Sylt : Der Fall Wonnemeyer: „Wir wollen nicht abreißen“

Mittwochmittag, Strand Wenningstedt: Von Räumung oder gar Abriss des Restaurants „Wonnemeyer“ keine Spur.
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Mittwochmittag, Strand Wenningstedt: Von Räumung oder gar Abriss des Restaurants „Wonnemeyer“ keine Spur.

Die Betreiber des Strandrestaurants in Wenningstedt lassen eine Frist verstreichen. Jetzt droht eine Räumungsklage des Tourismus-Service.

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31. Januar 2018, 20:58 Uhr

Wenningstedt | Stichtag für das Strandrestaurant „Wonnemeyer“ – bis 31. Januar sollte das Pachtobjekt „vollständig geräumt und sauber“ zurückgegeben werden. So lautete zumindest eine Aufforderung des Verpächters, der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup GmbH (TSWB), vom 2. Januar. Pächter Rüdiger Meyer sprach damals gegenüber der „Sylter Rundschau“ sogar von einer „ultimativen Abrissforderung“, die er jedoch akzeptiere: „Wir treffen nunmehr die notwendigen Vorbereitungen, damit alles pünktlich vonstatten geht.“ Doch passiert ist zum Ablauf der Frist am gestrigen Mittwoch nichts.

Das Restaurant und auch die öffentlichen Toiletten sind zwar seit 1. Januar geschlossen, aber sämtliche Gebäudeteile stehen noch immer komplett unversehrt auf der Podestanlage vor den Dünen an der Küste, selbst die rot-weißen „Wonnemeyer“-Flaggen wehen noch werbewirksam im Nordseewind.

„Wir wollen nicht abreißen, wir wollen unser Lebenswerk auch nicht räumen“, erklärte Meyer am Mittwoch auf Anfrage des sh:z. „Nein, wir wollen die Türen aufhalten für eine Einigung, wir wollen weiter mit der TSWB verhandeln, wir hoffen noch immer auf Einsicht und auf einen Termin für neue Gespräche.“ Die Chancen dafür scheinen jedoch aussichtslos: Bereits Anfang Januar verlief ein Vermittlungsversuch von Karl Max Hellner, dem Vorsitzenden des Vereins Sylter Unternehmer (SU), ohne Erfolg. Dabei ging es gar nicht mehr um den zwischen „Wonnemeyer“ und der TSWB in den Medien und sozialen Netzwerken offen ausgetragenen Streit um die Konditionen einer vierjährigen ausschreibungsfreien Verlängerung des Pachtvertrags.

 
Rüdiger Meyer will sein „Lebenswerk“ unbedingt erhalten.
Foto: Pierre Boom
Rüdiger Meyer will sein „Lebenswerk“ unbedingt erhalten.

Vielmehr hatte Meyer versucht, sich aus der Schusslinie zu nehmen und seinen vollständigen Rückzug aus Betrieb und Unternehmen des Strandrestaurants als Kompromiss angeboten. Tochter Carla Wonneberger sollte mit einer neuen Gesellschaft als Übergangslösung das Restaurant zumindest 2018 weiterführen und dann zum Ende der Saison jegliche Abrissverpflichtung übernehmen, die ihr Vater Rüdiger Meyer zum Ablauf des gestrigen Stichtages hätte erfüllen müssen. Dieser Vermittlungsversuch sei jedoch gescheitert, erklärte Wenningstedts Tourismusdirektor Henning Sieverts bereits am 8. Januar und bestätigte gestern auf Anfrage : „Ja, wir haben Herrn Meyer am 17. Januar erneut schriftlich zur Räumung aufgefordert.“

Henning Sieverts, Tourismusdirektor Wenningstedt-Braderup
Foto: Nicole Mai

Henning Sieverts, Tourismusdirektor Wenningstedt-Braderup

 

Zwischenzeitlich habe es aber weitere Vermittlungsversuche seinerseits gegeben, betonte Meyer: „Wir hatten namhafte, einflussreiche Persönlichkeiten vorgeschlagen oder diese haben sich sogar selbst gegenüber der TSWB als Schlichter ins Spiel gebracht.“ Aber alles vergeblich, jeder sei abgelehnt worden, so der „Wonnemeyer“-Betreiber. Auf den Ablauf der Frist zur Räumung habe er am Mittwoch mit einem Schreiben an Sieverts reagiert und erneut eine Lösung für dieses Jahr vorgeschlagen, die „allen Seiten diene“, erklärte Meyer.

Sollte es zu keinen neuen Gesprächen oder zu keiner Einigung kommen und sollte „Wonnemeyer“ keine Schritte in Richtung Rückgabe oder Abriss des Strandrestaurants gehen, wäre seitens des Tourismus-Service eine Räumungsklage beim zuständigen Landgericht Flensburg die notwendige Folge.

Auf die Frage, ob die TSWB bereits in diese Richtung aktiv geworden sei, erklärte Tourismusdirektor Sieverts: „Nein, bisher nicht. Da Herr Meyer öffentlich erklärt hat, die Abrissforderung zu akzeptieren und alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, sind wir zunächst davon ausgegangen, dass dies nicht notwendig ist. Wir werden aber nötigenfalls auch zügig den Rechtsweg beschreiten, um die überfällige Erneuerung des Podestes als Basis für eine künftige Strandgastronomie umsetzen zu können.“

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