Der Sylter Wein entwickelt sich gut

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Der Rheingau Winzer Christian Ress über seine Keitumer Anbauflächen und den aktuellen Stand der dortigen Reben

shz.de von
20. Juni 2014, 12:35 Uhr

Christian Ress vom Hattenheimer (Rheingau) Weingut Balthasar Ress bewirtschaftet die Keitumer „Weinberge“. Im vergangenen Jahr war die erste „echte Weinlese“ möglich. Mit Spannung wird der diesjährigen Ernte entgegengesehen. Im Exklusiv-Interview mit der Sylter Rundschau erläutert Christian Ress die aktuellen Entwicklungen auf seinem Sylter Weinberg, die Qualität und die Preisentwicklung für den Sylt-Wein.

Herr Ress, wie entwickeln sich aktuell Wachstum und Reife der Reben?

Das Wachstum läuft dieses Jahr völlig nach Plan. Wir haben keine Verzögerung wie im vergangenen Jahr, die durch das ungewöhnlich kalte Frühjahr bedingt war. Die Blüte steht kurz bevor.

Wie günstig war der bisherige Wetterverlauf?

Bisher alles sehr erfreulich, keine Probleme. Spätfröste gab es keine. Auch die bisherigen schweren Unwetter haben einen Umweg um Keitum gemacht.

Bleibt es bei den bisher gesetzten Rebsorten oder sind auch andere denkbar?

Die unter Berücksichtigung der Klima- und Bodenverhältnisse empfohlene Rebsorte Solaris zeigt sich als die richtige Wahl. Die testweise angepflanzten Rivaner-Rebstöcke tun sich sehr schwer. Wir werden diese gegebenenfalls in Zukunft durch Solaris-Rebstöcke ersetzen.

Wie gut ließ sich die Ernte 2013 vermarkten?

Wir haben aus den rund 800 Kilogramm Trauben 709 Flaschen (75cl) erzeugen können. Von denen steht zunächst jeweils eine Flasche den 555 Rebstockpächtern zu. Insofern bleibt nur eine geringe freie Menge übrig. Nicht zuletzt aufgrund des medialen Interesses an diesem Projekt und des Kultstatus der Insel Sylt ist die Nachfrage nach diesem Wein natürlich deutlich höher als das Angebot. Wir haben bereits in den letzten Jahren Reservierungswünsche gesammelt, denen wir natürlich gar nicht in vollem Umfang nachkommen können. Um also die Frage zu beantworten: Die Ernte ließ sich sehr schnell vermarkten.

Wohin ging der Wein?

Zunächst stehen 555 Flaschen den 555 Rebstockpächtern zu. 24 Flaschen werden im Rahmen der Gourmetnacht in Hamburg am 13. September an Gäste der MS Europa ausgeschenkt (die MS Europa liegt an diesem Tag in Hamburg). Die dann noch verbleibenden rund 120 Flaschen – ein paar bleiben im eigenen Keller – gehen an ausgewählte Endverbraucher und an die norddeutsche Gastronomie – natürlich auch Sylter Gastronomen. Jeweils aber nur ein paar Flaschen.

Welche Qualität und Preise ließen sich erzielen?

Wir haben reifes und gesundes Lesegut ernten können. Das Mostgewicht lag bei über 80° Oechsle. Im Rheingau hätte das locker für einen Kabinett gereicht. Da die Sylter Trauben aber nun mal nicht in einem gesetzlich definierten „bestimmten Anbaugebiet“ gewachsen sind, kann dies auf der Flasche natürlich nicht so deklariert werden. Der Preis für eine Flasche liegt bei 69 Euro.

Kann jeder bei Ihnen den Sylt-Wein kaufen oder muss man sich vorher listen lassen?

Aktuell ist keiner mehr erhältlich. Interessierte können sich natürlich bei uns melden und in die Reservierungsliste für den 2014er eintragen lassen. In den kommenden Jahren sollte die Erntemenge stetig steigen und mittelfristig die Produktion von rund 1 500 Flaschen zulassen, so dass die Chancen, eine Flasche zu ergattern, steigen wird.

Wer nimmt auf Sylt die Weinbergpflege vor?

Die Routinearbeiten im Weinberg werden durch eine eigene auf Sylt lebende Mitarbeiterin durchgeführt. Die Maschinenarbeiten – Mulchen, Fräsen, Grubbern, Motorsense – werden durch den auf Sylt ansässigen Dienstleister Michael Boysen aus Morsum ausgeführt. Die wichtigsten Facharbeiten wie der Rebschnitt und die Lese werden durch unsere im Rheingau ansässigen Außenbetriebsmitarbeiter durchgeführt, die ein paar Mal im Jahr auf die Insel reisen.

Wie oft schaffen Sie es auf die Insel?

Die Führung des familieneigenen 46 Hektar Betriebs bindet mich natürlich stark im Rheingau. Auf der anderen Seite vermarkten wir unsere Weine in 28 Ländern der Welt. Ich bin daher auch sehr oft im Ausland unterwegs, um meine Kunden vor Ort bei der Vermarktung unserer Weine zu unterstützen. Daher bin ich leider nur ein bis zweimal im Jahr persönlich auf Sylt. Mehr lässt meine Zeit leider nicht zu. Ich habe mir aber vorgenommen, die Präsenz zu erhöhen. Die Insel ist es ja wirklich wert.


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