Henner-Krogh-Förderpreis : Der Sieger 2017

Daniel Stahl alias Despair gewann den Henner Krogh Preis

Daniel Stahl alias Despair gewann den Henner Krogh Preis

Beim 29. Henner-Krogh-Förderpreis siegte Daniel Stahl alias Despair vor Orhwurmuth und Naqib.

shz.de von
26. März 2017, 17:48 Uhr

„Herzlich willkommen zu einer echten Testosteron-Veranstaltung”, witzelte Moderatorin Sünje Goldbaum zur Begrüßung, denn auf der Bühne des Congress Center Sylt (CCS) traten am Samstag 13 männliche Musiker im Alter zwischen 18 und 55 Jahren an, um sich der Jury des 29. Henner-Krogh-Förderpreises zu stellen. Drei Solisten, ein Duo, ein Trio und eine Band präsentierten vor fast ausverkauftem Haus ihre selbstkomponierten und gecoverten Songs, um in den Genuss der Preisgelder zu kommen und um den begehrten Henner-Krogh-Pokal nach Hause zu tragen, der die silberne Silhouette des so jung verstorbenen Sylter Musikers zeigt. In seinem Gedenken schreibt die Henner-Krogh-Stiftung nun seit 29 Jahren den Förderpreis in Höhe von insgesamt 5.555 Euro sowie den Reinhard Mey Sonderpreis in Höhe von 3000 Euro aus – Gelder, die Musiker für ihr Equipment und ihre weitere musikalische Entwicklung gut gebrauchen können.

Die gutgelaunte Jury bestehend aus Norman Keil, Lennart Salomon, Elke Wenning, Karen Eckert  und Max Buskohl (v. li.), einigte sich dieses Jahr schnell auf die Gewinner.
Die gutgelaunte Jury bestehend aus Norman Keil, Lennart Salomon, Elke Wenning, Karen Eckert und Max Buskohl (v. li.), einigte sich dieses Jahr schnell auf die Gewinner.

Die ersten Worte auf der Bühne des CCS sprach an diesem Abend allerdings Uwe Tiedjen, der als Kuratoriumsvorsitzender der Henner-Krogh-Stiftung allen Mitwirkenden dankte und die Jubiläums-Veranstaltung am 2. Februar 2018 ankündigte, die „dann auch höhere Preisgelder ausschütten wird”. Dieser guten Nachricht folgte ein kurzer Film, in dem die beiden Moderatoren Sünje Goldbaum und Ron Glauth die diesjährigen Teilnehmer mit dem Oldtimer-Bus einsammeln und ins CCS bringen, wo sie hinter der Bühne nervös auf ihren Auftritt warteten. Währenddessen eröffnete Singer-Songwriter und Jury-Mitglied Norman Keil den Abend außer Konkurrenz.

 Der Flüchtling Naqib aus Afghanistan (Mitte) berührte mit seinen Liedern.
Der Flüchtling Naqib aus Afghanistan (Mitte) berührte mit seinen Liedern.

Die ungewöhnlichsten und auch bewegendsten Töne schlug dann der erste Teilnehmer an, denn mit Naqib Muradi stand ein Flüchtling aus Afghanistan auf der Bühne. 15 Monate ist seine Flucht nun her und sofort begann er damit, seine Erlebnisse und seine Liebe zur Musik zu vereinen. Im Teehaus Janssen, in dem sich Flüchtlinge aller Länder treffen, um miteinander zu singen, machte er die Bekanntschaft von Mohammed Ratib und Reiner Brudnitzki, die ihn bei seinen Auftritt musikalisch unterstützten. In sehr guten Deutsch und auf Persisch interpretierte Naqib drei orientalisch angehauchte Songs, die ans Herz gingen. „Ich bin sicher hier auf Sylt, Papa, es geht mir gut. Werde ich dich wiedersehen, Papa?”, lautete eine der bewegenden Zeilen, die dem 22-Jährigen am Ende des Abends den dritten Platz und ein Preisgeld von 855 Euro einbrachte.

Sonderpreis: Christopher Wormuth gewann den zweiten Platz sowie den Sonderpreis von Reinhard Mey.
Sonderpreis: Christopher Wormuth gewann den zweiten Platz sowie den Sonderpreis von Reinhard Mey.

Danach wurde es laut und ziemlich lässig, denn mit der fünf-Mann-Band Punchorello kam echter Rock auf die Bühne. Mit gecoverten Klassikern ihres Genres und der Interpretation von „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz” brachten die Rocker ordentlich Stimmung ins Publikum, die dann bereit waren für den dritten Act des Abends. Mit 18 Jahren war Daniel Stahl alias Despair der jüngste Teilnehmer und präsentierte zwei Eigenkompositionen aus der Gattung Rap und Hip-Hop. Seine eigenen Beats, die selbst komponiert und produziert sind sowie seine nachdenklichen und gesellschaftskritischen Texte überzeugten die Jury und so landete der junge Sylter auf Anhieb auf Platz eins. „Echt krass, hier zu stehen”, kommentierte er selbst seinen ersten Auftritt vor Publikum. Sein unerwarteter Sieg zwang ihn dann gut eine Stunde später glatt auf die Knie – ein sympathischer Sieger, der fassungslos im Goldregen kniete, bevor er den Pokal samt Preisgeld (2225 Euro) überreicht bekam. Ganz zufrieden mit sich schien auch der zweitplatzierte Christopher Wormuth (28), alias Ohrwurmuth zu sein. Der Autodidakt, der mit 16 Jahren begann, sich selbst das Klavierspielen beizubringen, überzeugte mit brillanten Pianoklängen, kreativen Kompositionen und leisem Humor. Für seine Eigenkomposition „Insel aus Sand”, die sowohl von der Liebe zu einer Frau als auch von der Liebe zur Insel Sylt handelte, gewann er nicht nur den zweiten Platz sondern auch den Reinhard-Mey-Sonderpreis.

 
Ruhige Töne schlug auch der Solist Marco Boehm (44) an, der seine drei Eigenkompositionen in Englisch und Deutsch vortrug. Als klassischer Singer-Songwriter genügte ihm seine Akustikgitarre, um gefühlvoll von dem Leben eines Musikers zu singen: „Bist einer von Milliarden, doch bist ganz bei dir”. Ganz bei sich waren auch die beiden letzten Teilnehmer des Contest: Raphael Berendes (26) und Lennart Hauk (23) traten als „Chester” auf und bewiesen, dass man auch nach nur sechs Monaten Zusammenarbeit perfekt als Duo harmonieren kann. Die beiden Studenten mit dem großen Fanclub im Publikum sangen von der „Zeit, um Fortzugehen” und brachten mit dem Song „I wanne be like you” die gute Laune von Bär Balou aus dem Dschungelbuch auf die Bühne. Diese gute Laune beflügelte scheinbar auch die Jury, denn Elke Wenning, Karen Eckert, Lennart Salomon, Norman Keil und Max Buskohl waren sich schnell einig und konnten bereits gegen 23 Uhr die Preisgelder verteilen bevor es zur Afer-Show-Party ins Luzifer ging.

Und nicht vergessen: am 2. Februar 2018 steigt der 30. Henner-Krogh-Förderpreis – Nachhwuchsmusiker der Insel: Bewerbt euch!

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