Der besondere Blick des Fotografen

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Jan Stradtmann ist der Inselkünstler 2019 der Sylter Kunstfreunde / Vom 2. bis 15. Juli werden seine Bilder in der Stadtgalerie „Alte Post“ ausgestellt

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24. Mai 2019, 15:40 Uhr

Westerland | Alljährlich bestimmen die Sylter Kunstfreunde einen Inselkünstler, der mit der Unvoreingenommenheit eines Außenstehenden, eines Sylt-Fremden, seine individuellen Eindrücke von der Insel künstlerisch verarbeitet. In diesem Jahr hat der Vereins-Vorstand Jan Stradtmann zu eben jenem Inselkünstler ernannt und damit einen Fotografen, der durch seine Bilder auf seine ganz spezielle Art und Weise mit dem Betrachter kommuniziert. „Klassische“ Sylt-Bilder sollte man dabei aber nicht erwarten.


Streifzüge über die Insel

In den vergangenen Wochen reiste der in Sachsen lebende Fotograf regelmäßig auf die Insel, immer auf der Suche nach Motiven. Bei seinen Streifzügen ist unter anderem eine größere Auswahl an Polaroid Material entstanden. Diese Serie mit dem Titel „Sylt - The Polaroids“ wird ein Bestandteil der Ausstellung sein. „Inhaltlich ist diese Arbeit an die Sprache der Neuen Sachlichkeit angelehnt“, sagt der Fotograf. Inspiriert durch Arbeiten von Alfred Ehrhardt und Aenne Biermann beschäftige er sich mit Artefakten, die er auf der Insel gefunden habe, „oder ich bilde Eindrücke ab, die mir während diverser Spaziergänge aufgefallen sind.“

Die Motive sind mit dem in den 80er Jahren beliebten Kamerasystem fotografiert, der Polaroid Kamera. Diese Kamera, speziell die für die bekannten quadratischen Filme ausgelegten Modelle, war auch unter Urlaubsreisenden seit Ende der 1970er Jahre die bevorzugte Kamera. „Aktuell erfreut sich die Sofortbildfotografie erneuter Beliebtheit, steht doch die Einzigartigkeit und der Objektcharakter des Polaroidmaterials im Kontrast zur digitalen, schnell zu distributierenden Fotografie“, sagt Stradtmann. „Sylt - The Polaroids“ wird in der Ausstellung großformatig auf Hahnemühle Fine Art Papieren präsentiert.

Andere Fotografien, die Teil der Ausstellung sein werden, sind aus der Serie „Sylt - Mystify“. Das Bild oben auf dieser Seite ist als Diptychon angelegt. Beide Bilder bauen ein Spannungsfeld zwischen inszenierten und vorgefundenen Abbildungen von Natur- und Landschaftsaufnahmen auf, sagt der Fotograf über seine Arbeit. „In dieser Serie gehe ich der Frage nach einem verklärten Bild im Sinne eines ‚Image‘ nach. Als beliebte Feriendestination hat sich Sylt sein ganz eigenes Image geschaffen. Dies zu überprüfen und dabei mit eigenen Vorstellungen abzugleichen, erlaubt mir die Einladung der Sylter Kunstfreunde als Inselkünstler auf Sylt zu arbeiten.“

Sylt war für den Fotografen – bis zu seinem ersten Besuch als Inselkünstler vor einigen Wochen – Neuland. Dennoch hatte er ein bestimmtes Bild im Kopf: Seine Tante aus West-Berlin war in den 80er Jahren sehr viel auf Sylt. Ihre Erzählungen fand er faszinierend. „Sie hat auch Postkarten vom Autozug geschickt, das war für mich natürlich eine hochspannende Welt“, erinnert er sich. Und er weiß auch noch genau, dass er sich fragte, ob die politische Situation es jemals zulassen würde, einmal dort hinzufahren.

Als die Mauer fiel zog es ihn aber erstmal in die Welt hinaus, er bereiste unter anderem Australien und Neuseeland. Zurück in Deutschland studierte er an der Fachhochschule Potsdam Kommunikationsdesign und machte im Anschluss den Master in Fotografie an der University of Westminster in London.


Sylt ist eine Herausforderung

Die Vorstellung, als Inselkünstler nach Sylt zu kommen, gefiel dem 43-Jährigen sofort. „Es gibt hier wenig Reibungspunkte“, sagt er. Für einen Fotografen sei es einfacher dorthin zu gehen, wo die Dinge scheinbar „nicht im Lot“ sind. Dort habe man „etwas angreifbares“. Auf Sylt, der Insel mit dieser „reivollen, dominierenden Landschaft“ dagegen fühle er sich besonders herausgefordert, sich auf die Suche nach Motiven zu machen.

Es sind Orte wie die Sylter Wälder, die sein Interesse geweckt haben und durch die er bei seinen jüngsten Aufenthalten mit der Kamera streifte. Aber auch die Architektur hat sein Interesse geweckt, genauso wie die Bild-Ästhetik aus den 50er und 60er Jahren, „die Art der Ästhetik, mit der Sylt damals auch ein Stück weit bekannt geworden ist“. Auch bei seinen kommenden Aufenthalten will er schauen, was er davon tatsächlich wiederfinden kann um es in der Ausstellung ab dem 2. Juli den Besuchern zu präsentieren.


Jan Stradtmann zeigt seine Bilder vom 2. bis 15. Juli in der Stadtgalerie „Alte Post“ in Westerland. Die Eröffnung ist am Dienstag, 2. Juli, um 19 Uhr.

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