Der erste Inselmaler zeigt seine Werke

'Autozug 2011', Öl auf Leinwand im Format 70 x 75 Zentimeter.
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"Autozug 2011", Öl auf Leinwand im Format 70 x 75 Zentimeter.

Am Freitagabend wird in der Stadtgalerie die Ausstellung mit den Bildern eröffnet, die Karsten Kusch während seiner Syltaufenthalte gemalt hat

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01. September 2011, 07:30 Uhr

Westerland | Die bestens vertrauten und von ihm oft gemalten industriellen Landschaften Berlins auf der einen, die ihm völlig unbekannte, von anderen jedoch nicht minder häufig abgebildete Inselnatur auf der anderen Seite - das war die künstlerische Herausforderung, der sich Karsten Kusch im vergangenen November als ersten Sylter "Inselmaler" zu stellen hatte. "Ich wusste nicht, was mich erwartet, ahnte aber, dass es schwer wird, auf Sylt etwas zu machen, das so noch nicht gesehen wurde."

Das Bindeglied zwischen der industriellen und der natürlichen Landschaft war für den 39-jährigen Fußmann-Schüler dann aber schnell gefunden: Der "Inselzug" wie Kusch die "faszinierende Lebensader" bisweilen nennt, öffnete ihm quasi auf industriellen Schienen den Zugang zur Insel und ihrer Natur. Nicht von ungefähr ziert daher ein Ölbild des durch die Keitumer Wiesen fahrenden Autozuges den Katalog und die Einladungen für die Ausstellung des "Inselmalers 2011" in der Stadtgalerie.

Zunächst waren es die gelassen im Vordergrund grasenden Kühe, die sein Interesse weckten. Neben dem Autozug, dem Lister Hafen und Gebäuden rückte mit jedem seiner vier Sylt-Aufenthalte die Landschaft mehr ins Blickfeld. Was für Kusch nicht ohne stilistische Auswirkungen blieb: "Der ganz andere Charakter der Insellandschaft hat dazu geführt, dass ich von den sonst sehr kubistischen Formen abgerückt bin." Eine nicht minder große Rolle hat bei seinen Streifzügen über die Insel das Licht gespielt. "Ich bin manchmal selbst verblüfft, wie es sich auf die Stimmung des Bildes überträgt", sagt Kusch, dem es sehr entgegenkam, die Insel mehrmals für drei bis vier Tage zu besuchen, statt wie sein schreibender Kollege in der Sylt-Quelle ein oder zwei längere Aufenthalte zu absolvieren.

So konnte er seine Eindrücke vor Ort als Zeichnungen zu Papier bringen oder "im Kopf abspeichern" und kurz darauf in seinem Berliner Atelier zu Kreidezeichnungen, Lithografien oder auch Ölgemälden verfeinern, ohne sämtliche Malutensilien mit auf die Insel zu nehmen. "Erinnerungsverdichtung" nennt er das. Die Ergebnisse davon sind ab morgen Abend - die Vernissage beginnt um 19 Uhr - in der Stadtgalerie zu sehen.

Das Projekt "Inselmaler" hat dabei nicht nur Karsten Kusch etliche neue Eindrücke und Erfahrungen beschert, sondern auch den Sylter Kunstfreunden. "Für uns war es sehr spannend, dass er vorher noch nie auf der Insel war und sie sich erst erschließen musste. Da das Projekt viel vom privaten Engagement einzelner Kunstfreunde lebt, hat es zu vielen tollen Gesprächen geführt", sagt die Vorsitzende Petra Nies. Stellten die Kunstfreunde sonst zumeist nur den Raum für eine Ausstellung zur Verfügung, sei jetzt etwas Gemeinsames entstanden. Dazu gehört auch der in einer Auflage von 1 000 Stück gedruckte 30-seitige Katalog mit 25 der auf Sylt entstandenen Bilder. Vier Lithografien daraus wurden zudem in einer 100er Auflage gedruckt.

"Eine wirklich lohnende Idee, die wir mit Freuden weiterverfolgen werden", sagt Petra Nies, die im "Inselmaler"-Projekt eine Möglichkeit sieht, die Qualität der Ausstellungen in der Stadtgalerie weiter zu steigern. Auch wenn bislang die finanziellen Möglichkeiten fehlen, ein mehrwöchiges Stipendium auszuschreiben, wird es auch 2012 wieder einen Inselmaler geben. Anfang August hat der "Daily Painter" Stefan Ringeling das Angebot der Kunstfreude angenommen und auch bereits die ersten "Seestücke" gemalt...

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