„Der neue Deich wird lange halten“

Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger und Albert Mordhorst vom Landesamt für Küstenschutz auf dem neuen Mövenbergdeich.
Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger und Albert Mordhorst vom Landesamt für Küstenschutz auf dem neuen Mövenbergdeich.

Positive Deichschau am neuen Mövenbergdeich / Wolfgang Strenger und Alfred Mordhorst erinnern sich an den Kampf für das Bauwerk

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28. Mai 2015, 05:20 Uhr

Erleichterung. Dieses Wort trifft die Gemütslage von Alfred Mordhorst, Baubetriebsleiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und von Wolfgang Strenger, Lists Bürgermeister, bei der gestrigen Frühjahrsdeichschau am besten. Nicht etwa Erleichterung darüber, dass der neue Mövenbergdeich den Winterstürmen Elon und Felix im Januar getrotzt hat – sondern vielmehr Erleichterung darüber, dass die Gemeinde List nach jahrzehntelangen Verhandlungen seit vergangenem Herbst einen erhöhten und verstärkten Deich hat.

Beide, Wolfgang Strenger und Alfred Mordhorst, verbindet der jahrelange Einsatz bei Genehmigungsbehörden für eine Verstärkung des Mövenbergdeichs. Gestern trafen sie sich zur letzten Deichschau in ihrer Funktion als Bürgermeister und Baubetriebsleiter. Wolfgang Strenger gibt sein Amt demnächst ab, Alfred Mordhorst wechselt zum 1. Juni für die letzten Jahre vor dem Ruhestand in das LKN-Haupthaus nach Husum. „Der Deich ist in wehrhaftem Zustand“ – dieser nüchterne Satz ist das Ergebnis der gestrigen routinemäßigen Kontrolle durch Vertreter des LKN und der Gemeinde List. Kritische Anmerkungen gab es zur Entwässerung des Ortes. Durch den vor dem Deich liegenden Sandhaken könne die Entwässerungsleitung, die durch den Deich geführt wird, möglicherweise in der Zukunft zusanden. Das wollen alle Beteiligten im Blick behalten. Außerdem müsse ein Ausspülen des Deichfußes verhindert werden.

Im Vordergrund stand gestern dennoch das Abschiednehmen. Wolfgang Strenger erinnerte nochmals an die langen, zehrende Verhandlungen, die 1976 starteten. „Damals, vor 39 Jahren, brachte die Gemeinde List eine Petition, gerichtet an die Landesregierung, auf den Weg. Hierin wurde gefordert, den viel zu niedrigen – nur 5,30 Meter über Normalnull – und maroden Deich umgehend zu erneuern.“

Er könne sich noch gut an so manche Deichschau erinnern, bei der der Bürgermeister seinen Zollstock in eine Fuge zwischen die Betonplatten des alten Deichs gesteckt hatte, um auf Hohlräume hinzuweisen, sagte Alfred Mordhorst. „Wolfgang Strenger hat uns die Jahre über sehr kritisch begleitet – aber immer konstruktiv und nie auf persönlicher Ebene. Es war eine tolle Zusammenarbeit.“ Wirklich Sorgen habe ihm der alte Deich nie gemacht, betont Alfred Mordhorst. „Aber höchste Aufmerksamkeit war immer geboten.“ Zweimal habe es Einbrüche während einer Sturmnacht gegeben, erinnert sich der scheidende Baubetriebsleiter. Aber weil das LKN auf Standby stand, sei der Schaden schnell behoben worden.

Aber nicht nur den Mövenbergdeich hatte Alfred Mordhorst seit 1998 im Blick. Seine Aufmerksamkeit galt genauso sehr dem Nössedeich und in den letzten Jahren vor allem dessen notwendige Schafsbeweidung. „Ich habe sehr darum gekämpft, Schäfer vom Festland auf die Insel zu holen. Mit Erfolg.“ Der bis dahin verantwortliche Sylter Schäfer hatte aufgegeben, weil ihm zu viele Lämmer von freilaufenden Hunden gerissen wurden. „Die Festlandsschäfer haben einen Weg gefunden, dass sich ihre Schafshaltung ohne Lämmer auf dem Nössedeich auch wirtschaftlich rentiert“, freut sich Alfred Mordhorst.

Um der alten Zeiten willen hielten die Deichschauteilnehmer gestern in List nochmal an der Stelle an, an dem der Deich in einer Sturmnacht Schaden nahm. „Wir haben nach jeder großen Sturmflut die Dringlichkeit eines neuen Deiches betont“, erklärt Wolfgang Strenger. „Aber immer wieder wurden wir auf der Prioritätenliste hinter andere Westküstenprojekte zurück gestellt.“

Gestern, auf dem neuen Deich, bedankte er sich im Namen seiner Mitbürger bei Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Kieler Umweltministerium und Dr. Johannes Oelerich, Chef des LKN, mit seinem Team für die sehr gute Zusammenarbeit. „Wir können uns zurücklehnen, sagt der Bürgermeister zum Abschied und Alfred Mordhorst pflichtet ihm bei. „Der neue Deich wird lange halten.“


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