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Sylter Rundschau

16. Dezember 2017 | 07:07 Uhr

TÜV : Der Sylter Auto-Checker

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Top oder Flopp: Darüber entscheidet Benjamin Heinzius, wenn’s ums Auto geht: Der 37-Jährige arbeitet beim TÜV.

Wer Benjamin Heinzius einen Besuch abstattet, kommt vermutlich mit etwas Herzklopfen. Das liegt allerdings weniger an der charmanten Art des 37-Jährigen als vielmehr an seinem Beruf: Heinzius ist amtlich anerkannter Sachverständiger des TÜV und prüft tagtäglich Fahrzeuge aller Couleur auf Herz und Nieren. Und was das Herzklopfen betrifft, kann der Fachmann seine Kundschaft etwas beruhigen: „Etwa 80 Prozent aller Autos bekommen die TÜV-Plakette.“

Bevor der gebürtige Sylter vor fünf Jahren die Leitung der TÜV-Station am Westerländer Industrieweg übernahm, sammelte er ganz unterschiedliche berufliche Erfahrungen – angefangen von einem Maschinenbau-Studium über eine Tätigkeit in der Windkraft-Branche bis hin zu einem eineinhalbjährigen Aufenthalt in der Antarktis, wo er als Technischer Leiter einer deutschen Messstation arbeitete. Angesichts der dortigen Außentemperaturen von bis zu minus 49 Grad können ihm die Sylter Winter heute nichts mehr anhaben.

Dass nach der Ausbildung zum TÜV-Sachverständigen just ein Arbeitsplatz auf seiner Heimatinsel frei wurde, war für den Diplom-Ingenieur ein Glücksfall. Seitdem inspiziert er jährlich einige tausend Fahrzeuge vom Fiat bis zum Ferrari. Der geschulte Blick und eine Taschenlampe sind dabei die wichtigsten Arbeitsutensilien, um etwaige Mängel aufzuspüren.

Zu den typischen Auffälligkeiten zählen dabei verschlissene Bremsen und Reifen, aber auch mangelhafte Beleuchtung. Abgenommen hat hingegen die Durchrostung durch die Salzluft – die Autos sind heute strapazierfähiger gebaut, zudem nimmt das Alter der Fahrzeuge ab. Dennoch kommt es gelegentlich schon mal zu kuriosen Situationen: „Dass bei einem Wagen der Boden durchbrach, als er auf der Hebebühne aufgebockt wurde, ist solch ein Extremfall.“

Und was rät der Fachmann Autofahrern, denen ein TÜV-Termin bevor steht? „Oft sind es leicht vermeidbare Mängel, die zur nicht bestandenen Prüfung führen: Fehlerhafte Beleuchtung, zu geringes Reifenprofil – oder aber Verbandskasten, Warndreieck oder Warnweste fehlen.“

Besonders gern nimmt Heinzius Oldtimer unter die Lupe. „Da muss man sich neu orientieren, denn die Technik ist ja eine ganz andere.“ Solche Fälle sind dann „die schönen Herausforderungen des Alltags“. Zum Teil sind es Vermögen auf vier Rädern, die bei der TÜV-Station vorfahren – bis zu 800  000 Euro betrugen die Schätzpreise schon. „In solchen Fällen lasse ich den Kunden lieber selbst in die Halle fahren – da gehe ich lieber auf Nummer sicher.“ Auch beim TÜV gibt es übrigens Saisonzeiten: „Der Frühling ist immer extrem. Zum einen werden dann viele Motorräder, Cabrios und Wohnmobile aus den Garagen geholt, zum anderen besonders viele Neuwagen verkauft.“

Zuvor aber hat Benjamin Heinzius noch selbst einen Termin: In Kürze muss er mit seinem 316-er BMW zum TÜV.


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