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Sylts Geschichte : Der Bunker unterm Bastianplatz

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

70 Jahre lang lag die 25 Meter lange Betonröhre direkt unter dem Sportplatz. Im Vorfeld des geplanten Wohnungsbaus wurde er jetzt freigelegt.

Da tritt ein graues Stück Inselgeschichte zu Tage: Um den Wohnungsbau auf dem Bastianplatz vorzubereiten, wurde der dortige Bunker frei gelegt. Rund 25 Meter lang, vier Meter breit und drei Meter tief ist das Nazi-Bauwerk Typ J aus dem Jahr 1943. Ihn suchten die Anwohner aus der Umgebung des Bastianplatzes auf, wenn während des Krieges Fliegeralarm war.

Dass der Bunker 70 Jahre nach Baubeginn aus nur rund einem Meter Tiefe wieder das Tageslicht erblickt, liegt an den Wohnungsbauplänen, die ab kommendem April auf dem Sportplatz umgesetzt werden sollen: „Der Bunker ist auf Plänen verzeichnet, aber die sind ja bekanntlich geduldig“, erklärt Rudi Stiewe vom Kommunalen Liegenschaftsmanagement. „Um zu sehen, ob der Bunker den Fundamenten der geplanten Häuser in die Quere kommt, haben wir ihn frei gelegt.“ Ergebnis: Die ersten Meter auf südlicher Seite des massiven Betonklotzes müssen per Presslufthammer oder Bagger abgebrochen werden. Auf den Resten werden in gut zwei Jahren wohl Rosen, Rasen oder Rhododendren wachsen, denn über ihnen sollen Vorgärten der zukünftigen Bastianplatz-Bewohner liegen.

Auch wenn der Bunker jahrzehntelang unterm Grand lag: Einige Sylter können sich noch erinnern, wie sie auf den Holzbänken im Inneren während der letzten Kriegsjahre den Fliegeralarm aussitzen mussten. Eine Anwohnerin, Jahrgang 1928, erzählt, dass sie damals kaum Angst hatte, wenn sie mit ihren Eltern in den Bunker musste: „Wir waren doch Kinder, wir fanden das eher aufregend.“ Gelegentlich habe man den Alarm auch ignoriert und vor dem Haus gestanden und beobachtet, wie die von der Insel aus mit Scheinwerfern angestrahlten Flugzeuge über die Sylt Richtung Festland flogen. „Wenn von Boden aus versucht wurde, sie mit der Flak abzuschießen, haben wir am nächsten Tag auf dem Bastianplatz immer nach den Splittern gesucht, erinnert sie sich. Angst, sagt sie, kenne sie vor allem aus der Nachkriegszeit – „da ging es uns auf Sylt ja schlechter.“

Anwohner wie sie sind übrigens nicht die einzigen, die die Beton-Röhre und die anderen Bunker nicht vergessen haben: Auch während des Kalten Krieges wurde die Lage der schleswig-holsteinischen Bunker noch einmal genau dokumentiert, um im Falle eines Falles gerüstet zu sein.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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