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Sylter Rundschau

17. Dezember 2017 | 15:07 Uhr

"Der abgefahrenste Adelstitel"

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Als ich in meinen ersten Monaten auf der Insel regelmäßig mit Frau von Reußner angesprochen wurde, sah ich all meine Sylt-Klischees erfüllt: Ha, die glauben sogar, man kann hier nur Lokalredakteurin werden, wenn man eine Von und Zu ist. Irgendwann erklärte mir dann jemand, dass es auf Sylt eine offensichtlich recht bekannte Familie gibt, die meinen Namen mit s statt ß und einem Von vorneweg trägt - und mit denen ich weder verwandt noch verschwägert bin. Dass ich dieser Familie irrtümlich zugeordnet wurde, hat mir, so mein Eindruck, in den meisten Gesprächen mit neuen Bekannten eher zum Vorteil gereichte. Und den wollte ich nicht missen. Meine Mutter reagierte allerdings etwas pikiert auf meine Idee, mich von den uns bislang völlig unbekannten Fast-Namens-Vettern adoptieren zu lassen. Und die Internet-Recherche auf der Seite www.adelstitel-kaufen.com (gibt es wirklich!) zeigte, dass mich dieser Schritt wahrscheinlich um die 20 000 Euro kosten würde. Außerdem sind derartige Fake-Adoptionen verboten. Wesentlich billiger ist es, sich einfach einen Adelstitel zu kaufen: Für 39,98 Euro wäre ich Pfalzgräfin von Burgund oder Lady of Cork. Da ich damit auf Sylt höchstwahrscheinlich eher Hohn und Spott ernte, als dass es mir beruflich weiterhelfen würde, habe ich vom Kauf Abstand genommen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch betonen, dass ich es eigentlich ganz gut finde, dass der Adel in Deutschland seit der Weimarer Verfassung als privilegierte gesellschaftliche Gruppe abgeschafft ist. Allerdings habe ich auf der Seite etwas Großartiges entdeckt - oder, wie es dort heißt: "einen der abgefahrensten Adelstitel, den Sie auf der Erde bekommen können". Atlantic Sealady. Für knapp 40 Euro erwirbt der Käufer - angeblich - ein Tiefsee-Grundstück und den Lady, beziehungsweise Lord-Titel. Ausgemachter Unsinn, das gibt die Webseite in ihrem Kleingedruckten selbst zu - aber lustiger Unsinn. Für mich egal - seit vergangenem Wochenende habe ich die Namens-Frage für mich entschieden: Auf einer Party in Hamburg stellte mich eine Freundin den anderen Gästen vor: "Das ist Friederike von Sylt." "Krass - heißt Du so?." Hmm. "Ja! Schöner Name, oder?"

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