Heimatmuseum : "Denken Sie immer auch insular"

 Die Flensburgerin Dörte Ahrens soll ab dem Sommer das Heimatmuseum leiten. Foto: Winkler-Marxen
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Die Flensburgerin Dörte Ahrens soll ab dem Sommer das Heimatmuseum leiten. Foto: Winkler-Marxen

Biike-Empfang: Sölring Foriining formuliert ihre Erwartungen an die Sylter Politik. Die neue Museumsleiterin kommt im Sommer.

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26. Februar 2013, 07:55 Uhr

Keitum | "Unsere größte Identität und unser höchstes Gut ist unsere Sprache. Wer sich uns verbunden fühlt, sollte uns gerne in dieser Sprache begrüßen können und die Hälfte von dem verstehen, was wir sagen." In ihrer friesischen Begrüßungsrede beim Biike-Empfang der Söl’ring Foriining ging Maike Ossenbrüggen auch auf die in der Sylter Rundschau erhobene Forderung der Vorsitzenden des Nordfriesischen Instituts ein, friesische Reden vor einem nicht ausschließlich friesisch-sprachigen Publikum auch ins Hochdeutsche zu übersetzen. Zur Freude der Nicht-Friesen unter den etwa 70 im Heimatmuseum erschienenen Mitgliedern und Freunden des Heimatvereins folgte Ossenbrüggen dann aber doch der Anregung von Inken Völpel-Krohn und gab auf Hochdeutsch eine Zusammenfassung ihrer Begrüßung.
Im Mittelpunkt des "Piddersdai Ting" am Sonntag stand wie in den Vorjahren eine Positionsbestimmung durch den stellvertretenden Vorsitzenden Claas-Erik Johannsen. Als überparteilicher Verein mit 2700 Mitgliedern stehe es der Söl’ring Foriining drei Monate vor der Kommunalwahl durchaus zu, politische Forderungen zu formulieren. Auch wenn neben der hauptamtlichen Bürgermeisterin Petra Reiber lediglich eine knappe Handvoll politischer Mandatsträger erschienen war, richtete Johannsen seine Erwartungen an alle Parteien in allen fünf Inselgemeinden.
Deren Ziel sollte es sein, die dringenden Sylter Probleme - vom Ausverkauf Sylter Flächen über wirtschaftliche Fremdbestimmung bis hin zu bezahlbarem Wohnraum zügig und professionell abzuarbeiten. Dabei gelte es, die Sylter Identität zu stärken, womit die Gruppenidentität der Sylter in Form ihrer Geschichte, Sprachen, Traditionen und Landschaften gemeint sei und nicht individuelle Identitäten. Die Rolle des Vereins sei es, dafür zu sorgen, dass diese Identität als Summe des Wissens aller Sylter "so hoch wie nur möglich und allen Beteiligten bewusst ist". Johannsen forderte die Vereinsmitglieder auf, am 26. Mai auf jeden Fall wählen zu gehen und appellierte an die Politiker: "Denken Sie immer auch insular, denn alle Entscheidungen in Ihren Gemeindegremien haben Einfluss auf die gesamte Sylter Entwicklung." Vier Jahre nach der ersten Sylter Teilfusion dürfe dabei "auch gerne über neue Gemeindegrenzen nachgedacht werden".
Als Beispiel für das vom Verein als Leitbild formulierte Sylter Bewusstsein bezog sich Johannsen auf die vom Heimatverein unterstützten Pläne für ein Sylter Kunstmuseum mit kulturgeschichtlichem Teil. Die auf einer Privatinitiative basierende aktuelle Ausstellung über Jens Emil Mungard in der Stadtgalerie zeige nachdrücklich, wie wichtig der kulturgeschichtliche Aspekt der Kunst sei.
Um künftig auch die Arbeit des eigenen Heimatmuseums weiter zu professionalisieren, haben sich Vorstand und Geschäftsführung entschieden, eine extra Leiterin für das Heimatmuseum einzustellen. Die Wahl fiel dabei auf die Flensburger Kunstwissenschaftlerin Dörte Ahrens, die zuletzt als Elternzeit-Vertretung die Stadtgalerie Brunsbüttel geführt hat, und ab Sommer mit einer Dreiviertelstelle das Keitumer Museum leiten soll. Die Zustimmung der Mitgliederversammlung am 12. April vorausgesetzt, will der Verein die bislang von der verstorbenen Anna Lassen bewohnte Wohnung im Obergeschoss des Museums umbauen und der neuen Leiterin zur Verfügung stellen. "Sie wird etwa drei bis vier Tage pro Woche auf der Insel sein und uns helfen, den nächsten Qualitätsschritt zu machen und noch besser zu werden", betonte Johannsen. Die zusätzlichen Personalkosten könne die Söl’ring Foriining aus den laufenden Einnahmen finanzieren.

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