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Küstenschutz auf Sylt : Der schwarze Koloss ist offiziell fertig

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach zwei Jahren Bauzeit wurde der Lister Mövenbergdeich gestern von Landesmitarbeitern offiziell abgenommen.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 05:12 Uhr

Der Deich steht. Im Augenblick ist er noch ein schwarzer Koloss, der sich gegen die ansonsten gelblichen, grünen und blauen Farben von Dünen, Koog und Königshafen scharf abzeichnet, aber er steht. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen, Diskussionen und Einwänden über Einwänden schützt der 6,50 Meter hohe Mövenbergdeich nun den nördlichsten Inselort List gegen kommende Sturmfluten.

Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Küstenschutzbauwerk gestern offiziell abgenommen. Dazu reisten Vertreter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz sowie Vertreter des Umweltministeriums nach Sylt, um sich gemeinsam mit Verantwortlichen von der Insel ein Bild vor Ort zu machen.

Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Kieler Umweltministerium, erinnerte sich bei der Bauabnahme daran, dass zu Beginn seiner Küstenschutztätigkeit vor 30 Jahren bereits die Erhöhung des Mövenbergdeiches von den Listern angemahnt wurde. Jetzt, zum Ende seiner Laufbahn, den neuen, fertigen Deich zu sehen, sei schön. „Wir haben ein Stück Sicherheit für Sylt geschaffen.“ 10,5 Millionen Euro haben der Deichbau und die Hochwasserschutzdüne gekostet. Neben der Verstärkung und Erhöhung des etwa 2,5 Kilometer langen Deiches wurden im Anschluss 120 000 Kubikmeter Sand aufgespült. So wurde eine acht Meter hohe und 350 Meter lange Hochwasserschutzdüne geschaffen. Noch liegt der Sand oben auf der Düne vor dem Alfred-Wegener-Institut in kleinen Häufchen da. Strandhaferpflanzungen und Sandverwehungen durch die Herbstwinde sollen der künstlich aufgeschütteten Düne aber demnächst ein natürliches Profil geben. Neben der Bauabnahme fand gestern gleichzeitig die Deichschau statt, in der die Teilnehmer einhellig feststellten, dass der Deich sich in einem sehr guten, wehrhaften Zustand befinde. Einzig ob das Wasser aus der Oberflächenentwässerung des Ortes auch so durch den Sielzug ablaufen kann, wie es muss, darüber gab es unterschiedliche Ansichten. Ronald Benck, Lists stellvertretender Bürgermeister, kündigte an, dass im März ein großes Fest anlässlich des neuen Deiches geplant sei.

Auch der Inselsüden erhielt gestern Besuch von den Küstenschützern: Der Wellenbrecher, bestehend aus 2300 Tetrapoden ist – wie die Sylter ja schon wissen – fertig gestellt. 2,3 Millionen Euro hat die Verlängerung des Längswerks Richtung Süden gekostet. „Der neue Wellenbrecher kann und soll nicht die gesamte Südspitze Sylts sichern, aber Hörnums Ortslage“, heißt es aus dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium. Der jüngste Sturm habe gezeigt, dass dies funktioniere, denn in den hinter dem Wellenbrecher liegenden Strandbereichen und Dünen habe es keine Sandverluste gegeben.

Manfred Uekermann, Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes, unterstrich diese Aussage: „Das Naturschutzgebiet Hörnum Odde ist für uns auch von Bedeutung, aber für uns geht der Mensch vor.“ Man habe gewusst, dass Schäden an der Südspitze kommen würden und dass sich die Odde verändern werde.

An neun Strandabschnitten der Sylter Westküste wurden in diesem Jahr rund 1 Million Kubikmeter Sand aufgespült. Die Kosten von etwa 6,4 Millionen Euro werden von Bund und Land und anteilig von der EU getragen.

Dietmar Wienholt kündigte schon jetzt an, dass es trotz der umfangreichen Küstenschutzmaßnahmen in diesem Jahr auch im nächsten Jahr wieder Sandaufspülungen für Sylt geben werde. Welchen Umfang diese haben werden und welcher Küstenabschnitt wieviel bekommt, werde noch abgesprochen.

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