Bürgermeisterwahl : Der Sylter zieht ins Rathaus ein

Nikolas Häckel hat die Wahl gegen Gabriele Pauli deutlich gewonnen.
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Nikolas Häckel hat die Wahl gegen Gabriele Pauli deutlich gewonnen.

Nikolas Häckel gewinnt die Wahl der Gemeinde Sylt klar / Er und Gabriele Pauli zeigen sich am Wahlabend versöhnlich

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12. Januar 2015, 06:00 Uhr

Nachdem acht von neun Wahlbezirken der Gemeinde Sylt ausgezählt sind, richten sich auf einmal alle Kameras auf ihn. Spätestens dies wird der Moment gewesen sein, an dem ihr und ihren Unterstützern endgültig klar wird: Das war’s jetzt wirklich mit den Träumen vom Bürgermeisteramt. Gabriele Pauli hat die letzte Stunde dieses spannenden Sylter Wahlkampfs an der Seite ihrer Mutter im Congress Centrum Sylt verbracht, gemeinsam mit rund 400 Insulanern dutzenden Kamerateams und Journalisten. Die sich nun, es ist kurz vor 19 Uhr, auf Nikolas Häckel stürzen. Der Kronshagener Bauamtsleiter hatte die Verkündung der Zwischenergebnisse im Foyer des Veranstaltungszentrums verfolgt – er wolle ruhig und besonnen bleiben, egal was passiert, sagte er, während noch ausgezählt wurde. Trotzdem: Jetzt im Rampenlicht wirkt der selbstbewusst lächelnde 40-Jährige doch ein paar Zentimeter größer als vorher. Zu Recht: Hat er doch mit genau zehn Prozent Mehrheit diese Wahl gewonnen, bei der ihm bis zum Ende recht viele Insulaner und noch mehr Beobachter von außerhalb keine Siegeschancen gegenüber der mediengeübten Ex-CSU-Politikerin eingeräumt hatten. Nun hat er sie in neun von neun Wahlbezirken geschlagen – immer deutlich, immer nur mit wenigen Prozenten Unterschied. (Dass sich die Ortsteile der Gemeinde Sylt also zumindest in ihrem Wahlverhalten ausgesprochen ähnlich sind, ist eine der Überraschungen, über die sich die Zuschauer im Congress Centrum unterhalten, während sie auf das vorläufige Endergebnis warten.)

Häckel dankt den Syltern für ihr Vertrauen, er freue sich über die hohe Wahlbeteiligung, sagt er in einem kurzen Statement. Ansonsten wirken jetzt, wo alles vorbei ist, alle recht entspannt: Gabriele Pauli, deren Gesicht, so schien es, bei der Verkündung der ersten Wahlkreise zeitweise verkrampfte, lächelt, gratuliert Häckel, ist wieder ganz Profi. Der gibt sich als Gentlemen und überreicht der ehemaligen Fürther Landrätin den gerade erst gewonnenen Blumenstrauß. Und dann kommt es zu einem Moment, der trotz seiner leichten Verkrampftheit sympathisch wirkt – vielleicht, weil er authentisch ist: Gabriele Pauli und Nikolas Häckel nehmen sich in den Arm. Der Saal johlt. Diese Szene hätte sich kaum einer während des Wahlkampfes vorstellen können. Gerade in den vergangenen Wochen wirkten die Gräben zumindest zwischen den Anhängern der beiden politischen Lager recht tief.

Nun gucken die Pauli-Fans betrübt – und die Häckel-Unterstützer haben das gute Wahlergebnis natürlich schon vorhergesehen. Während noch ausgezählt wird, gönnt sich Gerd Nielsen, Fraktionsvorsitzender der SPD, ein Glas Rotwein. Er sei optimistisch gewesen, dass Häckel die Wahl gewinnen würde, sagt er: „Besonders, dass sich am Ende Bernd Reinartz und Robert Wagner klar für Häckel ausgesprochen haben, hat ihm noch einen ordentlichen Schub gegeben.“ Neben der SPD hatte die Sylter Wählergemeinschaft und der SSW den gebürtigen Sylter unterstützt.

Nach der Wahl am 14. Dezember hatten die beiden Kandidaten die Insel gespalten: Bei Pauli machte sich das an ihrer Person fest, und vor allem an ihrer politischen Historie. Die ehemalige Fürther Landrätin eckte aber auch durch die Vorschläge an, mit der sie gerade in den letzten Wochen des Wahlkampfs auftrumpfte. Sei es, dass sie versprach, Sylt als bundesweites Geburtenmekka zu etablieren, eine feste Straße für den Krankentransport auf dem Hindenburgdamm einzurichten oder das regionale SYL-Kennzeichen einzuführen. Während Pauli sich für diese Ideen auch den Vorwurf gefallen lassen musste, plump populistisch um die Insulaner zu werben, hielt sich Nikolas Häckel für den Geschmack der Gegenseite zu sehr mit radikalen eigenen Ideen, Vorstellungen oder gar Visionen zurück. Der ehemalige Azubi im Westerländer Rathaus plant unter anderem, Abläufe in der Verwaltung weiter zu digitalisieren und sie insgesamt bürgerfreundlicher zu machen.Nach dem Ausscheiden der vier Mitkandidaten bei der Wahl im vergangenen Dezember blieb den Syltern also nun die Wahl zwischen diesen beiden Gegenpolen. Nun hat der weniger glamouröse, der gelegentlich als blass gescholtenen ehrenamtlichen Rettungssanitäter gewonnen. Am 16. April soll er in der Gemeindevertretung Sylt offiziell vereidigt werden. Und danach gilt ohnehin das, was Bürgervorsteher Peter Schnittgard sagte, noch bevor das Wahlergebnis fest stand: „Egal, wie die Probleme der Insel gelöst werden sollen – wir müssen die Dinge gemeinsam anpacken.“

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