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Sylter Rundschau

24. Oktober 2017 | 08:45 Uhr

Dehoga Sylt: Die Rückkehr der Routiniers

vom

Stephan Beck und Claas-Erik Johannsen: Das neue Führungsduo des Hotel- und Gaststättenverbandes Sylt spricht im Interview über Probleme und Chancen des Verbands

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:59 Uhr

SYLT | Der Bezirksverband Sylt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) wird seit kurzem unter neuer Regie geführt. Mit Stephan Beck und seinem Stellvertreter Claas-Erik Johannsen stehen dabei zwei ehemalige Vorsitzende des Bezirksverbands Sylt erneut an der Spitze der Interessenvertretung für die derzeit 156 Mitgliedsbetriebe. Wie sich die Zukunft des Dehoga Sylt gestalten wird, darüber sprach unser Mitarbeiter Frank Deppe mit den beiden ehrenamtlichen Funktionären.

Herr Beck, Herr Johannsen, hat Ihr Verband gegenwärtig den gewünschten Status auf Sylt?

Stephan Beck: Nein, er hat nicht den Status, der ihm als größte wirtschaftliche Kraft auf der Insel eigentlich zukommen sollte.

Claas-Erik Johannsen: Die sehr erfolgreichen Ergebnisse der Auszubildenden sind immer noch eine feste Größe, aber hinsichtlich des politischen Einflusses ist das gewünschte Standing sicherlich nicht vorhanden.

Sollte sich der Dehoga also gerade in politische Entscheidungen auf der Insel künftig stärker einmischen?

Johannsen: Einmischen würde ich es nicht nennen. Aber selbstverständlich stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn es denn gewünscht ist. Das beträfe insbesondere wirtschaftliche und touristische Fragen.

Beck: Wenn allerdings Dinge hinter verschlossenen Türen passieren und wir nicht gefragt werden, dann können wir natürlich auch nicht agieren. Dies bedingt nun mal eine Rückkopplung seitens der Politik.

Welche Erwartungen hat der Dehoga grundsätzlich an die politischen Parteien und Gruppierungen, die bei der Kommunalwahl in den Sylter Gemeinden antreten?

Beck: Dass sie auch das umsetzen, was sie plakatieren.

Gibt es außer der Politik noch andere Bereiche, in denen Sie gerne mehr agieren würden?

Johannsen: Dann würden wir sicherlich an unsere Grenzen stoßen. Ich denke, wir sollten uns unseren originären Aufgaben verpflichtet fühlen: Die Interessen unserer Mitglieder vertreten und die Qualität der Berufsausbildung gewährleisten.

Beck: Es ist ja auch so, dass jeder einzelne Gastronom quasi nebenbei ein Stück touristischer Arbeit leistet, indem er in Gesprächen vielfältige Informationen an seine Gäste weitergibt.

Wird es künftig einen stärkeren Schulterschluss zu relevanten Institutionen wie dem Verein der Sylter Unternehmer oder der Sylt Marketing GmbH geben?

Johannsen: Auf jeden Fall.

Herr Beck, Sie waren langjähriger Vizepräsident des Dehoga Schleswig-Holstein. Ist dies heute noch hilfreich für die Belange vor Ort?

Beck: Natürlich resultieren aus dieser Zeit noch viele Kontakte, die mir kurze Dienstwege ermöglichen. Das ist zum Beispiel bei der Rechtsberatung dienlich. Wir werden uns aber auch wieder stärker auf überörtlicher Ebene einbringen - beim Landesverbandstag etwa waren wir kürzlich mit fünf Delegierten präsent. Das wurde natürlich entsprechend registriert.

Welche Veranstaltungen wird der Dehoga Sylt beibehalten?

Beck: Die Freisprechungen haben einen besonderen Status. Darauf werden wir ebenso wenig verzichten wie auf den etablierten Berufswettkampf um die Sylter Auster. Auch die Sylter Lammtage wollen wir fortführen.

Und wie sieht es mit internen Neuerungen aus - zum Beispiel einem regelmäßigen, zwanglosen Gedankenaustausch der Dehoga-Mitglieder?

Johannsen: Das ist sicherlich eine konstruktive Idee - wir machen uns bereits Gedanken hinsichtlich einer verbesserten Kommunikation.

