Der Fall „Wonnemeyer“ : Dehoga Sylt schaltet sich ein: „Man kann oft nur verzweifeln“

Claas-Erik Johannsen, Sylter Dehoga-Chef und Inhaber des Keitumer Hotels „Benen-Diken-Hof“
Claas-Erik Johannsen, Sylter Dehoga-Chef und Inhaber des Keitumer Hotels „Benen-Diken-Hof“

Zum Streit um „Wonnemeyer“ und die Auswirkungen über die Insel hinaus äußert sich der Sylter Dehoga-Chef Claas-Erik Johannsen.

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05. Januar 2018, 17:50 Uhr

Im Interview mit der Sylter Rundschau äußert sich Claas-Erik Johannsen, 1. Vorsitzender des Bezirks Sylt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), zum Streit über das Strandrestaurant „Wonnemeyer“ und dessen Folgen für das Image der Insel Sylt.

Herr Johannsen, hätte sich der Dehoga Sylt als einflussreicher Verband in die Auseinandersetzungen zwischen Pächtern und Tourismus-Service einbringen sollen, ja müssen?

Rüdiger Meyer als Dehoga-Mitglied hatte mich bereits vor Monaten in meiner Funktion als Vorsitzender hinsichtlich der Verhandlungen mit dem TSWB kontaktiert. Wir haben uns mehrfach über diesen Punkt ausgetauscht, schließlich ist das Pachtverhältnis aufgrund vieler Details sehr komplex. Letztendlich habe ich auf Wunsch von Rüdiger Meyer Mitte Oktober an einem Gespräch zwischen ihm und Bürgermeisterin Fifeik und ihrem Stellvertreter Gerhard Hausen teilgenommen. Nach dem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass sich die Partner im Sinne einer Pachtverlängerung einigen könnten, was ja auch bis zum 21.12. Bestand hatte.

In diese letzte Entscheidung, die nun zur Schließung des Restaurants geführt hat, bin ich nicht eingebunden gewesen. Diese Entscheidung respektiere ich aber, weil ich über einige Hintergrundinformationen vertraulicher Art verfüge. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich die unternehmerische Leistung der Familie Meyer hoch achte, mich dem Restaurant, seinen Mitarbeitern und der Familie freundschaftlich verbunden fühle. Auch die Entwicklung, dass Tochter Carla mit Schwiegersohn Boris in die Firma eingestiegen ist und man ein zweites Standbein mit „Wonnemeyer in der Weststrandhalle“ in List geschaffen hat, sind eigentlich gute Schritte in eine positive Zukunft. Die Schließung von Wonnemeyer in Wenningstedt passt leider nicht in diese Entwicklung.

Andererseits ist die kurzfristige Aufkündigung der Einigung seitens Rüdiger Meyer für den TSWB sehr unglücklich, sogar ärgerlich. Mit Henning Sieverts, dem Geschäftsführer des TSWB, pflege ich ebenfalls einen sehr guten Kontakt, sitzen wir doch gemeinsam im Strategiekreis der SMG. Unsere Zusammenarbeit würde ich als freundschaftlich, konstruktiv und vertrauensvoll bezeichnen. Auch mit ihm habe ich mich in den letzten Monaten einige Male über das Thema Wonnemeyer-Pachtvertrag ausgetauscht. Und ich muss zugeben, dass ich sowohl die Positionen der Gemeinde als auch des TSWB nachvollziehen kann – insbesondere den Punkt, dass es keine weiteren Verhandlungen mit Rüdiger Meyer mehr geben wird.

Betreiber von Hotels oder Restaurants auf Sylt haben oft auch Probleme mit der Politik. Wie bei Nielsen’s Kaffeegarten, wo der Betreiber jahrelang aufs Neue geänderte Pläne vorlegen musste, bis sein Umbauvorhaben genehmigt wurde. Oder beim Streit um Fisch-Fiete, der zu keiner Einigung führte, sodass sich der Betreiber gezwungen sah, sein Restaurant zu schließen. Was kann, was muss da in der Kommunikation und im Verfahren verbessert werden?

Probleme haben Hoteliers und Gastronomen nicht nur mit der Politik, sondern oftmals auch mit den Verwaltungen der Gemeinde. Viele unserer Kollegen, nicht nur Rüdiger Meyer, können davon ein Lied singen. Andererseits haben Politik und Verwaltung auch Probleme mit mir und meinen Kollegen, sei es bau-, kontroll- oder lärmtechnischer Art. Unsere Aktivitäten sind eben vielfältig, oft muss kurzfristig zum Wohle der Gäste und der Unternehmen agiert werden.

Hier ist aber nicht der Platz, um über diesen Kontrollwahn in Deutschland zu jammern. Hier sollten vielmehr gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, sei es auf lokaler und überregionaler Ebene. Der Dehoga Sylt pflegt auf jeden Fall seine guten Kontakte zur Sylter Verwaltung, insbesondere mit dem Ordnungsamt und dem Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Mit den Kontakten zu den Sylter Kommunalpolitikern steht es dahingegen nicht so gut.

In Ihrer Frage haben Sie auch zwei Keitumer Projekte angesprochen. Als Hotelier, Barkeeper und Keitumer muss ich jeden Tag auf diesbezügliche Gästefragen antworten, zehn Jahre habe ich auf Thermen-Ruinen-Fragen geantwortet, jetzt geht es vor allem um „Fisch-Fiete“ und aktuell auch um „Wonnemeyer“. Diese zwei Betriebe stehen für das traditionelle Sylt, beide haben über mehrere Jahrzehnte hervorragende Leistungen gebracht und haben damit das positive Sylter Image geprägt.

Beide Betriebe sind inhabergeführt, beide Inhaberfamilien leben auf Sylt, beide Betriebe mussten oder müssen sich neu aufstellen, beide Familien haben unschöne Erfahrungen mit der hiesigen Kommunalpolitik machen müssen. Die Resultate sind bekannt. Wenn man die Größenordnung der geplanten Baumaßnahme bei „Fisch-Fiete“ betrachtet und das Verhalten der Keitumer Kommunalpolitik dazu sieht, kann man als Unternehmer im Hotel- und Gaststättengewerbe auf Sylt nur verzweifeln. Ich habe oftmals die Befürchtung, dass die ortsansässigen Unternehmer benachteiligt, auswärtige Unternehmer oder Investoren dahingegen bejubelt werden.

Der „Fall Wonnemeyer“ hat deutschlandweit in Medien und sozialen Netzwerken hohe Wellen geschlagen, überwiegend für Unverständnis und Empörung gesorgt. In wie weit schaden solche Auseinandersetzungen dem Ruf der Insel, dem Image von Sylt als touristische Destination?


Ein solch öffentlich ausgetragender Streit schadet dem Ansehen und dem Image unserer Insel und somit auch den insularen Leistungsträgern. Rüdiger Meyer hat uns damit leider keinen Dienst erwiesen. Sehr schade. Es sollten eher unsere Stärken herausgestellt werden.

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