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Einschulung : Der erste Schultag damals und heute

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Niels Diedrichsen (77) wurde 1937 in List eingeschult. Sein Enkel Boy-Ole (6) geht seit gestern in die Wenningstedter Norddörfer Schule. Mit Ulrike Bergmann sprachen sie über Zuckertüten, Unterricht in einer Baracke, Schülerzahlen und die erste eigene Uhr.

Wie unterschied sich der Schulanfang 1937 von dem im Jahr 2008?

Niels Diedrichsen: So aufregend wie heute war es jedenfalls nicht. Ich wurde damals noch in einer Baracke eingeschult, die dort stand, wo heute das A-Rosa-Hotel gebaut wird. Damals waren in ganz List tausende Arbeiter im Einsatz, die die Kasernen und Wohnungen gebaut haben. Ich war wahrscheinlich so in der dritten Klasse, als die jetzt ja leider geschlossene Lister Schule eröffnet wurde und wir von der Baracke dorthin umgezogen sind. Da gab es dann auch einen richtigen Schulhof. An der Baracke haben wir in der Pause einfach auf der Böschung gespielt.

Wie viele Kinder waren denn damals in der ersten Klasse?

Diedrichsen: Ich meine, wir waren so um die 40. Heute sind die Klassen ja viel kleiner und ich glaube, das ist auch besser so.

Boy-Ole: In meiner Klasse sind 16 Kinder, fünf davon kommen aus List. So wie mein Freund Louis und ich.

Sitzt Ihr in der Klasse denn auch nebeneinander?

Boy-Ole: Na klar! Wir sitzen ziemlich weit vorne in der Mitte. Die Plätze durften wir uns aussuchen.

Diedrichsen: Das war bei uns auch anders. Da hat der Lehrer gesagt, wo wir erstmal sitzen sollen. Später wurden die schweren Fälle dann weiter nach vorne geholt.

Boy-Ole: Ihr durftet Euch den Platz nicht selber aussuchen? Das ist ja langweilig.

Diedrichsen: Damals gab es zum Schulanfang auch nicht so viele Geschenke wie heute. Wir hatten nur eine kleine Zuckertüte, in der wohl ein paar Bonsche drin waren.

Boy-Ole: Hast Du gar kein Geschenk bekommen? Guck mal, ich habe eine Uhr gekriegt und Mama hat meine Schultüte gebastelt. Da sind Seeringelwürmer und andere Angelsachen drin.

Diedrichsen: Meine erste Uhr habe ich viel, viel später bekommen und an Geschenke wie Spielzeug war sowieso nicht zu denken. Dafür mussten meine Eltern damals die Fibel und eine Schiefertafel mit nem Putzlappen dran kaufen. Darauf haben wir am Anfang meiner Schulzeit sogar noch in Sütterlin geschrieben. Außerdem hatte ich eine lederne Schultasche bekommen, die aber eher wie eine Aktenmappe aussah. Das war schon etwas ganz Tolles.

Boy-Ole: Ich habe mir meinen Ranzen selber ausgesucht und natürlich sind da Fische drauf.

Welche Fächer hatten Sie damals?

Diedrichsen: Lesen, Schreiben, Rechnen und Sport. Ich glaube, das wars.

Keine Kunststunden, kein Musik, kein Heimat- und Sachunterricht?

Diedrichsen: Nein, das gab es, wenn überhaupt, erst später auf der Mittelschule.

Boy-Ole: Wir fangen jetzt mit Rechnen an. Ich schätze, am zweiten Tag machen wir die Zahlen von eins bis zehn oder so.

Diedrichsen: Heute wird zu Hause mit den Kindern viel mehr geübt als früher. Ich konnte, glaube ich, bei der Einschulung meinen Namen noch nicht schreiben.

Boy-Ole: Das kann ich schon seit drei Jahren, so ungefähr. Deshalb konnte ich ja auch mein Namensschild erkennen.

Welches Namensschild?

Boy-Ole: Das, was in meiner Klasse auf so einem Schrank stand. Da waren für alle Kinder Namensschilder, die wir dann auf unsere Plätze gestellt haben.

Diedrichsen: So etwas gab es bei uns auch nicht. Meine Schulzeit ist aber auch wirklich lange her. Damals gab es ja sogar noch Züchtigungen. Als ich in der ersten Klasse war, hat mich ein drei Jahre älterer Junge, Joachim, so doll geschubst, dass ich hinterher das Knie kaputt hatte. Dafür hat er vom Lehrer richtig das Fell voll bekommen. Joachims Mutter war nachmittags mit ihm bei uns zu Hause und hat gezeigt, welche Striemen ihr Junge auf dem Allerwertesten hatte. Das Bild sehe ich heute noch vor mir. Schon gut, dass es so etwas nicht mehr gibt.

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erstellt am 28.Aug.2008 | 06:56 Uhr

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