Der Sound des Malers oder warum das Meer so dunkel rauscht

michael
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Erstmals sind die Sylt-Gemälde des Malers Rainer Fetting in einer Einzelausstellung in Hamburg zu sehen

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20. März 2014, 13:02 Uhr

Malerei soll für Rainer Fetting (*1949) eine Herausforderung sein. Für ihn als Künstler, um nicht ins Beliebige abzurutschen, und für den Betrachter, der beunruhigt werden soll. Wenn ein Bild stört, sich nicht gleich öffnet, wenn es Brechungen und Widersprüche enthält, dann ist Fetting zufrieden mit seiner Arbeit. „Sonst können sich die Leute ja auch eine Tapete anschauen“, hat er mal bei einer Begegnung in seinem Atelier gesagt. Das war auf Sylt. Dort, wo Fetting – fast unbemerkt von der Insel – seit gut zehn Jahren regelmäßig einige Monate im Jahr lebt und arbeitet. Am öffentlichen Leben der Insel ist der ansonsten in Berlin beheimatete Künstler nicht interessiert. Wer ihm begegnet, erlebt einen eher scheuen Menschen.

Einer hat ihn dann doch auf der Insel entdeckt: Der Hamburger Galerist Rainer Herold, der auch auf Sylt eine Dependance betreibt. Herold, dessen Kunsthandel und Ausstellungen im Schwerpunkt norddeutsche Vertreter der Klassischen Moderne präsentieren, war nach der ersten Begegnung mit Fetting gleich von dessen aufwühlender Malerei begeistert. Er erwarb die ersten Bilder für seine private Sammlung, vermittelte eine Begegnung zwischen Helmut Schmidt und dem Künstler, der den Alt Bundeskanzler porträtieren sollte. So entstand über die Jahre eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Galerist und Künstler, dessen berühmte, übermannshohe Willy-Brandt-Plastik nicht zuletzt durch ihre prominente Platzierung im Willy-Brandt-Haus häufig in den Medien zu sehen ist. Auch von Schmidt fertigte Fetting eine Plastik an, die den rauchenden Alt-Bundeskanzler allerdings in deutlich kleineren Ausmaßen als den Genossen Willy Brandt wiedergibt. Sehr gestisch sind beide bildhauerischen Arbeiten.

Bewegung ist auch auf den Bildern von Rainer Fetting ein beherrschender Moment. Alles scheint sich auf den scheinbar schnell hingeworfenen Acryl- und Ölbildern noch zu bewegen – selbst die Farbe. Und die wiederum glaubt man hören zu können. Der Sound, den sie erzeugt, ist oft ein großstädtisch-melancholischer. Zehn Jahre hat Fetting in New York gelebt, bevor er wieder nach Berlin zurück ging. Dort hatte seine Karriere Ende der 1970er Jahre begonnen. Als Mitbegründer der Berliner (Produzenten-) Galerie am Moritzplatz, wurde er bald zu einem der damals international viel beachteten Maler-Stars, die von der Kritik mit dem Begriff „Neue Wilde“ ihr Etikett bekamen. Fetting hat es nie akzeptiert, ja es als diskriminierend empfunden.

Wild sind seine Malereien auch nicht, wohl aber kraftvoll, energiegeladen oft mit breiten Pinselstrichen, verschwimmenden Konturen und inneren Brechungen. Viele seiner Arbeiten behandeln das Thema Metropolen, die Hektik in ihnen, die Betriebsamkeit der Großstädte und die Einsamkeit ihrer Bewohner. Ganz anders auf den Sylt -Bildern.

Dünen, Heckenrosen, Reetdachhäuser, Schafe, Surfer und immer wieder das Meer sind die Motive auf Fettings Sylt-Gemälden. „Sylter Motive können dicht neben der Idylle liegen, Kitsch lässt leicht grüßen“, beschreibt Rainer Fetting im Interview mit Katharina Herold, einer jungen, in London ausgebildeten Kunsthistorikerin und Tochter des Galeristen Rainer Herold, die möglichen Gefahren, die für ihn als zeitgenössischer expressiver Maler in der Wahl der Sylter Motive lauern. Fetting erliegt dieser Gefahr nicht. Unter seiner Hand wird ein „Abend vor Westerland“ zu einer tief schwarzen Masse, über der sich ebenso schwarze Wolke erheben, die von flammend gelb-orangenen Farbflächen zerrissen werden. Auch diese Farben kann man hören - als tiefes, dunkles Rauschen. Keine Romantik, nichts Süßliches, kein Kitsch. Das gilt für all die Sylt Bilder des Malers, der nicht wild, sondern ringend, expressiv und melancholisch malt.

Die Ausstellung „Rainer Fetting“ wird noch bis zum 06.Juni in der Galerie Herold, Colonnaden 5, 20354 Hamburg und anschließend auf Sylt, im Haus Meeresruh in Kampen, Braderuper Weg 4 zu sehen sein. Zur Ausstellung ist ein sehr informativer und gut bebilderter Katalog mit einem Interview von Katharina M. Herold mit Rainer Fetting erschienen.

www.galerie-herold.de

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