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Sylter Zeitgeschichte : Der Sylter Kampf gegen den Flugsand

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Angst vor Flugsand: Bereits seit dem 16. Jahrhundert bepflanzten die Sylter die Dünen, um ihre Siedlungen vor der Versandung zu schützen. Diese Aufgabe war lange Zeit Pflicht.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 00:31 Uhr

Pflanzen, ohne irgendwann etwas zu ernten: Schon früh – erste Aufzeichnungen datieren aus dem 16. Jahrhundert – begannen die Sylter, die Dünen zu bepflanzen. Und das aus zwei guten Gründen: Zum einen boten die Dünen einen natürlichen Schutzwall gegen das Meer, zum anderen begrub der wandernde Sand oftmals Häuser, ja sogar ganze Siedlungen unter sich. Besonders die Ortschaft Rantum litt unter dem Treibsand – mehrfach musste deshalb auch die Kirche an anderer Stelle neu erbaut werden.

Ein Reisender notierte 1757 nach seinen Wanderungen über die Insel: „Auf den Dünen wächst eine Art von Stroh. Es schlägt tiefe Wurzeln um sich und hindert den Wind, dass dieser den Flugsand nicht so fortwehen kann. Die Einwohner verpflanzen dieses Stroh an Orte, wo es nötig ist, und hemmen dadurch den Fluss des Sandes, so dass sich dieser allmählich legt.“

Das Bepflanzen der Dünen war zeitweise Bürgerspflicht. So notierte ein Chronist Mitte des 19. Jahrhunderts: „Das Dünenbepflanzen wird von dem Strand- und Düneninspector anbefohlen und geleitet. Hierzu muss jedes Haus, auch wenn es öde stehet, eine Person stellen. Bey sturmfreien Jahren erfordert das Bepflanzen gewöhnlich für jedes Haus vier, fünf oder sechs halbe Tage, aber bey stürmischen Jahren weit mehr.“ Anno 1864 erließ die preußische Regierung eine grundlegende Regelung für den Dünenschutz: Diese umfasste neben der Dünenbepflanzung mit Strandhafer auch das Anlegen von Vordünen und die Errichtung von Sandfangzäunen.

Nur wenige Pflanzen jedoch sind so robust, dass sie auf dem kargen Sandboden der Dünen vegetieren können. Denn wer sitzt schon gerne auf dem Trockenen? Jene Pflanzen, die auf den Sylter Dünen wachsen, müssen diese Bürde in Kauf nehmen. Sie sind genügsam, entziehen dem angewehten Sand die geringen Nährstoffe. Mit ihren rauhen Stängeln und Blättern trotzen die Dünenpflanzen Wind und Sandflug, zudem sind sie resistent gegen Versandung und bahnen sich tapfer wieder den Weg ans Licht.

Die dominierenden Anpflanzungen sind seit jeher der Strandhafer und der Sandroggen – schon im 17. Jahrhundert schickten die Sylter Schiffe nach Holland aus, um dort Sandroggen-Pflanzen an Bord zu nehmen. Die bis zu einen Meter langen schmalen Blätter des Strandhafers und des Sandroggens sind sehr elastisch und brechen auch im stärksten Sturm nicht. Um in dem feinen Sand Halt zu finden, erreichen ihre Wurzeln eine Länge von bis über zehn Metern.
Doch die Anpflanzungen war ein mühsames Unterfangen, wie ein Besucher 1875 berichtete: „Umsonst, dass die Bewohner Rantums dem Ansturz des Meeres, dem Wandern der Dünen Einhalt zu tun versuchen. Sie bepflanzen die Dünen eine nach der anderen mit Sandroggen, aber so hart diese Arbeit ist, so ist schon eine Sturmflut im Stande, das Resultat hinweg zu fegen.“

Dennoch sind Halmanpflanzungen auch heute noch ein probates Mittel. Durchgeführt werden sie in den Monaten September bis April, wobei der Anwachserfolg bei 80 bis 90 Prozent liegt. Durchschnittlich zwölf Hektar pro Jahr – das entspricht der Größe von 20 Fußballplätzen – wurden auf Sylt allein zwischen 1985 und 1994 bepflanzt.
Heute fällt diese Größenordnung aus Kostengründen und Personalmangel geringer aus. Während es zwischen Hörnum und List kaum kahle Stellen gibt, findet sich im Norden Sylts die Ausnahme der Regel: Die Lister Wanderdünen, die als Kulturdenkmal eingestuft sind, werden nicht bepflanzt und dürfen sich weiterhin bewegen – bis zu etwa drei Meter pro Jahr.

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