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Adventskalender Sylter Rundschau : Der Leiter der Sylt-Bibliothek zeigt dem goldenen Hirschen sein Lieblingsbuch

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heute erzählt Jan-Christian Sangkuhl, warum er „Das Parfum“ von Süskind schon zehnmal gelesen hat.

Westerland | Für den diesjährigen Adventskalender öffnen wir gemeinsam mit unserem goldenen Hirschen für Sie die Türen von Insulanern und schauen auf Nachttische und in Bücherschränke: Bis Weihnachten stellen wir jeden Tag ein Lieblingsbuch eines Menschen dieser Insel und seine Geschichte dazu vor. Heute: der Sylter Bibliothekar Jan-Christian Sangkuhl.

Jan-Christian Sangkuhl empfiehlt das Buch „Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders“ von Patrick Süskind (1985).

„Die Idee, dass jemand Düfte, die ihm gefallen, einfach so einfangen kann, ist fantastisch“, sagt Sangkuhl.

„Die Idee, dass jemand Düfte, die ihm gefallen, einfach so einfangen kann, ist fantastisch“, sagt Sangkuhl.

Foto: Albert
 

„Vor über 20 Jahren habe ich das ‚Parfum‘ von Patrick Süskind zum ersten Mal gelesen. Damals lebte ich noch in Flensburg. Die Geschichte dahinter und wie es geschrieben ist, das war für mich neu und ganz besonders damals. Der Roman handelt von Jean-Baptiste Grenouille: Einem speziellen Menschen mit einem ganz speziellen Organ – seiner Nase. Er riecht hunderttausendmal stärker als alle anderen.

Die Geschichte spielt in Frankreich des 18. Jahrhunderts: Es hat mich fasziniert, wie er seine ganze Kindheit als Waise quasi nur durch die Nase erlebt. Per Zufall gerät er in die Lehrwerkstatt eines der größten Parfümeure in Paris, lässt sich dort ausbilden und beginnt erfolgreich Düfte zu entwickeln. Er versucht den Duft der Frauen zu konservieren und bringt sie dafür um.

Das ist grausam und tragisch und er verlässt daher auch später die Stadt, weil er alles nicht mehr erträgt – auch, weil er alle Düfte so extrem wahrnimmt. Ich will nicht alles verraten: Aber am Ende kreiert er eine Superessenz, von der er nur einen Tropfen verteilt und alle total durchdrehen – die ist so intensiv, dass die Leute nicht mehr wissen, wohin mit sich selbst.

So etwas habe ich anderswo noch nie so gelesen. Die Idee, dass jemand Düfte, die ihm gefallen, einfach so einfangen kann, ist fantastisch. Inzwischen habe ich die Geschichte rund zehn Mal durch. Von der ersten Seite an habe ich mich in diese Zeit hineinversetzt gefühlt – ich war auf dem Marktplatz unter dem Fischverkäufertisch, wo der Protagonist geboren wurde, das schaffen nur wenige Bücher.“

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erstellt am 07.Dez.2016 | 05:43 Uhr

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