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Flüchtlinge auf Sylt : Der Druck steigt täglich

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Obergrenze der Asylbewerber, die auf Sylt untergebracht werden können, ist laut Ordnungsamt fast erreicht.

„Wir haben die Obergrenze unserer Kapazitäten fast erreicht“, sagt Gabriele Gotthardt, die Leiterin des Ordnungsamts der Gemeinde Sylt. „Wenn jetzt auf einen Schlag zehn oder 15 neue Asylbewerber kämen, hätten wir echt ein Problem.“ Derzeit leben auf Sylt 78 Personen, die ihre Heimat in Syrien, Somalia, Armenien oder Eritrea wegen dort herrschender Bürgerkriege oder ethnischer Verfolgung verlassen mussten und zum Teil bereits Jahre lang auf der Flucht sind. Maximal 80 Asylbewerber – so viele, wie im ersten Halbjahr 2013 nach ganz Nordfriesland kamen – können aktuell auf der Insel untergebracht werden: im ehemaligen Obdachlosenheim am Sjipwai, der einzigen Liegenschaft in kommunalem Besitz, sowie in angemieteten Privathäusern in Keitum und Tinnum.

Bis Ende 2014 rechnet das Kieler Innenministerium allein für Schleswig-Holstein mit 6 500 Asylbewerbern, ein Anstieg um 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Um für diesen Ansturm auch auf Sylt gewappnet zu sein, würde Gotthardt am liebsten ein geeignetes Gebäude kaufen, oder einen langfristigen Mietvertrag mit mindestens zehn, besser fünfzehn Jahren Laufzeit abschließen. „Wir haben in Gemeindeeigentum ja keine passenden Häuser mehr“, sagt die Ordnungsamtschefin, „und können auch KLM nichts entziehen, was als Dauerwohnraum für Einheimische dringend benötigt wird.“ Das Problem könne also nur gesamtinsular gelöst werden, zum Beispiel mit ungenutzten Liegenschaften wie Kasernenbauten oder dem ehemaligen JAW-Heim in List.

Bisher hat man im Kreis Nordfriesland zwar noch Verständnis für die besondere Inselsituation, doch mit steigendem Druck landesweit ist auch dort vieles schwieriger geworden. Während Flüchtlinge und Asylbewerber früher oft drei Monate in der Gemeinschaftsunterkunft in Niebüll verbracht, dort erste Kontakte geknüpft und ihre Grundausstattungen erhalten hätten, dauert es jetzt nur noch ein bis zwei Wochen, manchmal sogar nur wenige Tage, bevor sie nach Sylt kommen. „Dadurch haben sich die Anforderungen für uns deutlich erhöht“, sagt Beate Lück-Wummel, die für Asylbewerber zuständige Ordnungsamtsmitarbeiterin.

Neben der Abwicklung vieler organisatorischer Belange wie Abholung vom Bahnhof, Einweisung in Unterkünfte und Behördengänge, herrsche vor allem hoher Beratungsbedarf. „Denn die Anreisenden stammen ja aus völlig fremden Kulturkreisen, kommen aus ganz anderen Gesellschafts- und Sozialsystemen“, so Lück-Wummel. Wo der nächste Arzt ist, wie man mit Bus oder Bahn fährt, wo man kostengünstig einkauft, wie die Müllentsorgung funktionieren – das sind nur einige der häufig gestellten Fragen. Bei deren Beanwortung und in vielen Alltagsbelangen helfen auch zahlreiche Bürger, wie zum Beispiel die fünf ehrenamtlichen Mitarbeiter des Obdachlosenprojekts „Menschen für Menschen“, oder Organisationen wie die Sylter Tafel, die Arbeiterwohlfahrt, die Werkstatt 36 oder die Gruppe Sylter Integrationshilfe. Probleme mit den Anwohnern in der Nachbarschaft der Unterkünfte gebe es aktuell kaum: „Bevor die Asylbewerber dort einzogen, gab es mehr besorgte Anfragen oder sogar Beschwerden“, erzählt Gabriele Gotthardt. „Wenn sie aber erstmal da sind, erledigt sich das ganz schnell und verkehrt sich eher ins angenehm-nachbarschaftliche Gegenteil.“

„Insgesamt haben wir auf Sylt eine hohe Willkommenskultur“, betont Gotthardt. „Das gilt auch für Asylbewerber und das soll auch so bleiben.“ Aber angesichts der wachsenden Herausforderungen müsse Vieles neu und besser aufgestellt werden. Fehlende Unterkünfte wären nur ein Problem, es sei ebenso erforderlich, dass sich mehr Mitarbeiter intensiver um die Asylbewerber, um ihre Sorgen, auch ihre Ängste kümmern können. Bis Ende Oktober soll ein umfassender Maßnahmeplan entwickelt und den Ausschüssen vorgestellt werden.

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erstellt am 27.Sep.2014 | 06:10 Uhr

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