Der Tag als der Klenderhof brannte

Die heutige Ansicht des Klenderhofs. Foto: deppe
1 von 2
Die heutige Ansicht des Klenderhofs. Foto: deppe

Folge 15 der SR-Serie "Sylter Zeitgeschichte" dreht sich rund um die sogenannte Springer-Burg, die im August 1973 in Flammen stand

shz.de von
19. März 2013, 03:59 Uhr

Kampen | Einer Trutzburg gleich thront seit 1933 der Klenderhof nahe des Kampener Watts. Wechselvoll ist seine Geschichte - wie auch seine Eigentümer und Gäste. Doch vor genau 40 Jahren wäre dem Anwesen fast der Feuertod beschieden worden. Das repräsentative Domizil befand sich seinerzeit im Besitz des Zeitungsverlegers Axel Springer - weshalb der Klenderhof im Sylter Volksmund noch heute als Springer-Burg firmiert. 1972 spendierte der Zeitungszar der Kampener Feuerwehr ein nagelneues Löschfahrzeug. Er konnte nicht ahnen, wie sehr ihm dieses Geschenk bald selbst einmal von Nutzen sein sollte.

Am 5. August 1973, einem regnerischen und stürmischen Sonntagmorgen, werden die Menschen in Kampen um 8 Uhr jäh aus dem Schlaf gerissen. Draußen heulen die Sirenen. Wie ein Lauffeuer spricht es sich im Dorf herum: Der Klenderhof steht in Flammen.

Beim Eintreffen der Feuerwehr züngeln bereits die ersten Flammen aus dem Reetdach. Den Helfern gelingt es, in letzter Minute wertvolles Mobiliar und antiquarische Bücher zu bergen. Sturmböen und unzählige Schaulustige erschweren den Einsatz: Nach zweieinhalb Stunden ist das Feuer unter Kontrolle, doch vom Nordflügel sind nur noch verkohlte Trümmer übrig. Während der Löscharbeiten werden zwei Brandsätze sichergestellt, die Kripo nimmt sofort die Ermittlungen auf. Doch die Täter, die man im Umfeld der damals aktuellen Anti-Springer-Kampagne vermutet, werden nie gefunden.

Axel Springer ließ das Gebäude mit seinen 13 Gästezimmern, dem Musikzimmer und der Terrasse wieder aufbauen. Nach seinem Tode veräußerte Witwe Friede Springer das Prestigeobjekt mit seinen 600 Quadratmetern Wohnfläche und einem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück.

Erbaut worden war das Anwesen, das durch seine markante, burgähnliche Bauform besticht, nach den Plänen des Berliner Architekten Otto Firle. Den ersten Entwurf hatte er für den Bauherren, den Berliner Cellisten Max Baldner, auf die Rückseite einer Speisenkarte des Kampener Kurhauses skizziert.

Neun Monate später stand das Gebäude. Im selben Jahr besichtigte Hermann Göring den Klenderhof. Er war so angetan, dass er Firle beauftragte, ihm ein ähnliches Anwesen auf der Ostsee-Halbinsel Darß zu errichten - samt angebautem Löwenzwinger.

Im Laufe der Jahrzehnte beherbergte der Klenderhof manch prominenten Gast wie den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt oder den Verleger Ernst Rowohlt und hatte eine Zeit lang auch einen später weithin bekannten Hausverwalter: Es war der Schriftsteller Ernst von Salomon, der mit dem Buch "Der Fragebogen" den ersten deutschen Bestseller der Nachkriegszeit verfasste.

Auch eine der erfolgreichsten deutschen Wohltätigkeitsaktionen nahm im Klenderhof ihren Anfang: 1987 hört Axel Springer in der Küche im Radio, dass in Deutschland jährlich fast 1500 Kinder bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Wenig später startet die Bild-Zeitung eine Kampagne unter dem Motto "Ein Herz für Kinder" - bis heute kamen dabei rund 140 Millionen Euro an Spenden zusammen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen