zur Navigation springen

Drogen auf Sylt : Der schwierige Umgang mit der Sucht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Drogen sind auch unter Jugendlichen auf Sylt ein Problem / Dialogforum auf der Insel gab erste Anstöße zum Umgang mit dem Thema

„Es ist ganz klar: Wir haben auf der Insel eine Suchtproblematik, auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, sagt Edda Willenbrock, Leiterin des Behandlungszentrums Sylt (BBZ) des Diakonischen Werks Südtondern. „Wie groß dieses Problem allerdings genau ist, ist sehr schwer zu ermitteln.“ Um dieses Thema anzugehen, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen und auch um gemeinsame Lösungswege zu erarbeiten, holte das BBZ gemeinsam mit Jugendpfleger Holger Bünte auf Anregung der Gemeinde Sylt 40 Vertreter der insularen Politik, Gesundheit und Schule, aus sozialen Einrichtungen, Ämtern, Kirchengemeinden sowie Vereinen und Ehrenamt an einen Tisch (wir berichteten). In kleinen Gruppen tauschten sie sich über ihre Sicht zu der Drogenproblematik unter Jugendlichen auf der Insel aus.

„In unserer Beratungsstelle auf Sylt liegt der Anteil der Klienten zwischen 12 und 25 Jahren bei etwa 20 Prozent aller Personen, die uns aufgrund einer Suchtproblematik aufsuchen“, sagt Diplom-Psychologin Willenbrock. In Zahlen sind das 32 Jugendliche und junge Erwachsene von insgesamt 161 Personen über alle Altersklassen verteilt, die bisher im laufenden Jahr das BBZ um Hilfe gebeten haben. „Allerdings sind das auch nur die, die aktiv zu uns kommen“, gibt Willenbrock zu bedenken, „und bei Jugendlichen wissen wir, dass es nicht besonders hip ist, eine Beratungsstelle aufzusuchen.“ Die BBZ-Leiterin geht davon aus, dass Dunkelziffern weitaus höher liegen: „Es gibt sicherlich viele, die nicht in die Suchtberatung kommen, aber bereits eine Suchtproblematik aufweisen.“

Bei der Veranstaltung, die im Saal der Kirchengemeinde Westerland stattfand, war es das Anliegen der Leiterin des BBZ , sich mit den Ergebnissen ein besseres Bild der aktuellen Situation zum Drogenkonsum von Jugendlichen auf Sylt machen zu können, besonders aus den verschiedenen beruflichen Kontexten. Die Ergebnisse zeigten schließlich neue Perspektiven auf, wie die Schulung von Personen in Schule und Hort, die Stärkung der Eltern und deren Beziehung zu ihren Kindern oder eine Einbeziehung der Jugendlichen in die Prävention. „Die Meinungen waren vielfältig und unterschiedlich“, so Willenbrock.

Dass aber der Drogenkonsum unter Sylter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein größeres Problem darstellt als auf dem Festland, kann die Diplom-Psychologin nicht bestätigen: „Beim Vergleich der Zahlen der beiden BBZs auf Sylt und in Niebüll zeigt sich kein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Alkohol- und Drogenkonsums unter den 12 bis 25-Jährigen“, so Willenbrock. In beiden Einrichtungen liege der Anteil bei etwa 20 Prozent. „Diese Angaben werden uns auch so vom DRK-Rettungsdienst auf Sylt bestätigt, der kein größeres Drogenproblem auf Sylt wahrnimmt als auf dem Festland.“

Dennoch bleibe festzuhalten, dass Jugendliche auf Sylt Alkohol und Drogen konsumieren. „Es ist uns wichtig, dass wir einen geeigneten Umgang mit der Suchtproblematik finden, der auch Jugendliche erreicht“, sagt die Leiterin des Beratungszentrums, „insbesondere wenn es um Cannabis geht.“ Dass das aber nicht nur ein Anliegen des BBZs und der Gemeinde Sylt ist, zeigt der Zulauf verschiedener Berufsgruppen zum BBZ, die sich teilweise bereits aktiv einbringen. Wie zum Beispiel die Regionalschule Sylt, die gemeinsam mit dem BBZ und Jugendpfleger Bünte an der Entwicklung eines (Sucht-) Präventionskonzeptes und der nachhaltigen Umsetzung arbeitet.

„Uns ging es bei der Veranstaltung auch darum, was wir in Zukunft für die Jugendlichen tun und wie wir sie erreichen können“, so Willenbrock. Zur weiteren Konkretisierung und Umsetzung der gesammelten Ideen soll es Anfang 2016 eine weitere Veranstaltung geben. „Mit der vergangenen Veranstaltung haben wir aber einen guten Anfang gemacht, der nun in Projekten und Arbeitskreisen fortgeführt werden soll und muss.“

 

 


zur Startseite

von
erstellt am 25.Sep.2015 | 05:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen