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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 19:37 Uhr

„Der Gospel muss grooven“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Flensburger Cornelius Friedel leitet den Wenningstedter Gospelchor Island Voices und kämpft gegen Männer-Mangel und Proben-Schwänzer

Sportler müssen vor dem Wettkampf ihre Muskeln aufwärmen und auch die Mitglieder des Sylter Gospelchores Island Voices wärmen ihre Stimmbänder auf, bevor es mit dem Singen losgeht. Mit den Liedern afrikanischer Sklaven hat das erst einmal allerdings wenig zu tun. „Milka – die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“ singen die 17 Frauen und vier Männer, die an diesem Mittwochabend zur Probe ins Wenningstedter Pastorat gekommen sind – und das gleich in verschiedenen Tonlagen hintereinander. Cornelius Friedel, der den Chor seit rund zwei Jahren leitet, legt viel Wert auf Übungen zur Stimmbildung. Schließlich arbeitet er am Flensburger Institut für atemzentrierte Stimmbildung. Der 33-Jährige leitet neben den Island Voices noch zwei weitere Chöre und arbeitet mit zwei Kindergärten zusammen. Eigentlich wollte er Lehrer werden – „aber jetzt mache ich lieber Musik mit Leuten, die das auch wollen.“

Es hat etwas gedauert, bis sich Friedel mit dem Sylter Chor zusammengerauft hatte. „Im Chor herrscht eine unglaubliche Fluktuation. Es stehen 45 Leute auf der Liste – aber meist sind viel weniger da und das in ständig wechselnder Besetzung. Manchmal stand ich schon am Rande der Verzweiflung.“ Ein weiteres Problem ist der geringe Männeranteil: es sind nur fünf. „Ich sage oft, wir sind ein Frauenchor mit männlicher Begleitung“, erklärt der Chorleiter trocken, „es gibt hier auf Sylt offenbar kaum Männer die den Arsch in der Hose haben, in einem Chor zu singen.“

Aus diesem Grund singen die Island Voices nur dreistimmig – neben den weiblichen Stimmen Sopran und Alt singen die Männer Bariton. „Da muss ich schon immer sehr darauf achten, welche Literatur ich auswähle – damit die Lieder für die Männer mit Bass-Stimmen nicht zu hoch und für die Männer mit Tenor-Stimmen nicht zu tief sind.“

Mittlerweile aber hat sich die Truppe zusammengerauft. „Jetzt weiß ich, welche Musik zu meinem Chor passt, wir werden häufig für Hochzeiten oder andere Feierlichkeiten angefragt.“ So sollen die Sylter Gospelsänger bei der 100-Jahr-Feier der Wenningstedter Friesenkapelle und beim Dorfteichfest auftreten. Das nächste Mal sind die Island Voices am 23. März im Gospelgottesdienst in der Friesenkapelle zu hören. Im Repertoire hat der Chor „Contemporary Gospel, Gospel-Pop und Spiritual Pop“, dazu gehören auch bekannte Stücke wie „Can you feel the love tonight“ oder „Oh happy day“.

Cornelius Friedel ist es ganz wichtig, dass die Sänger dabei nicht steif in der Gegend herumstehen: „Ein Gospel muss grooven. Wir singen, wir klatschen, wir stampfen – und üben auch einige Gospelschritte ein.“ Für die wöchentlichen Proben, die immer mittwochs ab 20 Uhr im Wenningstedter Pastorat stattfinden, reist Friedel übrigens jedes Mal von Flensburg aus an. „Das ist schon immer ein großer Aufwand, aber mich hat es gereizt, mit diesem Chor zusammenzuarbeiten.“ Was sich Friedel jetzt noch wünscht, sind mehr Männer im Chor – und einen Pianisten für Auftritte. Diese Aufgabe muss der Chorleiter bislang nämlich noch selber übernehmen.

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erstellt am 20.Feb.2014 | 10:28 Uhr

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