zur Navigation springen

Sylt : Der Hindenburgdamm und die Namensfrage

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylts wichtigster Verkehrsweg ist als „Hindenburgdamm“ berühmt. Nachdem auch das Kieler Hindenburgufer umbenannt wurde, stellt sich auf Sylt die Frage, ob jetzt auch der Damm an der Reihe ist.

shz.de von
erstellt am 25.01.2014 | 12:00 Uhr

Sylt | Aus Münster hat man ihn verbannt, in Hamburg ist er heute unerwünscht und auch in der Landeshauptstadt Kiel heißt das Hindenburgufer jetzt Kiellinie: Der Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) ist als Namensgeber für Straßen und öffentliche Plätze zunehmend unbeliebt geworden. Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Insel wieder über die moralische Vertretbarkeit des Namens „Hindenburgdamm“ streitet?

Wenn es nach Bürgervorsteher Peter Schnittgard geht, dann ist eine solche Debatte nicht nötig: „Ich bin der Meinung, dass wir Hindenburg als einen Teil der Zeitgeschichte akzeptieren sollten. Ich habe kein Problem damit.“ Als letzter hatte vor rund drei Jahren der Historiker Nils Hinrichsen vom Nordfriesischen Institut für eine Umbenennung plädiert. Hindenburg sei der „Steigbügelhalter Hitlers“ gewesen, so die Einschätzung des Historikers. Auch in anderen deutschen Städten ist dieser Streit über die posthume Bewertung des Soldaten und späteren Politikers Hindenburg geführt worden. Die Tatsache, dass der ostelbische Adelige von 1916 bis 1918 als Teil der Oberen Heeresleitung de facto diktatorische Macht ausübte und Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannte, sind für viele gute Gründe für eine Namensgegnerschaft. Dagegen führen seine Befürworter ins Feld, dass Hindenburg als einziges direkt gewähltes deutsches Staatsoberhaupt auch eine Stütze der Weimarer Republik und ihrer Verfassung darstellte. Wie zeitaufwändig eine solche Fragestellung sein kann, zeigt das Beispiel der Stadt Münster. Über zwei Jahrzehnte stritt man dort über zweifelhafte Namensgebungen – auch über den Hindenburgplatz. Zwei Jahre lang beschäftigte sich daraufhin eine Historikerkommission mit den Straßennamen der Stadt und schlug elf davon zur Umbenennung vor. Heute heißt der zentrale Ort Schlossplatz.

Ob es bei dem Hindenburgdamm so weit kommen wird, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Der Grund: Der Damm, der das Festland mit Sylt verbindet, ist im Besitz der Deutschen Bahn und das Unternehmen sieht zurzeit keinen Grund für eine Umbenennung. Das kann bei genauerer Betrachtung auch daran liegen, weil der Verkehrsweg, den die DB einst von der Reichsbahn übernahm, und der als „Reichsbahnstrecke Klanxbüll-Westerland“ eröffnet wurde, offiziell gar nicht „Hindenburgdamm“ heißt. Auch im Verkehrsministerium weiß man nichts von einer offiziellen Festlegung. Sprecher Harald Haase vermutet stattdessen eine historisch gewachsene Bezeichnung. Erst beim Einweihungsbankett am 1. Juni 1927 wurde die Bezeichnung „Hindenburgdamm“ von Sylter Bürgern geprägt und setzte sich schließlich durch.

Wer sich also einen neuen Namen für den Damm wünscht, der muss seine Hoffnung darauf richten, dass der Volksmund einen neuen Titel für den Hindenburgdamm einführt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen