Der Stuhl der Königin

Die dänische Krone ziert den Stuhl oben an der Rückenlehne sowie zwischen den beiden vorderen Stuhlbeinen. Rückenlehne und Sitzfläche sind gepolstert und mit Leder überzogen.
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Die dänische Krone ziert den Stuhl oben an der Rückenlehne sowie zwischen den beiden vorderen Stuhlbeinen. Rückenlehne und Sitzfläche sind gepolstert und mit Leder überzogen.

Ein Möbelstück von Caroline Mathilde von Hannover wurde für das Altfriesische Haus restauriert

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09. Mai 2019, 11:57 Uhr

Keitum | Es ist kein gewöhnlicher Stuhl, der frisch restauriert seit gestern im Altfriesischen Haus in Keitum steht und von den Besuchern betrachtet und bestaunt werden kann. Seine ursprüngliche Besitzerin war die Engländerin Caroline Mathilde von Hannover (1751 – 1775), deren tragisches Schicksal als Vorlage für zahlreiche Romane und Filme diente. Sie war von 1766 bis 1772 als Ehefrau des geistig verwirrten Königs Christian VII., ihrem Cousin ersten Grades, Königin von Dänemark und Norwegen. Im Jahr 1772 wurde die damals 19-Jährige wegen einer Affäre mit dem deutschen Leibarzt Johann Friedrich Struensee aus Dänemark verbannt und ging nach Celle, während ihre beiden Kinder am Königshaus blieben. Mit 23 Jahren verstarb sie dort unerwartet nach sechstägiger Krankheit – vermutlich an Scharlach.

Zwischen 1760 und 1770 wurde der Stuhl für die Königin gebaut und kam in ihren Besitz. Über „Verwandtschaft“, wie Museumsleiter Alexander Römer sagt, sei der Stuhl viele Jahre später vom dänischen Hof nach Keitum gelangt. Der Sylter Chronist und leidenschaftliche Sammler C.-P. Hansen (1803-1879) erwarb das reich verzierte Stück aus Eiche, das mit Übernahme dessen Sammlung durch die Sölring Foriining in die Museumssammlung integriert wurde. Doch der Zustand des Stuhls machte Museumsleiter Alexander Römer mehr und mehr Sorgen. Seinen Zustand stufte er als kritisch ein, befürchtete Wurmbefall. Aus diesem Grund wurde der Stuhl samt seiner Ledereinsätze von dem Hamburger Restaurator Alexander van den Heuvel, dem „Restaurator unseres Vertrauens“ wie Alexander Römer betont, von Grund auf restauriert und wieder instand gesetzt. Die Kosten für die Maßnahmen betrugen 3500 Euro und wurden im Ganzen von der Fielmann AG getragen. Für die Übergabe des restaurierten Stücks kam daher auch Claudia Borgmann von der Fielmann-Filiale in Westerland nach Keitum.

Frisch restauriert ist der Stuhl im Altfriesischen Haus für das Publikum nun ausgestellt. Zur großen Freude des Museumsleiters, der darin „ein wunderbares Objekt seiner Zeit“ sieht – mit einer tragischen Geschichte der Person, der er einst gehörte.

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