Christian-Jensen-Kolleg Breklum : "Der Schaden geht in die Millionen"

<strong>Spurensuche am Tag nach der Brandstiftung:</strong> Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Foto: ink
Spurensuche am Tag nach der Brandstiftung: Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Foto: ink

Einbrecher legten im Jensen-Kolleg an vier Stellen Feuer. Es ist eine Spendenaktion für das traditionsreiche Haus angelaufen.

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09. Dezember 2009, 01:39 Uhr

Breklum | Nach dem verheerenden Brand im historischen Missionshaus des Breklumer Christian-Jensen-Kollegs in der Nacht zu Sonntag arbeitet die Kriminalpolizei auf Hochtouren. Was zunächst nur eine Vermutung war, hat sich im Laufe der Ermittlungen bestätigt: Einbrecher hatten sich am Sonnabend zwischen 19.30 und 21.45 Uhr Zugang zum Gebäude verschafft und an vier Stellen Feuer gelegt: in den beiden Büros auf der Rückseite des Hauses, im Dachgeschoss und im Tresorraum der Bücherstube auf der Westseite. Im Missionshaus waren der Verwaltungstrakt und die Büros der Mitarbeitenden des Kollegs, des Evangelischen Regionalzentrums Westküste und des Nordelbischen Missionszentrums untergebracht.

Kriminalhauptkommissar Uwe Meyer war gestern mit seinem Team den ganzen Tag vor Ort, sicherte Spuren und versuchte, die Brandursache festzustellen. "Es sind keine Brandbeschleuniger verwendet worden", sagte er auf Nachfrage. Die Täter hätten offenbar Papier, vielleicht auch Gardinen oder anderes brennbares Material aufgeschichtet und damit gezündelt. Meyer: "Die sind nicht mit dem Ziel reingegangen, die Hütte abzufackeln."

Die Ermittlungen laufen weiter - die Brandruine ist weiträumig abgesperrt. Die Polizei hat ihren Aufruf erneuert, dass sich alle, die sachdienliche Hinweise zum Geschehen am Sonnabendabend machen können, bei der Niebüller Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 04661/40110 melden sollten - auch wenn es sich um scheinbar noch so unwichtige Feststellungen handelt.
Schockgefrieren

"Der Schaden geht in die Millionen", sagte ein besorgter Kolleg-Geschäftsführer Friedemann Magaard. Darin ist der kulturhistorische Verlust noch nicht miteingerechnet. Die Theologische Bibliothek des Prediger-Seminars, die sich im Dachgeschoss befand, ist komplett vernichtet und das Archiv durch Löschwasser beschädigt worden. Mitarbeiter sichteten gestern die wertvollen Bestände aus den Nachlässen früherer Missionare. "Ich hatte eine Bibel von 1582 in der Hand", erzählte Magaard. Er ist zuversichtlich, dass mit dem Verfahren des Schockgefrierens vieles zu retten sein wird. Aber das alles kostet viel Geld und viel Zeit.

Der Bevollmächtigte des Bischofs Gerhard Ulrich, der Kieler Oberkirchenrat Gothart Magaard, hatte sich bereits Sonntagmittag ein Bild von dem Ausmaß der Zerstörungen gemacht, die in der Nordelbischen Kirche große Bestürzung ausgelöst hat. "Wir sind schockiert und traurig. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Doch mit dem Missionshaus verlieren wir ein unersetzliches Stück kirchlicher und nordfriesischer Tradition." Er verwies darauf, dass viele Menschen, sowohl in der Region als auch weltweit in den Partnerkirchen der Nordelbischen Kirche eng mit dem Missionshaus verbunden seien. Die Zerstörung des Gebäudes ändere jedoch nichts an dem Auftrag der Einrichtung. Magaard weiter: "Mein besonderer Dank gilt den Helfern, insbesondere den Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen für ihr beherztes Eingreifen, durch das ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude verhindert werden konnte." Ebenso dankte er den Mitarbeitenden des Kollegs, die in der Nacht und am nächsten Tag geholfen hatten. Für Sonnabend (12.), 14 Uhr, kündigte Magaard einen Gottesdienst in der Breklumer Kirche an: "Dort wollen wir das Geschehene bedenken, es vor Gott bringen und uns neu auf den Weg machen."

Für die Mitarbeiter des Nordelbischen Missionszentrums und des Evangelischen Regionalzentrums Westküste begann gestern Morgen die Neuorientierung. Elf Arbeitsplätze sind vernichtet - gemeinsam besichtigt wurde ein zurzeit leer stehendes Gebäude in der Kirchenstraße 12. Hier sollen provisorisch Büros eingerichtet werden. "Wir sind aber voll arbeitsfähig", betonte Friedemann Magaard. Das Gästehaus und die Küche seien nicht betroffen, der Betrieb der kirchlichen Bildungseinrichtung könne uneingeschränkt fortgesetzt werden. Inzwischen gibt es ein Spendenkonto - denn: "Wir brauchen jede Unterstützung", sagte der Geschäftsführer. Spendenkonto des Christian-Jensen-Kollegs: Kontonummer 1398004 bei der EDG Kiel, BLZ 21060237, Verwendungszweck: Wiederaufbau.

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