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Geburtshilfe auf Sylt : Der kleine Bruder kam im Badezimmer zur Welt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Weil sie es nicht aufs Festland schaffte, bekam eine Sylterin ihr Kind unfreiwillig zu Hause. Die fehlende Geburtshilfe auf Sylt ist Donnerstag Thema im Sozialausschuss des Landes.

Sylt | Zumindest entstand so eine Familientradition: Weil Steffi Jansen es nicht mehr rechtzeitig aufs Festland schaffte, bekam die 28-Jährige am Freitagnachmittag ihr Kind im heimischen Badezimmer in Morsum. Ohne Gynäkologen, ohne Hebamme. Eine Geburt wie anno dazumal – im friesischen Bauernhof der Familie war auch schon der Großvater des kleinen Mats geboren.

Geplant war alles natürlich ganz anders: Stichtag für Mats wäre der kommende Donnerstag gewesen, eigentlich wollte Steffi Jansen sich heute im Boarding-Haus der Diako-Frauenklinik einquartieren. „Früher wollte ich wegen meiner anderen beiden Kinder nicht von der Insel runter“, erklärt die Pferdepflegerin. Doch schon am  Freitagvormittag setzten leichte Wehen ein. „Deshalb wollten wir eigentlich gegen 15 Uhr mit dem Zug nach Niebüll fahren“, erzählt Jansens Freund, Boy-Henning Hoffmann. Doch dann ging auf einmal alles ganz schnell. So schnell, dass auch Hebamme Anke Bertram nicht rechtzeitig zur Stelle war: Gegen 15 Uhr bekam Steffi Jansen Presswehen, um 15.13 Uhr war Mats da – und sah als erstes keinen Kreißsaal, sondern das lila geflieste Bad der Jansens. „Ich dachte, ich wäre bei der Geburt nur Beobachter“, erzählt Hoffmann, „und dann habe ich auf einmal Hebamme gespielt.“ Panisch sei er dabei trotz mangelnder Erfahrung nicht geworden – „in so einem Moment denkst du gar nicht viel nach“. Normalerweise wäre das Paar bei den ersten Wehen Richtung Westerland in die Asklepios Nordseeklinik gefahren, doch die Geburtenstation ist seit dem ersten Januar geschlossen. „Jetzt hatten wir die Wahl, das Kind zu Hause oder am Westerländer Bahnhof zu bekommen.“

Solche ungeplanten Hausgeburten sind auf Sylt in den vergangenen Jahren eher selten vorgekommen, erzählt Hebamme Anke Bertram, die mit einem Notarzt kurz nach Mats Geburt vor  Ort war. Sie freut sich darüber, dass die Hausgeburt bei Steffi Jansen so entspannt abgelaufen ist, kritisiert aber gleichzeitig die Klinikleitung der Nordseeklinik: „Es gibt keinen Notfallplan für Sylt, der mit uns Hebammen abgesprochen ist.“ Das heißt: Sollte es bei einer Spontan-Geburt auf der Insel Komplikationen geben, und die Schwangere als Notfall in die Nordseeklinik gebracht werden, wisse sie nicht, ob sie als Hebamme  befugt sei, dort zu arbeiten. Auch was genau mit den Gynäkologen der Insel abgesprochen sei, sei unklar.

Über das offenbar gestörte Verhältnis zwischen Insel-Hebammen und Klinik-Leitung sprach Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde. Sie wolle versuchen, dies wieder zu verbessern. Am Donnerstag will sich außerdem der Sozialausschuss des Landtags mit der Geburtshilfe auf Sylt  befassen. Der Verein „Insel-Liste zukunft.sylt“ hat in der Geburtshilfe-Frage Anfang Januar das Verwaltungsgericht Schleswig angerufen. Das Gesundheitsministerium in Kiel solle sicherstellen, dass auf Sylt eine Geburtshilfe-Station weiterhin betrieben wird (wir berichteten).

Das Ministerium hat  die Ablehnung beantragt. Aus Sicht des Ministeriums gebe es rechtlich „keinen allgemeinen Anspruch auf Vollziehung staatlicher oder kommunaler Planungen“. Zudem seien die Antragsteller ohne entsprechende Befugnis. Nach Angaben eines Sprechers wird das Gericht in dieser Woche entscheiden, ob der Verein antragsberechtigt ist.

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erstellt am 12.Jan.2014 | 14:13 Uhr

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