Zur Reha auf Sylt : „Der Anruf war ein großer Schock!“

Stefanie Krenmayer und ihr Sylter Arzt Dr. Peter Fleimisch.
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Stefanie Krenmayer und ihr Sylter Arzt Dr. Peter Fleimisch.

Die Österreicherin Stefanie Krenmayer (23) leidet an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose / Nach einer Lungentransplantation erholt sie sich auf Sylt

shz.de von
29. August 2018, 18:30 Uhr

Stefanie Krenmayer hat ein Buch geschrieben und die junge Autorin hofft: „Vielleicht bringt dieses Buch manche Menschen dazu, das Leben ein bisschen mehr zu schätzen.“ Den Stoff für ihre Geschichte schrieb nämlich das Leben.

Ihr allererstes Weihnachten verbrachte Stefanie Krenmayer auf der Intensivstation eines Krankenhauses in ihrer Heimat Österreich. Direkt nach der Geburt stellten die Ärzte einen Darmverschluss fest, bald folgte die Diagnose Mukoviszidose (Cystische Fibrose, kurz CF). „Das ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung“, erklärt Dr. Peter Fleimisch, Chefarzt pneumologische Rehabilitation in der Asklepios Nordseeklinik Westerland. „Der Körper produziert zähflüssigen Schleim und verursacht somit große Probleme bei den Körpersekreten. Die zähflüssige Körperflüssigkeit verstopft vor allem den Verdauungstrakt, Bronchien und Lunge, oft sind aufgrund der gestörten Stoffwechsellage noch weitere Organe betroffen, zum Beispiel die Leber oder die Bauchspeicheldrüse. Viele CF-Patienten sind daher auch Diabetiker.“

„Im Krankenhaus bei uns Zuhause war ich quasi Stammgast“, erklärt Stefanie. „Und natürlich muss ich konstant Therapien machen, vor allem Inhalationen, Sport und Atemphysiotherapie. Als Jugendliche hab ich morgens vor dem Unterricht Sport getrieben, um nicht zu ersticken, zum Beispiel war ich Trampolin hüpfen. Der Schleim wird dabei gelockert und kann besser abgehustet werden.“

Neben Sport gibt es ein weiteres beherrschendes Thema: das Gewicht. „Der Körper eines Mukoviszidose-Patienten verbraucht vermehrt Kalorien, weil er große Leistungen für Atmung und Entzündungsbekämpfung erbringen muss“, erklärt Fleimisch. „Der Schleim in der Lunge bietet nämlich einen guten Nährboden für Keime.“

Mit immenser Disziplin und großer Unterstützung durch ihre Familie ging Stefanie ihren Weg, machte den Schulabschluss und begann ihr Studium zur Sonderschulpädagogin. Im dritten Semester ging es plötzlich rasant bergab. „Ich bekam eine schwere Lungenentzündung und danach spielten noch weitere Organe verrückt. Ein Sauerstoffgerät wurde zu meinem stetigen Begleiter und die Frage stand im Raum: Werde ich meinen 22. Geburtstag noch erleben?“

Sie wurde für eine Doppel-Lungen-Transplantation gelistet, musste zu jeder Zeit erreichbar sein, durfte Österreich nicht verlassen. Dann kam der Anruf, man habe ein potenzielles Spenderorgan. Ob sie bereit sei, „die Rettung“ würde sie in 20 Minuten abholen. „Das war ein unbeschreiblicher Moment, ein richtiger Schock, obwohl es doch meine große Chance bedeutete“, erinnert sich die 23-jährige bewegt.

Die ersten Wochen nach der Transplantation wurden erneut zu einer großen Herausforderung für alle Beteiligten, doch die größte Kämpferin war die Patientin selbst. Acht Wochen später war sie wieder zu Hause, ein Jahr darauf suchte sie nach einer geeigneten Reha-Einrichtung. „Das war in Österreich nicht so einfach, einige Einrichtungen sind auf Transplantierte spezialisiert, andere auf Mukoviszidose- Patienten. Ich brachte aber beides mit. So war ich glücklich, als die positive Antwort von Sylt kam. In der Nordseeklinik kannten sie mich von meiner ersten Reha im Jahre 2015 und waren bereit, mich auch nach der Transplantation wieder aufzunehmen. In Dr. Fleimisch habe ich hier einen Arzt, der sich mit beiden Krankheitsbildern gut auskennt, und das Klima tut mir natürlich auch sehr gut.“

Während ihrer ersten Rehamaßnahme lernte sie eine weitere junge Patientin kennen: Isabel Busse aus Hannover. Es folgten private Besuche in Österreich und in Deutschland und zeitgleiche Rehakuren auf Sylt, auch in diesem Jahr wieder. Die beiden humorvollen und kämpferischen Damen haben die therapiefreie Zeit miteinander verbracht. „Ein bisschen Freizeit hatten wir ja, ansonsten musste ich hier den ganzen Tag Sport machen. Ich hab’ Muskelkater an Stellen bekommen, die ich vorher nicht kannte“, betont Stefanie lachend. „Mein Gesundheitszustand hat sich auf Sylt nochmal so sehr verbessert, dass es mich selbst erstaunt.“

Vor einigen Wochen hat sie bei den „Europäischen Spielen der Herz- und Lungentransplantierten“ in Italien teilgenommen. In der Disziplin Tischtennis errang sie im Einzel und im Doppel den ersten Platz. Sie ist eben eine Kämpferin, mal ernst, mal lustig und immer sehr lebensfroh. Im Frühjahr hat sie ihre Ausbildung zur Sonderschulpädagogin abgeschlossen und freut sich darauf, Menschen zu unterrichten, „die ein wenig anders sind, so wie ich.“

Stefanies Leben weicht in vielerlei Hinsicht vom Leben eines gesunden Menschen ab, doch gerade deshalb weiß sie es so sehr zu schätzen. Niemals würde sie ihre Therapien oder die pünktliche Einnahme ihrer Medikamente vergessen. Und niemals wird sie ihre Dankbarkeit verlieren. Vor allem einem Menschen gegenüber. Ihr Buch schließt mit den Worten: „Mein allergrößter Dank gilt natürlich meinem Spender, ohne den ich heute bestimmt nicht hier sitzen und diese Zeilen verfassen könnte.“

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