zur Navigation springen

Serie zum Sylter Hospitzverein : Der Sterbende ist der Kapitän

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer neue Serie geht es um den Sylter Hospizverein, der Ende April sein 20-jähriges Bestehen feiert.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 05:01 Uhr

Am 30. April feiert der Sylter Hospizverein sein 20-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt im Westerländer Alten Kursaal. In einer neuen Serie der Sylter Rundschau geht es um die Menschen, die sich auf Sylt und in Nordfriesland täglich ehren- oder hauptamtlich für die Rechte und die Würde der Sterbenden einsetzen und sie und ihre Angehörigen am Ende des Lebens nicht alleine lassen. Heute, im ersten Teil der Serie, treffen wir Ulrike Körbs, Margot Mehn und Bernd Redlin, das Leitungsteam des Sylter Hospizvereins und erzählen, was ihre Arbeit aus- und so besonders macht.

Bernd Redlin, Ulrike Körbs und Margot Mehn sprechen ruhig und besonnen über den Tod, den sie fast täglich begleiten. Dennoch scheint sie ihre ehrenamtliche Arbeit als Sterbebegleiter nicht zu belasten, sondern vielmehr zu erfüllen. „Wir möchten, dass die Menschen begreifen, dass der Tod zum Leben gehört“, sagt Bernd Redlin, Vorsitzender des Sylter Hospizvereins, den der ehemalige Pastor der Westerländer Kirchengemeinde mit anderen Freiwilligen vor genau 20 Jahren auf der Insel gegründet hat.

Auf Sylt gibt es kein stationäres Hospiz, das nächste ist in Niebüll. Die derzeit zwölf Sylter Ehrenamtler engagieren sich daher in einem ambulanten Hospizdienst. „Es war anfangs gar nicht so leicht, der Sylter Bevölkerung klar zu machen, dass wir kein eigenes Haus haben“, sagt Redlin. Ein stationäres Hospiz habe der Verein bei seiner Gründung zwar erwogen, allerdings standen dafür nicht die Räumlichkeiten, das finanzielle Polster und das Personal zur Verfügung. Außerdem sei die Gefahr groß gewesen, dass dadurch der „Sterbetourismus“ auf der Insel populär wird, erklärt Ulrike Körbs. „Wir haben schon viele Anfragen von Menschen bekommen, die sich mit Sylt sehr verbunden fühlen und deshalb auch gerne auf der Insel in einem stationären Hospiz sterben möchten“, sagt Körbs. Diese Möglichkeit gebe es nicht, „allerdings begleiten wir die Menschen auf der Insel Zuhause, in der Klinik und in den Pflegeheimen“.

Das Ziel bei der Gründung des Hospizvereins war klar: „Unsere Absicht war es, dass die sterbenskranken Menschen am Ende ihres Lebens nicht alleine sterben müssen“, sagt Redlin. „Der Tod galt lange Zeit als Niederlage, im Fokus lag die Heilung des Menschen“, erklärt er, „erst in den letzten Jahrzehnten wurde auch bei Ärzten und Pflegepersonal stärker in den Fokus genommen, dass man für die Menschen da sein muss, denen medizinisch nicht mehr geholfen werden kann“, so Redlin.

Ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit habe die drei stärker gemacht, erzählen sie. „Das Heute hat viel mehr Präsenz bekommen“, sagt Margot Mehn und Ulrike Körbs ergänzt: „Ich lebe bewusster und es hat sich eine gewisse Gelassenheit entwickelt, dass ich viele Dinge, über die ich mich früher aufgeregt hätte, heute nicht mehr schlimm finde“.

Dennoch ist jeder neue Mensch, den sie begleiten, für die Ehrenamtler auch eine neue Herausforderung. „Natürlich entsteht zwischen uns und den Menschen, die wir begleiten, eine Beziehung und wir trauern nach ihrem Tod“, erzählen sie. Die Sterbebegleitung hört im Falle des Todes des Menschen allerdings nicht gleich auf, denn dann beginnt die Trauerarbeit mit den Angehörigen. „Im Grunde ist die Diagnose der Beginn der Trauerphase“, sagt Redlin, „hier vermischen sich Sterbe- und Trauerbegleitung.“ Und auch der Sterbende selbst sei in einem Trauerprozess: „Er muss ja immerhin sein Leben lassen“, sagt Margot Mehn.

Ein wichtiger Aspekt der Hospizarbeit sei, dass jeder Mensch, der begleitet wird, solange er lebt ein Mensch ist, der seine Würde behält. „Wir sehen den Patienten nicht als Fall, er ist ein Mensch und er führt die Regie über sein Leben und auch darüber, wie wir mit ihm umgehen“, sagt Ulrike Körbs. „Wir richten uns in unserer Arbeit also voll nach seinen Wünschen“, so Körbs und Redlin fügt hinzu: „Der Kapitän auf dem Schiff ist während der Hospizarbeit der Sterbende, dem wir am Ende seines Lebens die Lebensqualiät sichern und seine Würde erhalten“.

Mit der Hospizarbeit wolle man dem Sterbenden auch Möglichkeiten eröffnen, Dinge zu erledigen, die ihm in seinem Leben noch wichtig sind. „Wir erleben häufig, dass uns etwas anvertraut wird, was der Sterbende in der Familie nicht sagen würde - einfach um es einmal laut ausgesprochen zu haben“, sagen die drei einstimmig.

Auf Sylt könne man sich auch zum Sterbebegleiter ausbilden lassen, erzählt Redlin. Die Ausbildung erfolgt nach dem Celler Modell und dauert knapp ein Jahr. In einem Grundkurs bekommen die Kursteilnehmer viel vermittelt, was man als Sterbebegleiter wissen muss. Ein Praktikum im Altenheim und ein Vertiefungskurs runden die Ausbildung ab. „In dem Vertiefungskurs geht es vor allem um den Teilnehmer selbst und ob die Hospizarbeit etwas für ihn ist“, sagt Ulrike Körbs.

Wenn man sich als Sterbegleiter für ein Jahr verpflichtet, ist es auch verbindlich, an den monatlichen Gruppentreffen teilzunehmen, erklärt Körbs. „Dann sprechen wir über die Begleitungen, die wir haben und unterstützen uns, eine Art Supervision.“ Zwar ist jeder zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet, bei den Gruppenabenden werden aber Fallbesprechungen durchgeführt, die anonymisiert sind. „Außer dem Leitungsteam weiß aber niemand, wer der Sterbende und die Familie ist.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert