Baupläne auf Sylt : Der „Preis“ für den Thermenabriss

Blick auf die Christiansen-Wiese: im Vordergrund einige mittlerweile entfernte Container des Hotelbaus, links hinten der Friesensaal
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Blick auf die Christiansen-Wiese: im Vordergrund einige mittlerweile entfernte Container des Hotelbaus, links hinten der Friesensaal

Planzeichnung zeigt Dimensionen der möglichen Erweiterung des Severin’s Spa / Insulaner-Piraten kritisieren intransparente Politik der Verwaltung

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26. Januar 2015, 06:00 Uhr

Bisher waren nur ungefähre Angaben bekannt zu dem, was der Bremer Bauunternehmer und Hotelbetreiber Kurt Zech auf dem oberen Teil der so genannten Christiansen-Wiese errichten möchte, falls die Gemeinde auf sein Angebot eingehen sollte, dass er in Gegenzug einer Baugenehmigung auf seine Forderungen in Millionenhöhe aus dem Insolvenzverfahren um die Keitumtherme verzichtet und somit den Weg frei macht für einen Abriss der Ruine am Keitumer Wattenmeer (wir berichteten).

Nun liegt der Sylter Rundschau erstmals eine detaillierte Planzeichnung für die von Zech gewünschte Erweiterung des Hotelkomplexes Severin’s Spa vor – siehe Abbildung rechts. Auf dem zirka 10  000 Quadratmeter umfassenden Grundstücksteil südlich des Friesensaals sollen neun reetgedeckte Doppelhäuser mit insgesamt 18, jeweils knapp 100 Quadratmetern großen Appartements und je einem dazugehörigen PKW-Stellplatz entstehen. Die Zufahrt soll über eine Verlängerung der bestehenden Wege von der östlich gelegenen, Anfang Dezember vergangenen Jahres in Betrieb genommenen Hotelanlage aus erfolgen.

Sollte die Gemeinde Sylt einschließlich ihrer politischen Gremien dieser Lösungsvariante zustimmen, müssten alle Beteiligten „diese Kröte schlucken“ wie es Bürgermeisterin Petra Reiber bezeichnete, um zu verhindern, dass weitere fünf oder gar zehn Jahre nichts passiert auf dem Thermengrundstück. Allerdings muss sich die Zech-Group im Fall eines Vergleichs auch noch mit Dirk Christiansen, dem jetzigen Besitzer des südlichen Teils der Wiese, einigen. Nur dann könnte auf dem ebenfalls zirka 10  000 Quadratmeter großen Areal das entstehen, was die Bauzeichnung bereits visionär und sogar mit einem einskizzierten Kinderspielplatz vorwegnimmt und was sich viele Sylter erhoffen: neuen Dauerwohnraum für junge Insulaner. 30 Wohnungen mit zusammen gerechnet knapp 1  600 Quadratmetern und einer Zufahrt über den Ingiwai wären möglich, so zumindest die bisher bekanntgewordenen Vorschläge der Planer.

In den weiteren Beratungen zu dem Zech-Angebot sind jetzt alle Fraktionen im Westerländer Rathaus gefragt, die sich aber auch für andere Lösungen entscheiden können. Zum Beispiel, dass die Gemeinde Zechs Forderungen bezahlt und die Ruine dann auf eigene Kosten abreißt oder dass sogar der Ausgang der laufenden Gerichtsverfahren abgewartet wird. Weitere und eventuell neue Information könnte es am Donnerstag in der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirats Keitum geben, wenn Bürgermeisterin Reiber im Friesensaal, also direkt neben den in Frage kommenden Grundstücken, ihren aktuellen Sachstandsbericht zur Keitum-Therme vorträgt.

Zuvor, am Dienstagabend, muss sich aber erneut der Hauptausschuss mit dem Thema befassen. Die Fraktion „Insulaner-Piraten“ verlangt die Offenlegung von Schriftstücken zur Therme aus Sylt-Oster Zeiten und erklärt vorab in einer Pressemitteilung: „Transparenz bedeutet nicht, dass alles immer öffentlich sein muss. Schutzwürdige Interessen erfordern auch die vertraulich Behandlung von bestimmten Themen. Aber sie muss immer nachvollziehbar sein.“ Die Ereignisse um die Keitum-Therme seien eine Paradebeispiel für intransparente Politik. Die Fraktion habe nicht die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Sachlage zu verschaffen. Protokolle seien unvollständig oder fehlten ganz. Darüberhinaus seien viele Schriftstücke nicht mehr auffindbar, Originalverträge „außer Haus“ und Kopien nicht vorhanden. „In mündlichen Berichten werden dann Sachverhalte unterschiedlich wiedergegeben, bei Zahlungen kann man nicht sagen, ob es sich dabei nur um Zinsen oder um Zinsen und Tilgung handelt“, heißt es weiter. „Das ist klassische Hinterzimmerpolitik. Wir erwarten jetzt von der Verwaltung eine umfassende und vollständige Information.“

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