Der Konzernlenker mit der leisen Stimme

Gründete 1984 den Asklepios-Konzern: Dr. jur, Bernard gr. Broermann. Foto: andresen
Gründete 1984 den Asklepios-Konzern: Dr. jur, Bernard gr. Broermann. Foto: andresen

Eine journalistische Begegnung mit Asklepios-Eigentümer Dr. Bernard Broermann

shz.de von
21. September 2012, 03:59 Uhr

Westerland | Er ist ein Mann, der sich lieber im Hintergrund hält, öffentliche Termine und Fotografen ebenso scheut wie Presseinterviews. Die Weigerung von Dr. Bernard gr. Broermann, im Hauptausschuss der Gemeinde Sylt öffentlich über die Probleme an seinem Inselkrankenhaus zu sprechen, überraschte daher nicht. Eher schon sein spontanes Angebot zu einem kurzen Pressegespräch, ohne Beteiligung - und wohl auch ohne Wissen - seiner Presseabteilung in Hamburg.

Die Tatsache, dass der alleinige Gesellschafter des größten privaten Klinikbetreibers in Deutschland nach Sylt reist, um höchstpersönlich das aus dem Ruder laufende Schiff Nordseeklinik auf Kurs zu bringen und die Wogen drumherum zu glätten, scheint zu bestätigen, was von Insidern oft zu hören ist: Bei Asklepios hat nur Einer das Sagen - Dr. Bernard große Broermann. Dabei ist die Nordseeklinik für ihn eigentlich nur ein klitzekleines Licht am strahlenden Asklepios-Firmament mit insgesamt 2,5 Milliarden Euro Umsatz, 140 Kliniken und Gesundheitseinrichtungen sowie 44 000 Mitarbeitern. Von denen allerdings 140 auf Sylt auch gestern wieder streikten.

Was offenkundig mit ein Grund für die ungewöhnliche Gesprächsbereitschaft ist. Er wolle, dass man sich einmal gegenseitig kennenlerne und habe ein paar Botschaften, die er vermitteln wolle (wir berichteten), kommt der 68-jährige Unternehmer gleich zur Sache. Mit dem Hinweis auf 55 Emails, die auf seinem Smartphone auf Beantwortung warten würden, entschuldigt er sich, dass für ein längeres Interview keine Zeit sei. Asklepios sei eben ein großer Konzern. Umso erstaunlicher, dass Bernard Broermann, der diesen Konzern seit 1984 quasi alleine aufgebaut hat, vor allem Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Er spricht leise und langsam, voll und ganz aufs Gespräch konzentriert - keine Spur von gehetztem Manager. Dem Betriebswirt, Juristen und Wirtschaftsprüfer mit medizinischem Vorexamen würde man auch den Pastor sofort abnehmen.

Überzeugend sei er und sehr klar in seinen Aussagen, bescheinigt ihm sogar der Westerländer Sozialdemokrat Gerd Nielsen nach dem Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden im Rathaus. Aber eben auch ein Patriarch von altem Schlag.

Und zwar einer der tief verwurzelt im katholischen Glauben ist und sich mit Gewerkschaften prinzipiell nicht an einen Tisch setzt. Angeblich, weil ihm aus deren Kreisen in den Asklepios-Anfängen unterstellt worden sei, Scientology nahe zu stehen. Eine Kränkung, die bis heute extrem tief zu sitzen scheint. Genauso wie Vorwürfe, er würde sich auf Kosten der schlecht bezahlten Mitarbeiter persönlich bereichern. "Ich habe noch nie auch nur einen Pfennig aus dem Unternehmen entnommen oder ein Gehalt bezogen", stellt Broermann glaubhaft klar. Was streng genommen natürlich nichts daran ändert, dass der Gewinn des Konzerns seinen Reichtum mehrt. Allerdings nur, solange seine Kliniken auch wirtschaftlich arbeiten. Sei das nicht der Fall, stünden auch die Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie gesagt: Klar und überzeugend.

Eine Position, die Bernard Broermann mit Ruhe und Gelassenheit vertritt. Wie er in dem 20-minütigen Gespräch überhaupt nur zweimal einen Anflug von Emotionalität zeigt. Beim ersten Mal, als es um den Erwerb der Nordseeklinik 1992 geht, mit dem er den AWO-Landesverband Hamburg vor der Insolvenz gerettet habe. Regelrecht ereifern kann er sich beim Thema Sylter Mitarbeiterwohnungen. Wesentlich mehr als die Kritik einer Gewinnmaximierung auf Kosten von Personal und Patienten trifft ihn der Vorwurf, Asklepios lasse auf der Insel Wohnraum leer stehen und verkommen. Aus Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber. Und sicherlich auch, weil es eine kaufmännische Todsünde ist, Sachwerte nicht zu pflegen.

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