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Reaktionen auf Schulschließung : "Der Ort wird dadurch sehr leiden"

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Sylter Rundschau hat Reaktionen auf die Schließung des Primarhauses in Morsum gesammelt: Kritik gibt es vor allem an der Informationspolitik von Kreis und Gemeinde.

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Am Montag verkündete Schulrätin Maike Jennert das definitive Aus für den Schulstandort Morsum. Der Bericht in der gestrigen Ausgabe unserer Zeitung löste bei der Lehrer- und Elternschaft Betroffenheit und Wut aus. „Wir haben erst aus der Zeitung von der geplanten Schließung erfahren. So eine Vorgehensweise ist völlig absurd und unwürdig“, erklärte Daniela Jopp, Elternbeiratsvorsitzende des Primarhauses. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Bei der Sitzung des Schulausschusses im Februar wird die Elternschaft stark vertreten sein.“

Auch Lehrerin Petra Knuth will sich noch nicht geschlagen geben: „Wir werden weiter kämpfen.“ Dem Ort werde mit dem Wegfall des Primarhauses eine wichtige Einrichtung genommen. „Wenn die Schule einmal weg ist, dann geht Morsum auch das hochgelobte Konzept verloren“, so Knuth.

Ebenso wie für Daniela Jopp ist es auch für Andreas Wendt völlig unverständlich, warum Eltern und Lehrer nicht im Vorfeld informiert worden sind. Er hat ein Kind auf der Schule und kämpft seit mehreren Jahren für den Erhalt des Primarhauses. „Ab heute Morgen um fünf Uhr haben die Telefone bei den Eltern geklingelt. Alle wollten wissen, was denn jetzt los sei und wir hatten auch keine Chance, unsere Kinder vorzubereiten.“

Für Wendt ist die Schließung der Schule eine Konsequenz daraus, dass in Morsum kein Wohnraum für Familien geschaffen wird. „Wir können Morsum als lebendigen Wohnort für Familien nicht erhalten, wenn bei uns nichts gebaut wird. Und ohne Kinder kann es natürlich auch keine Schule geben. Und ohne Schule gibt es kein lebendiges Dorf mehr.“

Die Auswirkungen auf Morsum hat ebenfalls der Ortsbeiratsvorsitzende Claus Mungard im Blick. „Ich bedauere die Schließung des Primarhauses sehr, denn der Ort wird dadurch sehr leiden. Wenn wir keine Grundschule mehr haben, wird das junge Leute davon abhalten, nach Morsum zu ziehen – und das ist ja eigentlich unser Ziel.“ Dennoch sieht er keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern. „Die Zahlen sagen ja im Prinzip alles. Da haben wir keine Chance.“

Der Morsumer Pastor Ekkehard Schulz hat die größeren Zusammenhänge im Blick. „Wo geht es mit dem Ort und der Insel hin, wenn immer mehr Bereiche von der Insel von oben wegdelegiert werden? Es ist ein gewaltiger Auftrag für Politik und Gesellschaft, zu verhindern, dass sich die Befürchtungen, die Insel sei bald wie leer gefegt, nicht bewahrheiten.“ Er selber sei noch ganz geschockt von der Nachricht, die er selber erst über die Zeitung erfahren habe. „Hier ist von Lehrkräften und Eltern über Jahre hinweg sehr gute Arbeit geleistet worden. Dass die Gerüchte auf solche Weise zu Fakten werden, spricht für eine sehr geringe Wertschätzung dieser Leistung.“

Mit größtem Bedauern und Traurigkeit nimmt Peter Schnittgard, Vorsitzender des Schul-, Jugend-, Kultur- und Sportausschusses der Gemeinde Sylt, die Schließung des Primarhauses im Sommer zur Kenntnis. „Es ist ja schon seit längerem erkennbar gewesen, dass der Schulstandort gefährdet ist. Dass es jetzt so weit gekommen ist, ist sehr bedauerlich, denn das Primarhaus hat ein hervorragendes Konzept.“

Auch für die Entwicklung von Morsum sei diese Entscheidung sehr bedauerlich, schließlich hänge die bildungspolitische und kulturelle Entwicklung des Ortes eng mit der Schule zusammen. „Über Jahre hinweg haben wir versucht, in der Politik alle möglichen Weichen zu stellen, um das Primarhaus zu erhalten. Aber wenn zu wenige Kinder da sind, können auch wir nichts mehr machen.“ Jetzt müsse die Politik ihre Bemühungen darauf richten, die anderen Schulstandorte der Insel zu erhalten.

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