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Sylter Kirchenmusiker : Der neue Mann an der Westerländer Orgel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am 1. September tritt Christian Bechmann die Stelle als Kirchenmusiker in Westerland an.

Die Westerländer Kirchengemeinde hat einen neuen Kantor: Christian Bechmann wird zum 1. September seinen Platz an der Orgel  einnehmen. „Moment, Bechmann?“, könnten sich nun einige Sylter irritiert am Kopf kratzen, denen der Name im Zusammenhang mit Sylter Kirchenmusik bekannt vorkommt.  Und in der Tat hat die Westerländer Kirchengemeinde mit ihrem neuen  Mitarbeiter  einen ganz besonderen  Fang gemacht.

Der gebürtige Sylter ist der Enkel von Walter Bechmann, der von 1939 bis 1975 der erste Kirchenmusikdirektor Westerlands war, der die Kantorei gründete und auch schon auf der Orgel spielte, an der sein Enkel nun sitzen wird. Und nicht nur das: Auch Christian Bechmanns Vater Friedhelm ist als langjähriger Pastor der Kirchengemeinde Hörnum und Rantum in der insularen Kirche kein Unbekannter.

Kirchenmusik wurde ihm also quasi in die Wiege gelegt und tatsächlich begann er früh, sein Talent zu fördern:  Seine ersten musikalischen Schritte machte er bei Jürgen Borstelmann, dem Hörnumer Organisten, aber auch bei vielen  anderen Sylter Musikern ging er in den Unterricht, darunter Eva Kämpke, Martin Stephan oder Matthias Eisenberg.

Wenn Christian Bechmann von seinem Großvater erzählt, strahlt er.   Er zeigt Respekt aber keine übermäßige Ehrfurcht vor den familiären Fußstapfen, in die er nun tritt, sondern er ist selbstbewusst genug zu wissen, dass er sich mit seinem Talent  und seiner fundierten Ausbildung nicht verstecken muss.  „Schon als Kind saß ich bei meinem Opa auf dem Schoß an einer Heimorgel und habe gesagt: Einmal möchte ich so gut spielen können wie mein Ooge“, erinnert er sich. Und das hat er erreicht: Bechmann ist A-Musiker, hat also die höchste Qualifikation eines Kirchenmusikers (siehe Infokasten rechts).  Und auch, wenn die Westerländer Stelle „nur“ als B-Stelle ausgeschrieben war: Für ihn geht    als Kirchenmusiker auf Sylt ein Traum in Erfüllung.   „Meine persönlichen musikalischen Vorstellungen und Neigungen kommen  dem Profil, das die Gemeinde ausgeschrieben hat, total entgegen“, sagt er zufrieden, „außerdem konnte ich mir immer vorstellen,  zurück auf die Insel zu kommen“.

Der  36-Jährige  hat nach dem Abitur am Sylter Gymnasium in Lübeck Kirchenmusik B auf Diplom studiert. Dann machte er sein erstes Staatsexamen zum Musiklehrer an Gymnasien,  schloss daran seinen Master in Kirchenmusik A  und beendete schließlich im Februar dieses Jahres sein zweites Staatsexamen in Schulmusik erfolgreich mit dem Referendariat. Zuletzt arbeitete er als  Assistent am Lübecker Dom. Im August wird er  zurück auf die Insel ziehen. Seine Frau Lena, Lehrerin von Beruf, folgt ihm, sobald sie eine Stelle am hiesigen Gymnasium antreten kann.

Westerlands Pastorin Anja Lochner freut sich  sehr  über die Wahl  des Kirchengemeinderats, der sich einstimmig für den 36-Jährigen entschieden hat.    Bechmann habe sich gegen sechs andere Bewerber durchgesetzt. „Es haben sich bundesweit Musiker auf die Stelle beworben, denn volle Kirchenmusiker-Stellen sind in Deutschland rar und sehr begehrt“, weiß sie. Im Bewerbungsverfahren musste er ein Orgelvorspiel machen und eine Chorprobe mit der Kantorei absolvieren.  „Ich war begeistert von der Kantorei. Sie haben gleich einen Choral wunderbar vom Blatt gesungen und ich habe mich  sehr willkommen gefühlt“, sagt Bechmann.

In den vergangenen 14 Jahren arbeitete der letzte Westerländer Kirchenmusiker Martin Stephan mit der Kantorei. Am 1. Januar 2017 war der 64-Jährige   vorzeitig in den  Ruhestand gegangen und hat den Weg frei gemacht für seinen Nachfolger. „Nachdem die Stelle lange mit A-Musikern besetzt war, auch zuletzt mit Martin Stephan, hatte  sich der Gemeinderat ganz bewusst – und nicht nur aus finanziellen Gründen –  entschieden,  eine B-Stelle auszuschreiben“, erklärt Pastorin Lochner. Der Unterschied liege in der Ausrichtung: „A-Musiker sind mehr fokussiert auf große Aufführungen, auf Oratorien, Konzerte und das nimmt natürlich sehr viel Zeit und Energie in Anspruch“, so Lochner.

 Christian Bechmann   möchte sich nun weniger auf große Oratorien als vielmehr auf die Arbeit in der Gemeinde konzentrieren und das bestehende Angebot erweitern.  Dabei liegt ihm auch die musikalische Förderung von Kindern- und Jugendlichen am Herzen. „Da hat unser neuer Kantor  durch seine Erfahrung an Schulen besondere Qualitäten und bringt viel Wissen mit“, freut sich Anja Lochner. 

„Ich möchte Angebote für viele Altersgruppen schaffen und dazu zählt für mich auch, die Kinder- und Jugendarbeit  mit spannenden Projekten aufzubauen“,  sagt der Kirchenmusiker und die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus:  „Man kann zum Beispiel  kleine Musicals auf die Beine stellen oder möglichst vielfältige Angebote für Gäste auf der Insel  schaffen, darunter auch eine Gäste-Kantorei, die für Urlauber und  auch für Einheimische offen ist“.  Außerdem denkt er schon an Kinder-  und Jugendsingtage oder  kleine Gospelkonzerte, die während  zwei bis drei Proben einstudiert werden können und auch für Urlauber interessant sind. „Ich möchte niemanden ausgrenzen und es soll für alles etwas Adäquates dabei sein“.

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erstellt am 03.Jul.2017 | 05:13 Uhr

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