich ein beachtliches Programm von annähernd 25 (Kirchen-)Konzerten auf die Beine. Das alles, so vergisst er nicht zu betonen, in „äußerst angenehmer Zusammenarbeit“ mit der für ihn zuständigen Pastorin Annette Gruenagel.

Dem 1963 Geborenen, der samt seiner großen Familie auf eine Jahrhunderte währende Verwurzelung mit Sylt zurück blicken kann (die Ursprünge der Borstelmanns liegen auf der Insel Nordstrand), scheint die Liebe zur Musik vererbt worden sein. Während sein Vater Hans in List das Organistenamt inne hat, sein Onkel Willy langjähriger Kirchenmusiker in St. Severin (Keitum) war, scheint die dreizehnjährige Tochter Ramona die familiäre Tradition fortzusetzen. Sie musiziert leidenschaftlich, bringt ihr Können bereits bei (Schul-)Konzerten ein und fehlt in keinem Konzert ihres Vaters.

„Ich sehe es als Glücksfall für mich an, in einer musikalischen Familie aufgewachsen zu sein,“ erzählt Borstelmann. Wen wundert es da, dass er bereits mit zwölf Jahren zu komponieren begann. Es war ein dreiteiliges Präludium in G-Dur, das prompt in einem Konzert aufgeführt wurde und bei dem sein Musiklehrer „so richtig stolz“ auf ihn war. An der weiteren musikalischen Entwicklung sind die Musikschulen in Westerland und Husum wesentlich beteiligt. „Ihnen verdanke ich eine nachhaltige Förderung,“ so der Kirchenmusiker. Sein zunehmendes Können bringt der Heranwachsende auf Sylt in einer (Jugend-)Rock-Band sowie der Gruppe „Memories“ ein, bevor es ihn zum Studium an die renommierte Musikhochschule nach Lübeck zieht.

Unlängst stellte Borstelmann sein kompositorisches Geschick erneut unter Beweis. Anlässlich der Feierstunde zur Verleihung des C.-P.-Hansen-Preises der Sylter Gemeinden erreichte ihn der Kompositionsauftrag, auf der Basis eines alten Sylter Tanzliedes von 1824 aus der Feder Peter Hansens ( C. P. Hansens Bruder) einen musikalischen Beitrag zu leisten. Der Sylter brachte dabei musikalische Variationen zu Gehör, die allseits breite Beachtung und Beifall fanden. Sein unbestreitbares Können auf diesem Gebiet, in Konzerten viele Male unter Beweis gestellt, mag der Musiker voller Bescheidenheit gar nicht allzu sehr herausstellen. „Ich bin als Komponist ein Autodidakt“, betont er immer wieder. Er weiß von den Mühen dieser musikalischen Arbeit: „Komponieren ist für mich ein ständiger Entscheidungsprozess. Was ist Spreu, was Weizen? Das gilt es zu trennen. Natürlich gibt es schnelle Entwürfe, die mir durch den Kopf gehen. Nervös aber lasse ich mich dadurch nicht machen. Inspirationen sind hilfreich, aber nicht Voraussetzung für die erfolgreiche kompositorische Arbeit“.

Borstelmann hat gelernt, sich in Geduld zu üben. Und abzuwarten, „bis es reif ist und aus dem Inneren kommt.“ So manches Ergebnis seiner Kreativität kann sich sehen lassen. Bei der „Internationalen Musikmesse“ in Frankfurt/Main etwa gewann er 1995 mit seiner Arbeit gleich zwei Preise für elektronische Orgel. „Das war äußerst ungewöhnlich,“ darf er nicht ohne Stolz bekennen.

Jahrzehnte auf der Orgelbank und in der Kirchengemeinde – gibt es da keinen Ausgleich? Oder gar den Wunsch nach Veränderung? Seine Antwort ist so eindeutig wie sein Bekenntnis zur Heimat. „Auf Sylt und an meiner Wirkungsstätte fühle ich mich wohl.“ An einen (Orts-)Wechsel ist nicht zu denken. Und für den Ausgleich sorgt seine musikalische Begleitung von (familiären) Festen und Feiern. Bei denen nicht die Orgel, sondern die leichte Muse gewünscht ist. Mit seinem „Evergreenpiano“ steuert er Pop- und Filmmusik oder halt Evergreens zum Gelingen der unterschiedlichsten Festlichkeiten bei.

Große Freude bereitet ihm die künstlerische Arbeit mit dem 1994 von ihm ins Leben gerufenen „Ensemble Amabile“. Dieses musikalische Duo mit der Flötistin Christine Glede und wechselnden Beteiligten, wird sich auch in diesem Jahr auf Borstelmanns Konzertplan finden. Sein lange gehegter Wunsch ist, „einmal auf einer großen Kathedralorgel in Frankreich zu spielen.“ Vor geraumer Zeit musizierte er bereits auf der Orgel im Dom von St. Peter zu Schleswig. Wenn das kein Anfang ist...

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