FKK-Strand : Der Aufstand der Nackten

FKK-Baden gehört seit über 80 Jahren zu Sylt. Doch mittlerweile weichen die einst festen Grenzen zwischen Textil- und Nacktbadestränden immer weiter auf. Bei vielen Freunden der Freikörperkultur in Wenningstedt und Kampen sorgt das für Aufruhr.

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12. August 2009, 10:31 Uhr

Wenningstedt/Kampen | An den Anblick angezogener Menschen, die den Wenningstedter FKK-Strand durchwandern, hat sich Eva Müller-Michaelis längst gewöhnt. Auch wenn sich die 66-Jährige noch gut an den Sommer 1961, ihren ersten an diesem Strandabschnitt, erinnern kann: "Da wurden diese Leute festgehalten und es hieß, Hose runter oder weiter."

Heute beobachten die FKK-Liebhaberin und ihre Nachbarn im Nacktbadebereich eine "Durchmischung" von Angezogenen und Nackten, die sie nicht weiter zu tolerieren gewillt sind. "Bis vor ein paar Jahren umfasste unser Strand noch drei Buhnenabschnitte, heute sind es höchstens anderthalb", moniert Müller-Michaelis, die jüngst einen Beschwerdebrief an Wenning stedts Tourismusdirektorin Eva Martini verfasste, den 60 weitere FKKler unterschrieben.
"Keine Exhibitionisten"

"Uns stören die absoluten FKK-Gegner", betont Müller-Michaelis. "Die Anhänger der Freikörperkultur sind keine Exhibitionisten, sie wollen nicht angestarrt werden und abfällige Bemerkungen über ihre Figur hören, sondern einfach nur das Wasser und die Sonne genießen." Vor zwei Jahren sei eine Schulklasse am FKK-Bereich entlang gelaufen, deren Lehrerin sich anschließend bei den Rettungsschwimmern sogar über die Nackten beschwert habe.

Überhaupt, die Rettungsschwimmer: Hans Kliesch (59), der mit seiner Frau seit 35 Jahren an den FKK-Strand in Wenningstedt kommt, bemängelt: "Wenn wir FKKler sicher baden wollen, müssen wir in den von Rettungsschwimmern bewachten Bereich am Textilstrand. Man hat uns abgedrängt", sagt er.
"Wir kommen uns vor wie Aussätzige"

Am FKK-Strand gibt es oft Diskussionen zwischen Nackten und Angezogenen. Von "der andere Strandabschnitt ist zu weit weg", bis zu "wir wollen nah am Wonnemeyer-Spielplatz sein", höre sie viele Ausreden, erzählt Müller-Michaelis. Und Sabine Diettrich (56), deren Vater (87), Stiefsohn (22) und Enkel (2) mittlerweile im Vier-Generationen-Prinzip am FKK-Strand in Wenningstedt urlauben, hört fast täglich "freche Antworten". "Wir kommen uns hier schon vor wie Aussätzige", ergänzt Karin Liebthal (70) aus Berlin.

Die Vorwürfe der FKK-Liebhaber, er hätte sich mit seinem Strandlokal "Wonnemeyer" in den letzten Jahren breit gemacht und den FKK-Strand abgedrängt, mochte Inhaber Rüdiger Meyer gestern nicht kommentieren. "Die Zeiten ändern sich halt", er sehe es sportlich. "Man sollte die Durchmischung am Strand so lassen, das hat sich so ergeben."
Zehn neue FKK-Schilder in Kampen

Die Sorgen der FKKler einfach abtun will man beim Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup allerdings nicht. "Wir werden weitere Schilder aufstellen, um den Nacktbadebereich noch deutlicher abzugrenzen", sagt Eva Martini. Zudem wolle man über eine Befragung der Badegäste herausbekommen, ob man eventuell die Anzahl der Strandkörbe aufstocken oder deren Verteilung neu strukturieren kann.

In Kampen - auch dort beschwerten sich kürzlich Nacktbadegäste über Intoleranz gegenüber FKKlern - hat man bereits reagiert. Zehn neue FKK-Schilder sind am Strand aufgestellt worden und in der nächsten Ausgabe des Urlaubsmagazins "Pro Kampen" wirbt der Tourismus-Service für mehr Respekt gegenüber FKK-Anhängern. Dass deren Badekultur schützenswert ist, wird Eva Müller-Michaelis nicht müde zu betonen und erzählt von den Vorteilen. "Wenn ich die jungen Männer heute so sehe, wie sie ihre langen Shorts in den Wellen festhalten, die könnten es einfacher haben."

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