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Erster Weltkrieg auf Sylt : Den Feind bekamen sie auf Sylt nie zu Gesicht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie haben die Sylter den Ausbruch des ersten Weltkriegs erlebt? Zeitzeugen berichten über Soldaten im Schützengraben und flüchtende Badegäste.

Der 1. August 1914 ist ein herrlicher, sonniger Urlaubstag. Unzählige Badegäste bevölkern die Strände, als es am späten Nachmittag mit der Sommerfrische jäh vorbei ist. Wie ein Lauffeuer spricht es sich auf Sylt herum: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hat den Befehl zur Mobilmachung gegeben. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs steht unmittelbar bevor.

„Fluchtartig“, notierte ein Zeitzeuge, „verließen die Badegäste die Insel, alle wollten so schnell wie möglich das Festland erreichen. Die Kleinbahn und die Dampfer nach Hoyerschleuse konnten den Verkehr kaum bewältigen, Fischer- und Segelboote mussten aushelfen. Die Züge, die Hamburg zueilten, kreuzten sich schon mit den ersten Truppentransporten.“

 


Sylt wird zum Sperrgebiet


 

In Westerland vernageln Geschäftsleute ihre Läden, auch sie wurden einberufen. Vier Tage später erklärt der Inselkommandant Sylt zum Sperrgebiet – nur Einheimische und Soldaten dürfen sich jetzt noch auf der Insel aufhalten. Zwischen den Dünen werden Schützengräben ausgehoben, auf besonders hohen Dünenkuppen Maschinengewehr-Stellungen gebaut. In Kampen verlischt das Feuer des Leuchtturms, um dem Feind eine nächtliche Annäherung zu erschweren.

Die großen Hotels in Westerland werden zu Kasernen umfunktioniert, ein Genesungsheim wird zum Feldlazarett, eine große Heidefläche bei Wenningstedt zum Exerzierplatz. „Entlang der Strände begann ein eifriger Patrouillendienst bei Tag und bei Nacht“, schilderte ein Soldat.

 


Soldaten bergen Strandgut


 

Allein: Die befürchtete Landung gegnerischer Truppen blieb während der vier Kriegsjahre aus. Glücklich getroffen hatten es somit jene 5 000 Soldaten, die auf Sylt stationiert waren: Den Feind bekamen sie nie zu Gesicht. So schoben die Männer einen recht bequemen Dienst und kümmerten sich statt ums Kriegsgeschehen mehr um das Bergen von Strandgut und das Sammeln von Möweneiern. Gern lauschten sie auch den Konzerten der Landsturmkapelle aus Lübeck, die regelmäßig aufspielte.

 


17 Tote am Sylter Strand angespült


 

Andere hatten weniger Glück. Der Erste Weltkrieg war noch keinen Monat alt, da wurden auf dem Westerländer Friedhof bereits die ersten Gefallenen begraben: Am 28. August 1914 waren die beiden Kreuzer „Mainz“ und „Köln“ in der Nordsee von englischen Kriegsschiffen versenkt worden. Zwei Tage später trieben 17 Tote am Sylter Strand an und wurden in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.

Am 1. Mai 1916 kommt es zu einer weiteren Tragödie vor Sylt, als das deutsche Torpedoboot „S 123“ bei einer Patrouillenfahrt in die eigene deutsche Minensperre gerät und sinkt. Von den 59 Mann Besatzung können nur 32 gerettet werden.

Auch mit der „Königin Luise“ nahm es ein unrühmliches Ende. Wenige Monate erst war sie im Dienste der Hamburger Hapag-Reederei als Seebäderschiff zwischen Hamburg und Hörnum unterwegs. Am 1. August 1914 endete die Fahrt vor Helgoland unvermittelt. Alle Passagiere wurden ausgebootet, das Schiff dampfte nach Wilhelmshaven. Dort wurde es in aller Eile zu einem Minenleger umgerüstet, der am 4. August auslief. Nur einen Tag später wurde die „Königin Luise“ von britischen Kriegsschiffen gestellt und versenkt. Von der 120 Männern an Bord überlebten gerade einmal 18.

Auch die Sylter selbst mussten während der vier Kriegsjahre manches Leid ertragen: 160 an der Front gefallene Söhne, Väter, Ehemänner lautete die traurige Bilanz zu Kriegsende.

 


Matrosenaufstand leitet Ende des Krieges ein


 

Am 5. November 1918 leitet der „Matrosenaufstand“ in Kiel das Ende des Ersten Weltkriegs ein. Am 9. November 1918 hissen dann in List die ersten Soldaten die rote Fahne. Auch für Sylt ist der Krieg nun endgültig vorbei.


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