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Sylter Rundschau

22. Oktober 2017 | 14:42 Uhr

Der Pirat nimmt Gegenwind gelassen

vom

Oliver Sippel (34) erzählt, warum er in der Piraten-Partei aktiv ist - und was für ihn Partei-Arbeit mit "Drive" ist

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Westerland | Freitagnacht um drei Uhr in der Schlager-Bar "Wunderbar": Eigentlich einer der unpolitischsten Orte und Zeitpunkte, die man sich auf Sylt vorstellen kann. Die fröhlich feiernden Masse sucht den Kontakt zum Nebenmann, braucht ein frisches Bier oder will den Pur-Remix noch einmal hören. Bei Letzterem ist Oliver Sippel der Ansprechpartner. Er steht seit sechs Jahren wie auf einem Schiff von der wogenden Masse abgetrennt hinter dem Holztresen der Bar und legt Musik auf. Und redet an diesem eigentlich unpolitischen Ort ziemlich oft über Politik: "Du glaubst gar nicht, wie oft ich hier angesprochen werde!" Denn Sippel ist der Insel-Pirat. Und dafür, dass seine Partei auf der Insel gerade mal mit 12 Mann vertreten ist, sind die Piraten auf Sylt durch das Engagement des 34-Jährigen momentan recht bekannt.

Sippel, gebürtige Niebüller, lebt seit seiner Kindheit in Westerland und ist im Herbst 2011 den Piraten beigetreten. "Ich war zwar vorher schon politisch interessiert, aber habe mich keiner Partei wirklich zugehörig gefühlt", erzählt Sippel, "ich war auch immer Wechsel-Wähler." Vor der letzten Bundestagswahl stieß er dann auf die Piraten, verfolgte deren Engagement online mit - und war begeistert. Nicht nur inhaltlich, sondern auch von den Partei-Strukturen: "Bei Etablierten ist das schwierig - da weiß man als Neuling gar nicht, wo man den Hebel ansetzen kann, denn da werden die Themen eher von oben vorgegeben." Dass die Piraten gerade auf Bundesebene durch ihre basisdemokratische Vorgehensweise gern mal ins Chaos trudeln, findet Sippel nicht schlimm. Ihm ist Parteiarbeit lieber, bei der die Beteiligten "erstmal zehn mal auf die Nase fliegen", als welche "ohne Drive".

Und "Drive" beweist der Vater einer 12-jährigen Tochter vor der Kommunalwahl, bei der die Piraten zum ersten Mal in der Gemeinde Sylt antreten. Auch wenn der Wahlkampf ihn gelegentlich schlaucht - er arbeitet die meisten Nächte bis morgens um fünf und macht nebenbei sein Abitur per Fernstudium nach - vermittelt er im Gespräch über sein Engagement glaubhafte Begeisterung. Auch darüber, dass jetzt auch die Sylter Grünen mit dem Piraten-Thema Fahrscheinlosen Nahverkehr auseinander setzen: "Ich finde es toll, wenn andere Parteien unsere Themen aufgreifen - wir arbeiten doch im Großen auf das gleiche Ziel hin: Das es allen besser geht." Aber zu den Etablierten wechseln, das kann sich Sippel nach seinen kommunalpolitischen Erfahrungen auf Sylt noch weniger vorstellen. Selbst wenn es die Piraten irgendwann nicht mehr geben sollte, "dann gründe ich mit den übrig gebliebenen eine neue Partei."

Noch braucht es diese Piraten 2.0 nicht - Sippel ist gerade auch mit dem Bundestagswahlkampf beschäftigt, bei dem er in Schleswig-Holstein auf Platz Drei der Landesliste steht.

Dass Pirat-Sein auf der Insel nicht immer gut ankommt, und er und seine Mitstreitern gerade von älteren Syltern bei ihren wöchentlichen Infoständen in Westerland ordentlich Gegenwind bekommen, nimmt Sippel gelassen ("Ich interessiere mich für Buddhismus"). Wenn ihn etwas frustriert, dann höchstens, dass seine Partei in Nordfriesland personell relativ dünn aufgestellt ist. Nicht unbedingt, weil das ganz praktische Arbeiten wie das Wahlkampf-Plakatieren schwieriger macht. Sondern "weil es so viele gute Ideen gibt, die wir mit mehr Leuten noch angehen könnten." Dann sagt er etwas, das für die online-affinen Piraten eher untypisch ist. Und für den positiven Sippel auch: "Viele finden es einfach leichter, bei Facebook gefällt mir anzuklicken, als wirklich ihren Hintern zu bewegen." Wirklich frustrieren kann ihn auch das nicht, dann, so Sippels Devise, muss halt noch mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und sei e s in der Wunderbar, zwischen Pur-Remix und Erdnuss-Eimer.

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