Wie erklären Sie sich, dass Sylt zwar immer mehr gastronomische Betriebe hat, aber offenbar immer weniger Gastronomen und Hoteliers bereit sind, sich im Dehoga als ihrer Interessenvertretung zu organisieren?

Beck: Tatsächlich müssen wir eine stärkere Akquise betreiben und die eindeutigen Vorteile einer Mitgliedschaft verdeutlichen - etwa die Beratung wie auch Vertretung bei Fällen im Arbeitsrecht oder aber das Angebot von Hygieneschulungen.

Geht es den Gastronomen und Hoteliers auf Sylt zu gut oder bietet der Dehoga nicht das, was sie erwarten?

Johannsen: Das ist schwerlich einzuschätzen. Fakt ist, dass das Engagement unseres Verband auf aktiver Mitarbeit beruht. Wie Herr Beck sagte: Wir müssen künftig stärker auf die Nichtmitglieder zugehen.

Vom Crêpes-Stand bis zum Sterne-Restaurant gibt es auf Sylt mittlerweile etwa 400 gastronomische Betriebe aller Couleur. Ist diese Dichte noch tragbar respektive rentabel?

Beck: Das zu bewerten, ist nicht unsere Aufgabe. Sylt war schon immer eine kulinarische Hochburg. Und natürlich gibt es gestern wie heute noch den Typus des auswärtigen Glücksritters, der meint, das Geld fließe wie Honig, wenn man auf Sylt mal eben ein Restaurant eröffnet.

Johannsen: Betriebe mit einem wirklich durchdachten Konzept hatten und werden immer ihre Chance am Markt haben.

Es soll ja schon Gastronomen gegeben haben, die Teile der Speisenkarte eines Konkurrenten samt Rechtschreibfehlern abgekupfert haben. Das ist vermutlich nicht der Königsweg zum Erfolg. Gibt es im Gastronomie- oder Hotelbereich überhaupt Nischen?

Beck: Sicherlich. Aber die muss jeder für sich selbst finden.

Johannsen: Wer jetzt noch neu dazu kommt, sollte auch wirklich etwas Neues bieten.

Inwiefern haben sich die Ansprüche der Hotelgäste und der Restaurantbesucher in den vergangenen Jahren verändert?

Johannsen: Der Bereich der Hotellerie hat durch das Internet einen enormen Wandel erfahren. Jedes Haus steht jetzt quasi im weltweiten Wettbewerb und wird durch Bewertungsportale gläsern. Das ist eine sehr große Herausforderung und erfordert noch mehr Profession und noch mehr persönliche Ansprache des Gastgebers. Grundsätzlich hat sich das Buchungsverhalten der Gäste dahin gehend verändert, dass kurzfristiger und kurzzeitiger gebucht wird.

Beck: Im Gastronomiebereich zeichnet sich ab, dass die Urlauber das Geld mehr zusammenhalten. Auch die Selbstversorgung hat durch die vielen umfassend ausgestatteten Appartements deutlich zugenommen. Grundsätzlich ist eine Rückbesinnung auf regionale und saisonale Produkte erkennbar.

Ein ganz anderes Thema: Auf Sylt suchen die Betriebe händeringend Auszubildende - in Griechenland oder Spanien sind zwei Drittel der Jugendlichen arbeitslos. Könnten Sie sich vorstellen, auf Sylt verstärkt auch junge Menschen aus anderen Ländern auszubilden?

Beck: Selbstverständlich.

Johannsen: Allerdings würde das eine Gesamtbetreuung der Jugendlichen, also auch außerhalb der Dienstzeit, bedingen. Und es bedarf entsprechenden Wohnraums.

Ein gutes Stichwort: Viele Hoteliers und Gastronomen haben das Problem, mangels Wohnraum genügend Angestellte und Azubis zu bekommen. Wären Wohnungsbauprojekte in Eigenregie des Dehoga als eine Variante denkbar?

Johannsen: Das wäre sicherlich eine Überlegung wert. Der Verein der Sylter Unternehmer hat es vor einigen Jahren ja vorgemacht. Allerdings bräuchten wir für die Finanzierung starke Partner...

Beck: ... und die Kommunen müssten bereit sein, uns geeignete Grundstücke zur Verfügung zu stellen.

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