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NS-Zeit auf der Insel : Der Nationalsozialismus auf Sylt aus einem anderen Blickwinkel

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Lokale Perspektive: Der Autor Frank Deppe dokumentiert in seinem neuen Buch, wie die Hitler-Partei ihre Anhängerschaft auf der Insel mobilisierte.

„Nein“, sagt Frank Deppe, ihm gehe es nicht darum, Menschen an den Pranger zu stellen, sie als „alte Nazis und oder deren Nachkommen“ zu entlarven. Deppe will mit seinem Buch das Phänomen Nationalsozialismus aus einer sehr lokalen Perspektive betrachten und analysieren. Sylt war auch im Dritten Reich eine beliebte und exklusive Destination, ein Ort, an den auch die NS-Herrscher gern reisten, wo sie ihre Ideologie gefeiert und gefestigt sehen wollten.

Genau 70 Jahre liegen nun zurück, seit dem Nazi-Regime ein Ende bereitet wurde. Und bereits 38 Jahre ist es her, als das erste – und bis dato einzige – Buch erschien, das den Nationalsozialismus auf Sylt detailliert thematisierte: Mit der Publikation „Der Sylter Weg ins Dritte Reich“ verfasste der Sylter Historiker Harald Voigt eine präzise recherchierte Dokumentation der lokalen Geschehnisse.

Mit dem Buch des Sylter Journalisten und Autors Frank Deppe, der auch als regelmäßiger Mitarbeiter für unsere Zeitung tätig ist, wird die Expansion des Nationalsozialismus auf Sylt aus einem etwas anderen Blickwinkel beleuchtet. Dafür sichtete Deppe Hunderte von Ausgaben der „Sylter Zeitung“ der Jahre 1933 bis 1939, filterte Vielschichtiges aus Tausenden von Berichten, Kurzmeldungen und Anzeigen.

Unter dem Titel „... denn deutschen Volksgenossen gehört der Strand! Wie der Nationalsozialismus die Insel Sylt eroberte“ werden in eindringlicher Weise viele bisher nicht oder kaum bekannte Geschehnisse dokumentiert, wobei einige von ihnen erläuternd in einen Kontext zu landesweiten Ereignissen im Dritten Reich gestellt werden.

Ob große Aufmärsche, die Diffamierung von Sylter Kommunisten und Sozialdemokraten oder aber der Erlass eines Aufenthaltsverbots für jüdische Gäste – all dies schildert dieses Buch ebenso authentisch wie andere Auswüchse des nationalsozialistischen Regimes, das sich unter anderem auch des Sylter Brauchtums wie etwa dem Biikebrennen und dem Ringreiten zu bemächtigten versuchte.

Doch ebenso fanden die unspektakulären Niederungen des totalitären Alltags in der Zeitung stets ihren Platz: Etwa der Wunsch eines Lesers, eine sandige Westerländer Erhebung als „Hitler-Düne“ zu benennen, oder aber die Preisvergabe eines von Generalfeldmarschall Hermann Göring gestifteten Teddybären bei einem Strandburgen-Bauwettbewerb.

Getrennt sind die einzelnen Kapitel der Jahre 1933 bis 1939 dabei durch gesonderte Texte unter bestimmten Aspekten, etwa der Haltung der Sylter Pastoren im Dritten Reich, dem Wirken eines Spions auf der Insel oder den Versuch, den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durch Verhandlungen auf dem nahen Festland und Gesprächen auf Sylt in letzter Minute noch zu verhindern.

Die Dokumentation stützt sich vor allem auf die Texte der „Sylter Zeitung“. Ein ebenso reicher wie auch zweifelhafter Fundus, zeigt sich doch, dass in der Zeitung der „Führerkult allgegenwärtig war und im pathetischen Duktus die Leser gebetsmühlenartig immer wieder auf die heilsbringende Herrschaft einschwor“, stellt Deppe fest.

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“, befand einst Bundespräsident Richard von Weizsäcker. In diesem Sinne arbeitet dieses Buch in Wort und Bild anschaulich eine folgenschwere Sylter Zeit auf und verdeutlicht damit zugleich das hohe Gut der Demokratie.

 

 

●Das Buch „... denn deutschen Volksgenossen gehört der Strand! Wie der Nationalsozialismus die Insel Sylt eroberte“ umfasst 154 Seiten und ist ab sofort zum Preis von 19,80 Euro im Sylter Buchhandel erhältlich. Ein Teil des Verkaufserlöses wird einem sozialen Zweck auf Sylt zugute kommen.

 

● Serie zum Buch: Unsere Zeitung veröffentlicht exklusiv in unregelmäßiger Folge einige Auszüge aus dem Buch. Heute auf der Sonderseite 11


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erstellt am 05.Sep.2015 | 05:32 Uhr

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