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Bewertungsportale : Der Frust mit den Restaurantkritiken im Netz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fluch oder Segen? Sylter Restaurant- und Hotelbesitzer stehen Portalen im Netz häufig skeptisch gegenüber.

von
erstellt am 03.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Gibt man bei der Suchmaschine Google im Internet den Namen „Fisch Fiete“ ein, ploppen unter der offiziellen Internetseite des Restaurants in Keitum gleich mehrere Bewertungsportale auf: Tripadviser.de, restaurant-kritik.de oder yelp.de – alles Internetseiten, auf denen Besucher von Fisch Fiete ihre persönliche Meinung zu Essen, Service und Ambiente abgegeben haben. Neben vielen positiven Einträgen („überdurchschnittlich hohe Qualität“, „Der Service ist der Hammer....und was der Küchenchef macht, ist der Wahnsinn“) finden sich auch ein paar negative Rückmeldungen zum Restaurantbesuch auftauchen, ärgert sich Thomas Sievers, Inhaber des traditionsreichen Fischrestaurants. Mit seiner Meinung, dass diese Portale Unsinn seien und oftmals ein völlig falsches Bild von Hotels und Restaurants auf der Insel abliefern, steht er nicht alleine da.

„Auch die Kellnerin konnte sich nichts merken, alles kam falsch, dabei war sie noch unhöflich“ – heißt es zum Beispiel auf einer Seite. Ein anderer Nutzer wiederum kritisiert die unfreundliche Begrüßung bei Fisch Fiete. „Eine glatte Lüge“, findet Sievers, „bei uns wird jeder Gast per Handschlag begrüßt“. Dass sich negative Bewertungen im Internet häufen, wundert ihn dabei nicht. Schließlich seien es gerade Menschen, die viel nörgeln und meckern, die ihre Meinung gerne im Internet kund tun. Zufriedene Gäste bewerten dagegen seltener ihren Besuch.

Auch Stephan Beck, Vorsitzender von Dehoga Sylt, ist skeptisch gegenüber holidaycheck und Co. Er kritisiert vor allem den Mangel an Objektivität: „Viele laden im Internet einfach ihren Frust ab.“ Und andersherum würden sich einige Besitzer auch einfach unter falschem Namen anmelden und positive Berichte über ihr eigenes Haus verfassen. Das sei genauso schlimm, betont er. Trotzdem beobachtet Beck, dass viele Gäste solche Portale zur Rate ziehen. Er empfiehlt jedoch, sein künftiges Hotel nicht nach diesen ungeprüften Beschreibungen auszuwählen. Die Hotelklassifizierungen von Dehoga seien dagegen ein gutes Mittel. Nach einem umfangreichen Kriterienkatalog werden die Häuser dort bewertet. Größe der Zimmer, Beleuchtung oder die Besetzung der Rezeption spielen dabei zum Beispiel eine Rolle, erzählt er.

Jörg Müller vom gleichnamigen Hotel und Restaurant gehört ebenfalls zu den Skeptikern. Er macht sich allerdings erst gar nicht viel aus Bewertungen im Netz: „Ich kümmere mich lieber um meine aktuellen Gäste als irgendwelchen negativen Rückmeldungen nachzugehen“, sagt er. Konstanze Voigt von Voigts Alte Backstube sieht es ähnlich. Auch sie hält es für wichtiger, sich um die Gäste vor Ort zu kümmern, als sich über einen einzigen Eintrag zu ärgern. In der Vergangenheit hatte sie aber sogar einen ihrer Mitarbeiter beauftragt, sich um Bewertungen im Internet zu kümmern. Doch schnell habe sie gemerkt, dass man bei der Fülle an Portalen den Überblick verliere.

Besonders bedenklich findet Konstanze Voigt, dass auch Bewertungen, die schon vor Jahren veröffentlicht wurden, noch immer im Netz zu finden sind. „Der Besitzer könnte ja schon längst gewechselt haben oder das Restaurant hat ein neues Konzept “. Etwas Gutes sieht sie allerdings doch in den Portalen: „Wenn es positive Rückmeldungen sind, ist das kostenlose Werbung.“

Doch nicht alle sehen die Portale so skeptisch. Moritz Luft, Chef von Sylt Marketing, zum Beispiel hält diese für sehr wichtig und empfiehlt den Inhabern, die Bewertungen ernst zu nehmen. Wie man auch mit ungerechtfertigten Einträgen umgehen sollte, möchte er den Hotel- und Restaurantbesitzern in einem Workshop erklären. Am 21. Mai wird es um dieses Thema gehen.

Thomas Sievers hat für sich allerdings schon entschieden: „Wir reagieren auf solche Bewertungen nicht.“ Seine zukünftigen Gäste bittet er darum, gleich beim Besuch zu sagen, wenn etwas nicht stimmt. „Dann hat man auch die Möglichkeit, direkt zu reagieren“. Sich in einem Portal erst nach dem Restaurantbesuch anonym über mangelnden Service oder schlechtes Essen auszulassen, sei seiner Meinung nach feige.

 

 

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