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Bordell-Genehmigung auf Sylt : Der lange Weg zur späten Empörung

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nun kommt es doch nicht, das geplante Nobel-Bordell in der Strandstraße. Wie und warum konnte es überhaupt zur Genehmigung des „Gentlemen’s Club" und der späten Empörung von Politik und Öffentlichkeit kommen? Eine Chronologie.

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erstellt am 12.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Nun kommt es doch nicht, das geplante Nobel-Bordell in der Strandstraße. Doch wie und warum es überhaupt zur Genehmigung des „Gentlemen’s Club" und der späten Empörung von Politik und Öffentlichkeit kommen konnte, das kam in den vergangenen Wochen immer nur bruchstückweise heraus. Zuletzt wurde noch am Montag im Bauausschuss der Gemeinde versucht, die Schuldfrage zu klären. Die Sylter Rundschau hat anhand der bekannten Fakten versucht, den Ablauf der Entscheidungen zu rekonstruieren.

Eine auf den 14. Juni 2011 datierte Bauvoranfrage, in der die Strandburg GbR als Bauherr genannt ist, geht an das Bauamt der Gemeinde Sylt. Darin wird die Nutzung des geplanten „Gentlemen’s Club“ detailliert beschrieben: „Es wird beabsichtigt hier einen exklusiven Club mit einem bordellartigen Charakter einzurichten. (...) Männliche Gäste entrichten zur Nutzung der Räumlichkeiten ein Eintrittsgeld. (...) Die Nutzung der VIP-Räume sowie die Ruheräume werden an selbstständige Unternehmer vermietet, von denen kostenpflichtige Erotikleistungen an Dritte erbracht werden.“

Am 11. Juli 2011 tagt der Bauausschuss der Gemeinde Sylt in der Alten Schule in Archsum. Im nicht-öffentlichen Teil geht es um die Bauvoranfrage, die den Ausschussmitgliedern nicht im Wortlaut vorliegt. Laut Bauamtsleiter Martin Seemann, der damals noch nicht im Amt war, werden die Politiker von einem Mitarbeiter des Bauamts explizit darauf hingewiesen, worum es sich bei dem geplanten Etablissement handele. Zudem würden im Vorfeld alle Themen detailliert zwischen Verwaltung und Ausschussvorsitzenden besprochen. Während der Sitzung wird laut Seemann die Frage gestellt, wie der „Gentlemen’s Club“ zu verhindern sei. Der Mitarbeiter des Bauamts habe darauf hingewiesen, dass für das Gebiet ein Bebauungsplan aufgestellt werden könne, der eine solche Nutzung ausschließe. „Dies ist dann so im Raum stehen geblieben.“ Der Bauausschuss stimmt der Bauvoranfrage einstimmig zu. Einige Ausschussmitglieder wie Stephan Froeschel (SSW) haben eine andere Erinnerung: „Damals war nie von bordellähnlich oder -artig die Rede, sondern immer nur von Gentlemen’s Club“, sagte er Montag im Bauausschuss.

Mit Schreiben vom 16. August 2011 lehnt die Untere Bauaufsichtsbehörde des Kreises Nordfriesland die Erteilung eines Bauvorbescheids für den geplanten „Gentlemen’s Club“ ab. Begründung: „Bei dem beantragten Gentlemen’s Club mit bordellartigem Charakter handelt es sich hinsichtlich der Zweckbestimmung und des Umfangs um eine kerngebietstypische Vergnügungsstätte, wie sie beispielsweise auf der Hamburger Reeperbahn vorzufinden ist.“ Das betreffende Gebiet sei allerdings aufgrund der vorhandenen Bebauung ein Mischgebiet, in dem ein kerngebietstypischer Vergnügungsbetrieb wie der geplante „Gentlemen’s Club“ nicht „allgemein zulässig“ sei.

Letztendlich stimmt der Kreis aber doch zu: „Wir müssen gerichtssichere Bescheide erstellen“, erklärt Pressesprecher Hans-Martin Slopianka dazu. Die Ablehnung des geplanten Bordells sei dies nicht gewesen: „Die Rechtsanwältin der Investoren hat sehr überzeugend bewiesen, dass in dieser baulichen Gemengelage ein Bordell tadellos hineinpasst.“

Also erlässt der Kreis in einem Schreiben vom 8. Februar 2012 einen Vorbescheid für den Umbau und die Nutzungsänderung des Kinos und Restaurants zum „Gentlemen’s Club mit bordellartigem Charakter“.

Im April 2012 geht der Bauantrag bei der Gemeinde Sylt und beim Kreis NF ein.

Am 23. April 2012 berät der Bauausschuss im nicht-öffentlichen Teil über den Bauantrag. Ohne längere Diskussion erteilt der Ausschuss einstimmig das gemeindliche Einvernehmen – „weil da ja vom Kreis schon deutlich gemacht wurde, dass es nicht zu verhindern ist“, so Seemann.

Am 30. Oktober 2012 hat der Kreis die Baugenehmigung für „Umbau und Nutzungsänderung des Kinos und der Gaststätte in einen bordellartigen Betrieb“ erteilt. Davon erhält die Gemeinde Sylt eine Durchschrift. Weder in der Politik noch der Verwaltung regt sich Empörung über die Genehmigung des Edel-Bordells.

Protest wird erst laut, nachdem die Sylter Rundschau am 25. Oktober 2013 unter der Überschrift „Das wird gar nicht puffig“ über die Sylt-Pläne des Stuttgarter Bordellbetreibers Jürgen Rudloff berichtet. Sowohl der Kreis wie der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm erklären, kein Bordell genehmigt zu haben. Wenige Tage später rudern Kreis und Bürgermeisterin Petra Reiber zurück, das Bordell sei baurechtlich nicht zu verhindern. Zugleich macht Reiber deutlich, dass es sehr wohl unerwünscht sei und bekommt viel öffentlichen Zuspruch.

Für Holger Flessau (CDU) ist der Fall klar: „Die Verwaltung hat versagt und uns schlecht beraten“, sagte der CDU-Vertreter am Montag im Bauausschuss. Im Bauamt verweist man darauf, dass die Politiker sehr wohl gewusst hätten, was in der Strandstraße geplant sei. Und der Kreis Nordfriesland vertritt die Auffassung, dass die Gemeinde das Bordell mit einem Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan, verbunden mit einer Veränderungssperre, durchaus hätte verhindern können.

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